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Interview: LYFTHRASYR
Titel: Vielschichtige Abwechslung

Als musikalisch sehr potente Newcomer sind diese 2002 gegründeten Karlsruher Kältebringer einzustufen. Ihr aktuelles Debütalbum „The Final Resurrection“ bietet Liebhabern von betont melodischem und atmosphärischem Black Metal eine abwechslungsreich düstere Vielfalt an ungewöhnlich eigenständigen kreativen Strickmustern.

Lyfthrasyr eröffnen dem Hörer skandinavische Einflussvielfalt, herrlich melodisch umgemünzt. Vor allem der ungewöhnliche, aber ausgefeilte Sound dieser gelungenen Nachtscheibe hebt sich bestens vom Gewohnten aus dieser Underground-Richtung ab. Sänger, Songwriter, Keyboarder, Bassist und Drummer Aggreash scheint ein echter Multiinstrumentalist zu sein und er war auch der Hauptinitiator dieser so einiges versprechenden Obskurtruppe.

„Die letzten Tage waren sehr ereignisreich für uns, da wir den Weg für die Kooperation mit unserem neuen Label geebnet haben. Nachdem das jetzt geregelt ist, blicken wir sehr zuversichtlich nach vorne und möchten sehr lange in der momentanen Besetzung spielen. Auch wenn wir unsere Musik selbst als Melodic Black Dark Metal bezeichnen, gab es bereits positive Reaktionen aus den verschiedensten Richtungen und unserer Arbeit wurde ausschließlich großer Respekt gezollt, worauf wir natürlich sehr stolz sind“, lässt der Fleißige anfangs vom Stapel.

Er ergänzt: „Grundsätzlich möchten wir alle Leute ansprechen, die neben Geschwindigkeit und verzerrtem Gesang vor allem auch auf Atmosphäre und verspielte Melodien wert legen.“

„The Final Resurrection“ hat eine recht lange Entstehungsgeschichte hinter sich, wie weiter zu erfahren ist.

„Die ersten Songs wurden bereits Mitte 2002 geschrieben und schrittweise verfeinert – bis es erst Mitte 2004 eine erste richtige Besetzung für Lyfthrasyr gab, mit der das aktuelle Album dann schließlich in relativ kurzer, aber intensiv genutzter Zeit ausgearbeitet wurde. Die Songs vermischen externe Einflüsse mit einem eigenen Stil und es wurde viel Wert auf komplexe Songstrukturen mit einem Kern aus klassischer Musik und eingängigen Melodien gelegt, auch der ausgeprägte Einsatz des Klaviers soll diese Intentionen unterstreichen. Bei der Produktion wollten wir uns gezielt vom sehr rohen Sound vieler anderer Bands dieses Genres abheben und achteten auf eine starke Transparenz und Zugänglichkeit des Sounds, wobei Druck, Härte und Aggression aber nicht zu kurz kommen sollten. An diesen Zielen arbeiteten wir sehr lange und konnten unser Erreichtes schließlich beim Mastering von Mika Jussila in den Finnvox Studios in Helsinki veredeln lassen. Hinsichtlich des zeitlichen Rahmens, den wir uns dafür selbst gesetzt hatten, sind wir sehr zufrieden. Als der Mastering-Termin in Helsinki näher rückte, mussten einige Nachtschichten eingelegt werden, aber für das erzielte Ergebnis hat sich die Arbeit auf jeden Fall gelohnt.“

Lifthrasir ist, so Aggreash, der männliche Überlebende des Weltenbrandes Ragnarök in der nordischen Mythologie. Eine tragische Gestalt. Zur Unifizierung und Personalisierung hat die Band zwei Ypsilons in den Bandnamen eingefügt.

Alle Songs und Texte wurden von Aggreash geschrieben und auch größtenteils arrangiert, wie er vorgibt.

„Wobei beim neuesten Song `Sections Of Fascinating Cruelty` auch das eine oder andere Riff von Lead- und Rhythmusgitarrist Insorior stammt. Unter den aktuellen Voraussetzungen und Bedingungen wird es bis zum zweiten Album aber sicher keine weiteren zweieinhalb Jahre dauern, da die Motivation bei allen Bandmitgliedern momentan sehr hoch ist.“

Alle beteiligten Musiker haben bislang bei Bands verschiedenster Musikrichtungen mitgewirkt, und so stellt Lyfthrasyr in diesem musikalischen Zusammenhang auch etwas völlig Neues dar.

„Tendenziell kann man aber sagen, dass unsere Songs von Komposition zu Komposition komplexer und verspielter, gleichzeitig aber auch härter und teilweise schneller werden. Natürlich spielen dabei Bands, die wir sehr gerne hören, eine große Rolle. Als `einflussreiche` Gruppen kann man in diesem Zusammenhang wohl Dimmu Borgir, Old Man’s Child, Satyricon, Cradle Of Filth oder auch The Kovenant bezeichnen, aber auch Film- und allgemein klassische Musik sind in nicht geringem Maße an unseren Songs beteiligt.“

Das lyrische Leitthema, welches sich laut offenherzigem Statement von Aggreash durch „The Final Resurrection“ zieht, ist die Erkundung der Abgründe der menschlichen Seele:

„Es handelt sich um eine zusammenhängende Geschichte, von der Ich-Perspektive ausgehend betrachtet und geschildert. Der Protagonist handelt nicht gerade sittlich und menschenfreundlich und nimmt sich schließlich das Leben. Solange noch nichts Besonderes, allerdings ist das nur die Geschichte bis zum vierten von acht Songs. Bis dahin handelt er instinktiv und triebhaft, was durch den sehr einfach gestrickten Text des Openers `Bloodlust` symbolisiert wird. Mit zunehmender Dauer wird alles verworrener und unklarer wie seine Existenz für den Protagonisten selbst, verdeutlicht in `Sections Of Fascinating Cruelty` und schließlich `Voices From Beneath`, wo er lieber den Tod als ein Leben voller Unklarheit und innerer Zwänge wählt. Von diesem Zeitpunkt an dominieren ewige Ruhe und Zufriedenheit, was im Klavierstück `Eternity` ausgedrückt wird, das eine Zäsur sowohl musikalisch als auch im textlichen Gesamtzusammenhang bildet. Diese Ruhe währt allerdings nicht lange, da nach der Transzendenz ins Jenseits seine irdischen Probleme verstärkt in ihm aufkommen und ihn kaum klar denken lassen. Darstellen soll dies der recht zerhackte Text in `Forgotten Hope For The Reliquished`. Im anschließenden `Beyond The Frontiers Of Mortality` wird alles eindeutiger und der Protagonist versteht seine eigenen Gedanken wieder, die ihn allerdings auf seiner jenseitigen Reise nur mit seinen früheren Lastern quälen. `Prescribed Destination` behandelt das Ende dieser Reise: Der Begegnung mit einer undefinierbaren Kreatur, die ihn mit einer letzten, finalen Auferstehung straft. Die Texte wurden absichtlich verschwommen formuliert, um den Lesern keinen detaillierten Einblick, gleichzeitig aber einen gewissen Zusammenhang und viele Interpretationsansatzpunkte zu gewähren.“

Viele Song-Ideen wurden dabei auch immer wieder mal komplett verworfen, um wirklich nur gutes Material für den Kompositionsprozess zu verwenden.

„Mit Vielschichtigkeit und Abwechslung soll zudem eine Langzeitmotivation für das Hören des Albums aufrechterhalten werden. Außerdem sind Songs – wie auch Texte – von einem zusammenhängenden Charakter geprägt, so dass sie zwar einzeln betrachtet verschieden sind, im Kontext aber eine Einheit bilden. Die aufgebaute Atmosphäre bleibt über die ganze Laufzeit des Albums erhalten und wechselt zwar immer wieder ihre Gesichter, indem sowohl aggressive als auch traurige Stimmungen erzeugt werden, beinhaltet aber keinen Bruch. Auf diese Weise kann man sich das ganze Album am Stück anhören, ohne echte Unterbrechungen wahrzunehmen, was beim Songwriting bereits berücksichtigt wurde, aber primär auch ein Verdienst der Produktion ist, in der die Lieder soundtechnisch aufeinander abgestimmt wurden.“

Lyfthrasyr werden laut Auskunft des Multiinstrumentalisten versuchen, noch in diesem Jahr 2005 haufenweise Konzerte zu spielen, um primär möglichst viele Leute mit ihrer Musik zu erreichen.

„Aber natürlich auch deshalb, weil wir gerne auftreten und Spaß am Spielen unserer Songs haben. Ein Studioalbum zu erarbeiten und einzuspielen ist die eine Seite, aber das Material dann auch live anspruchsvoll zu präsentieren, ist sehr interessant aufgrund der vielseitigen Möglichkeiten und macht uns persönlich mehr Spaß. So planen wir, nächstes Jahr auf jeden Fall auf dem einen oder anderen größeren Sommerfestival präsent zu sein. Show, Zusammenspiel und Schnelligkeit müssen bei uns in einem ausgewogenen Verhältnis stehen und das ist bei unseren Auftritten definitiv der Fall.“

Des Weiteren werden die Karlsruher laut Info von Aggreash dabei den Show-Aspekt weiter ausbauen, da dieser Punkt bislang ihrer Meinung nach von vielen Bands etwas vernachlässigt wurde. Mithin ein wichtiger Aspekt, so mein Gesprächspartner, welcher sehr viel Potential und Platz für Individualität birgt:

„Die Atmosphäre des Albums muss bei der Live-Präsentation natürlich unterstützt werden und noch arbeiten wir daran, die Pläne sind allerdings schon sehr konkret und werden sehr bald umgesetzt. Eines kann verraten werden: Wir lassen uns einiges einfallen und wer eines unserer Konzerte besucht, wird es sicher nicht bereuen.“

© Markus Eck, 22.07.2005

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