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Interview: ISOLE
Titel: Intensivste Tragiken

Derart hocherhaben sakral, großartig episch und tiefgehend spirituell wagen sich wohl nur die allerwenigsten der vielen Doom Metal-Repräsentanten heutzutage noch vor. Zumal, ohne dabei unerträglich weinerlich lamentierend oder mental verstörend labil zu wirken.

Da sind die vollauf glaubhaft intensiven Kompositionen dieser von mordsstarkem Idealismus angetriebenen Schweden doch schon aus ganz anderem Holz geschnitzt: Und zwar aus schwerstem Hartmaterial. Mit dem neuen und dritten Studio-Requiem in Albumform, „Bliss Of Solitude“, liefert der tonnenschwer aufspielende Trauerzug um Gitarrist und Sänger Daniel Bryntse gar sein bisheriges Epik-Meisterstück ab.

Lead-Gitarrist und Background-Beschwörungsvokalist Crister Olsson entsteigt seiner geistigen Gruft und unterbricht die gewohnte Andacht in seiner Heimatstadt Gävle für mich.

„Meiner Meinung nach ist unsere neue Veröffentlichung die bisher emotionalste Platte, die wir mit Isole überhaupt gemacht haben. Wir sind schon eine ganze Weile dabei, genauer gesagt seit Anfang der 1990er. Somit konnten wir über die Jahre bis heute in aller Ruhe an unserem ureigenen Stil feilen“, verkündet der skandinavische Saitenkünstler mit dem Brustton der Überzeugung in der Stimme.

Eindeutig einig sind wir zwei uns nachfolgend darin, dass die ebenfalls aus Schweden stammenden Doom-Götter Candlemass den von Schwermut geschwängerten Isole-Sound nachhaltig geprägt haben.

Crister, ein überzeugter Fan der weltberühmten Vorreiter-Band um Leif Edling macht in diesem Punkt aus seinem Herzen keine beileibe Mördergrube.

„Ich wuchs sozusagen mit den besten Liedern von Candlemass auf, und seit ich die ersten frühen Songs von Leif erstmalig hörte, war es schlagartig um mich geschehen.“

Doch von der bloßen Kopie ihrer verehrten Vorbilder, zu denen übrigens auch die Texaner Spitzenkönner Solitude Aeturnus zählen, möchten sich Isole nachhaltig freisprechen, so der Saitenzupfer klarstellend.

„Trotzdem legen wir darauf eigentlich gar keinen Wert, während wir unsere Kompositionen erstellen. Wir gehen unbefangen vor. Uns ist dabei primär wichtig, dass wir auf kreativem Sektor völlig von uns selbst inspiriert agieren. Denn wir haben eine Menge an Gefühlen umzusetzen, da brauchen wir musikalisch wirklich niemanden nachzumachen.“

Crister hat eben ganz einfach ein Faible für musikalische Faktoren wie Tragik, Dramatik, Verzweiflungsstimmungen und ausgeprägte Epik, wie er darlegt.

„Und wenn eine Band dies alles mit Klasse in schwermetallische Ummantelungen einpackt, dann kann ich das vollauf genießen. Den anderen in der Band geht es in diesem Punkt ganz genauso, daher spielen wir so gerne und auch so gut zusammen.“

Wie mir der Mann im Weiteren mit angenehm kontrolliertem Redefluss berichtet, wollten Isole mit ihrem aktuellen Langspieler „Bliss Of Solitude“ diesmal dunkler und schwerer denn je zuvor klingen.

„Doom ist unsere ganze Leidenschaft. Da kann es ja, ganz im Sinne dieser Stilrichtung, ohnehin nicht dunkel, düster und schwerfällig genug sein. Mit unserem vorherigen 2006er Album `Throne Of Void` waren wir zwar ganz zufrieden, doch für das neue Werk schwebten uns Klangspektren und Stimmungen vor, die schon noch eine ganze Ecke intensiver und einnehmender sein sollten.“ Und nichts weniger als das ist ihnen auch exzellent gelungen.

© Markus Eck, 28.12.2007

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