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Interview: HAGGARD
Titel: Vielfältige Genuinität

Erstaunlich, wie lange dieses Münchner Ensemble bereits schon Gestaltungselemente aus erhabener Klassik, mittelalterlicher Renaissancemusik und erquicklich kernigem Metalsound miteinander ins opulente Kombinat bringt. Vom einstigen Projekt eines ambitionierten Idealisten bis hin zur international gleichfalls respektierten und beliebten Ausnahmeformation war es ein langer und nicht immer leichter Weg.

Doch Gruppengründer und -Lenker Asis Nasseri hat seit den Anfängen im Jahr 1989 noch immer nichts von seiner großen Faszination und Liebe für Notenkünste verloren, wie er mir im Interview offenbart.

„Ehrlich gesagt, ich wollte schon immer Musiker werden. Astronaut oder Feuerwehrmann war nie was für mich“, eröffnet er sein künstlerisches Credo. Und die ebenfalls stets lodernde Lust von Sänger, Komponist und Gitarrist Nasseri auf Live-Auftritte mündet nun demnächst in neuen Konzertauftritten.

Die dafür geplante Opera Metal Tour 2011 findet nämlich, so Meister Asis, im Rahmen des 20-jährigen Bühnenjubiläums von Haggard statt. Er erläutert:

„1991 haben wir das erste Konzert gespielt. Für uns sind das 20 Jahre voller unglaublicher Emotionen, voller Spannung und Abenteuer. Wir haben mittlerweile in 26 Ländern spielen dürfen, da sieht man einiges von der Welt. Von Lateinamerika bis Tunesien, Türkei, Ost- und Westeuropa war alles dabei. Umso mehr freue ich mich, wieder ausgiebig Konzerte in Deutschland spielen zu dürfen.“

Ende April werden die Münchner Schöngeister einen Abstecher für ein Festival nach Malaysia machen, wie noch in Erfahrung zu bringen ist. Asis:

„Im Mai geht es dann nach Österreich und Osteuropa, Ende Mai beziehungsweise Anfang Juni nach Venezuela, Chile, Uruguay, Peru, Argentinien, Brasilien und Kolumbien. Danach, im September, ist Russland und die Ukraine dran. 2011 spielen wir diverse Festivals: Bestätigt sind das Hexentanz Festival, das Burgfolk Festival, das Burghausener Burgfest und das Hörnerfest. Gen Herbst wird es schnurstracks ins Studio gehen. Es ist ziemlich viel geplant.“

Den Stil seines Orchesters wird der Initiator laut eigener Aussage auch weiterhin kultivieren. Er verkündet visionär: „Auch weiterhin gibt es von uns eine Symbiose aus mittelalterlicher Musik, Renaissancemusik, Klassik und Metal zu hören. Gespielt mit realen Instrumenten, und ohne Synthesizer-Effekte. Auch live ist alles echt, mit Metallern und Klassikern, jedes Instrument ist vertreten.“

Haggard werden circa im Herbst dieses Jahres wieder ins Studio gehen und den Nachfolger zum Album „Tales Of Ithiria“ aufnehmen, so Asis. „Es sind einige Überraschungen geplant. Der Titel steht noch nicht fest, da muss ich noch ein wenig darüber nachdenken. Das Album soll dann im Frühjahr 2012 erscheinen“, offenbart der Mann.

Drei Jahre Albumpause mussten die vielen Haggard-Fans aushalten. Asis resümiert hierzu: „Wir waren viel unterwegs, u. a. zwei Europatouren, zwei Lateinamerikatouren, ein Auftritt auf dem ‚Rock Al Parque’ in Kolumbien/Bogota vor über 100.000 Fans, um nur einiges zu nennen. Ich habe komponiert, Neues ausprobiert. Ansonsten haben wir es uns alle gut gehen lassen und stehen mit vollem Elan für die 2011er Konzerte bereit“, gibt er mit einem milden Lächeln preis.

Inspiration erfährt Asis nach wie vor auch durch alte Notenkünste, vor allem mittels Renaissance-Musik, Barock und Klassik, wie er verlauten lässt. Er fügt an:

„Als Sprachästhet bin ich natürlich auch ein Verehrer der deutschen Dichtkunst: Goethe, Schiller, Rilke, um nur einige aufzuzählen. Weiterhin hängt mein Herz an alten Märchen, beispielsweise Grimm oder Andersen. Filmisch lasse ich mich gerne berieseln; die letzten beiden guten Filme, die ich im Kino sah, waren ‚Das Konzert’ und ‚Goethe’.“

Ich erkundige mich im Anschluss daran, in welchen Momenten meinem Gesprächspartner bislang die besten Lieder beziehungsweise Ideen für Haggard in den Sinn gekommen sind. Dieser konstatiert: „Das kann man so direkt nicht sagen. Das, was mir in den Sinn kommt, sind meistens Fragmente, Melodien, durchaus auch polyphon. Gerade lange Spaziergänge in der Natur und ruhige, besinnliche Minuten sind bei mir ein Auslöser für kreative Schübe. Dann hat das Hirn mal wieder Zeit zu rattern“, entfährt es dem Komponisten unter lautem Lachen.

In erster Linie hofft er für Haggard, wie er dann bekundet, dass alle in der großen Musikgruppe gesund bleiben. „Denn das ist das Wichtigste. Und natürlich wünsche ich mir weiterhin Erfolg für Haggard. Wir werden richtig Gas geben, viele Live-Dates spielen und die neue Scheibe einspielen. Nach dem Konzert in Malaysia würde ich mir wünschen, dass wir die Möglichkeit haben, den asiatischen Raum zu erobern.“

Ich erbitte zum Abschluss noch eine Lebensweisheit, die Asis den Lesern auch noch gerne mit auf den Weg gibt: „Das ist keine von mir, jedoch eine von Goethe, mit der ich mich voll und ganz identifizieren kann: ‚Wir wollen einander nicht aufs ewige Leben vertrösten. Hier noch müssen wir glücklich sein.’“

© Markus Eck, 30.01.2011

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