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Interview: GHOST BRIGADE
Titel: Hungrige Seelenfresser

Seit ihrem Album „Until Fear No Longer Defines Us“, veröffentlicht im 2011er Spätsommer, ist es verdächtig still um diese stark denkerisch veranlagten Finnenseelen geworden.

Kein Wunder: Nach der Veröffentlichung dieses dritten Langspielers hatte die fünfköpfige Geisterbrigade um Vokalist Manne Ikonen umfassende Hürden zu nehmen.

Und im Zuge dessen musste sogar auch eine ziemlich einschneidende Modifizierung im Line-Up von der sensiblen Truppe bewerkstelligt werden.

Nicht wenig überraschend kehren Ghost Brigade jetzt vermeintlich urplötzlich mit einem weiteren Album zurück ins schwermütige Geschehen.

Und das neue Werk „IV - One With The Storm“ bietet den abgründig düster angelegten Melancholic Dark Doom Metal der eigenwilligen Formation in Vollendung.

Geboten werden vertonte Schmerzen immensen Ausmaßes, die man den sechs Typen als aufmerksamer Hörer ohne große Mühe 1:1 nachfühlen kann.

So kamen mit Joni Saalamo und Joni Vanhanen je ein neuer Bassist als auch ein dauerhafter Tastenspieler zu Ghost Brigade, wie Gitarrist und Gründungsmitglied Wille Naukkarinen zu berichten weiß.

„Die Rekrutierung der beiden Jonis sollte unseren Sound noch mehr abrunden. Und die zwei können wirklich nicht nur außerordentlich viel bewirken in unserem Gesamtklangbild, sondern wir verstehen uns auch auf zwischenmenschlicher Ebene beinahe perfekt mit ihnen. Ein wahrer Segen! Noch dazu kommen beide aus unserer Heimatstadt Jyväskylä. Es ist für die Band das allererste Mal überhaupt, dass sämtliche Mitglieder gemeinsam in einem Ort wohnhaft sind, was uns nun erfreulicherweise sehr viel öfter eine vollzählig anwesende absolvierte Bandprobe ermöglichen kann.“

Als das besinnlich geartete Gespräch gezielt auf die besonderen Merkmale des neuen Albums der Trauertruppe zugeht, zeigt sich das Gesicht des Axemans sichtlich in Regung versetzt.

„Das neue Material wirkt primär nicht nur hinsichtlich der Riffs vielfältiger und insgesamt komplexer, sondern zugleich auch vermehrt durchdacht und ausgefeilter. Im Gegensatz zu unseren früheren Alben ging ich den Kompositionsprozess nämlich diesmal doch eindeutig differierend an; vor allem auch, was meinen persönlichen Anspruch betrifft. Bislang werkte ich immer solange an einem Stück, bis es vollends fertig war, bevor ich mich überhaupt konkret ans nächste heranzuwagen getraute. Doch diesmal hatte ich gleich sechs neue Nummern auf einmal im Sinn, eigentlich schon fast ein wahrer Kreativitätsrausch. [lacht] Ich war dabei von Anfang an sehr neugierig darauf, wie sich diese Songs entwickeln würden, wenn ich ihnen mehr Zeit zum Ausreifen als sonst geben würde. Ohne Hast und Termindruck zum Schluss hin, wie es früher immer war. Und das hat sich mächtig gelohnt, wie man nun hören kann.“

Denn, wenn jemals eines ihrer Alben mehr war als nur eine einheitlich klingende Kollektion an Liedern, dann „IV - One With The Storm“, so der Griffbretthauer voller tiefer Überzeugung im Tonfall.

„Das zeigt sich beispielsweise am deutlichsten daran, dass unser Label vorab einen Song im MP3-Format veröffentlichen wollte, um die neue Scheibe zu promoten. Wir hatten einen Tag Zeit dazu, um einen Track auszuwählen. Da wir uns aber einfach nicht entscheiden konnten, welches Lied es denn nun sein sollte, musste letztendlich die ganze Idee in die Tonne getreten werden. Die Kompositionen haben sämtlich eben einen sehr starken Charakter und zusammen ergeben sie etwas sehr Spezielles, wo wir nichts aus dem Zusammenhang gerissen sehen beziehungsweise hören möchten. Einen Single-Track zu veröffentlichen, das würde sich für uns so anfühlen, als das Album hinterhältig und rücksichtslos zu verraten.“

Der Gitarrist freut sich derzeit schon darauf, 2015 mit seiner Depri-Kapelle zehnjähriges Finsterjubiläum feiern zu dürfen. Er überlegt zunächst kurz, um dann in aller Unumwundenheit zu bekennen:

„Ich hätte ehrlich gesagt ja niemals daran gedacht, überhaupt so lange mit der Formation aktiv sein zu können. So war ja damals zu Beginn, als Ghost Brigade noch im halbgaren Projektstatus verweilte, nicht mal vorgesehen, jemals ein vollwertiges Album im klassischen Sinne aufzunehmen. Mittlerweile sind ganze vier Alben daraus geworden, was wir damals noch viel weniger vorhatten. Auf gewisse Weise mutet das Ganze für mich schon befremdlich bis unglaublich an. Aber so weit ist es eben gekommen. Von Monat zu Monat wuchsen die damit an uns verbundenen Herausforderungen. Und wir mit ihnen. Obwohl wir es anfangs nicht glauben wollten, aber mit der Zeit machte es sogar so richtig Spaß, sich dem zu stellen - und zu gewinnen.“

So dreht es sich für den im Dialog eher zurückhaltend kommunizierenden Wille bei Ghost Brigade letztendlich sogar einzig nur darum, musikalische Schwierigkeiten meisternd zu überwinden.

„Ich möchte mich als Musiker und Komponist hauptsächlich selbst herausfordern, gewissermaßen einem spannenden Duell gleich. So will ich eigentlich immer nur Nummern komponieren, die ich mir auch selbst sehr gerne anhöre. Es sollen Lieder aus mir entstehen, dir mir anhaltende Gänsehautschübe mit sich bringen.“

© Markus Eck, 15.10.2014

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