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Interview: FEAR FACTORY
Titel: Mit aller Deutlichkeit

Sie sind wieder zurück, und das mit einem musikalischen Gigantismus, der aufgrund der Anhäufung von monströs erbebenden Rhythmiken überdimensional erscheint.

Und für das neue kolossale Hammeralbum „Mechanize“ warfen die Genre-Ikonen und mutigen Visionäre Fear Factory alle ihre bekannten Innovationsstärken in einen riesigen Kreativitätskessel, kochten höllisch heiß und extrahierten daraus den Inhalt für das aktuelle Intensitätswerk.

Donnernd schmetternder und erhebend epischer Industrial Crossover Metal, erfüllt von feinmelodischem Geist, welcher auf allen gebotenen Stimmungsebenen mit fantastischen Atmosphären zu faszinieren weiß.

Wie mir Sänger Burton Christopher Bell zu erzählen weiß, wollte er die erwähnte Portion Epik schon länger wieder in den Sound der Band einbringen.

„Der Plattentitel der neuen Scheibe verdeutlicht das oberbegrifflich: Fear Factory steht auch 2010 für sehr stark `mechanisiert` klingenden Metal. Ich war schon immer ein großer Fan von Industrial-Sounds und dergleichen, und ich fühle mich daher verdammt gut mit einer Scheibe wie `Mechanize` in der Hand.“

Glücklicherweise haben sich alle personellen Differenzen der letzten Jahre wieder in Richtung kreative Einigkeit gewandelt, so Schreihals Burton.

„Als wir das Material für diese Platte erstellten, wollten wir Beteiligten einerseits den guten alten Fear Factory-Zeiten ergebenen Tribut zollen, andererseits sollten die neuen Kompositionen auch mit einer gehörigen Frische und vor allem vielen impulsiven Dynamiken versehen werden. Und genau dazu trägt nun unser wiedergekehrter Gitarrist Dino Cazares massiv bei. Sein für ihn beziehungsweise Fear Factory typisches Spiel ist auf `Mechanize` einfach umwerfend. Endlich fühlt es sich in der Band wieder komplett an, wir zwei gehören hierfür einfach zusammen und nur in dieser Konstellation können wir wirkliche Intensität entstehen lassen! Zum Glück habe ich mich aufgerafft, den Dialog mit Dino wieder zu suchen“, zeigt sich der Frontmann immens erleichtert.

„Das ist eben genau die Musik, die ich aus dem Innersten heraus machen möchte, das ist der Sound der in meinem Herzen wohnt. Wenn ich allein schon daran denke, was über all die Jahre seit unserem damaligen Debütalbum so alles an Musikrichtungen über die Hörer hereinbrach, bin ich aktuell doppelt so stolz, noch immer so viel Herzblut für Fear Factory in mir zu verspüren. Und das hört man meinen neuen Vokalisierungen auf `Mechanize` auch sehr deutlich an. Ich trat beim Einsingen regelrecht selbstvergessen aus mir heraus.“

Wir gehen anschließend zusammen noch einige der neuen Songtexte von „Mechanize“ durch, welche laut Burton ganz bewusst mit betont sozialkritischer Cleverness verfasst wurden.

Und ich gerate dabei tatsächlich auf angenehme Weise ins Staunen. Dass also ausgerechnet seine Heimat, die USA, einst stets massenmedial als das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ global gepriesen, einmal die Bedeutung des Bandnamens dermaßen übel erfüllen würde, also als „Angstfabrik“, das hätte sich auch mein Gesprächspartner so schlimm nun nicht unbedingt erwartet.

Jedoch: „Weißt du, hier bei uns läuft das so: Da gibt es die einen Amerikaner, die bedingungslos jeden Scheiß glauben, der in den News tagtäglich so berichtet wird. Und dann gibt es auch noch solche wie mich beispielsweise, die primär rein gar nichts davon glauben. Das Ganze, also die immense Macht der Massenmedien, hat sich mittlerweile doch sowieso zu einem richtigen Irrsinn entwickelt.“ In der Tat. Ein Irrsinn aber, der leider sogar immer noch schlimmer anstatt weniger wird.

© Markus Eck, 02.12.2009

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