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Interview: ENSLAVED
Titel: Nordischer Bund

Nicht nur in fanatischen Viking Metal-Insiderkreisen gelten Enslaved mit aller denkbaren Berechtigung überhaupt als mustergültiger Prototyp einer wirklichen, ja, einer „echten“ Band.

Denn die Mannen um Anführer, Bassist und Sänger Grutle Kjellson sind erstens schon seit den frühen 1990ern ganz vorne mit dabei und zweitens haben sie ihr musikalisches Gesicht trotz mittlerweile mehrmals modifizierter Stilistik niemals verloren.

Mehr noch, das neue grandiose Studioalbum mit dem interessanten Titel „Axioma Ethica Odini“ gleicht gar einer fulminant-triumphalen Rückkehr! Deutlich ist den neuen Kompositionen darauf anzuhören, dass für sie eine wahre Unmenge an Leidenschaft, Liebe und Hingabe aufgewendet wurde. Und letzteres geschah auch noch mit gigantischem Können.

Und die aufwändig-progressiven beziehungsweise psychedelisch angelegten Strukturen, die vormals noch das Geschehen bei Enslaved ganz klar dominierten, werden nun von wahrlich wunderbaren Melodiken konturiert.

So entstand eine enorm eindringliche Mischung aus Härte, Passion und dem untrüglichen Gespür für zeitlos griffige Stücke.

Im Interview zum neuen musikalischen Auswurf gibt sich Frontmann Kjellson - er macht sich zu Beginn in aller Gemütlichkeit erstmal ein Bier zischend auf - wie immer sehr redegewandt, gut informiert und vor allem beeindruckend meinungssicher:

„Unser Line-Up ist seit circa 2004 stabil, was daran liegt, dass wir gut miteinander können. Natürlich sind unser Saitenmann Ivar Bjørnson und ich nach wie vor am meisten verbrüdert und nicht zuletzt dadurch auch die beiden treibenden Köpfe der Band, doch alles in allem funktioniert die ganze Gruppe glücklicherweise wirklich bestens. Jeder in der Band kennt seine Grenzen, auch die musikalischen, was sich immer wieder aufs Neue bewährt.“

Und wie er daran anknüpft, weiß Grutle es auch sehr zu schätzen, dass seine Mitmusiker sämtlich so immens leidenschaftliche Künstler sind. Wir erfahren vom Meister:

„Ich denke ohnehin, anders würde das Ganze bei uns auch gar nicht auf Dauer funktionieren. So entstand ja auch letztlich unser neuerer Stil – denn jeder bei uns hat seine ganz individuellen eigenen musikalischen Einflüsse beziehungsweise Vorlieben, die nach Kräften eingebracht werden. Die Rollenverteilung haben wir über die Jahre ebenfalls sehr gut klargelegt beziehungsweise organisiert. Und unser Haufen besteht ja zudem auch nicht aus Frischlingen, was den Songs ebenfalls stets sehr zugute kommt. Andere Bandleader lassen da wohl weniger mit sich reden, aber ich finde das umso interessanter und belebender für den Gesamtsound von Enslaved. Aber zum Glück weiß auf der anderen Seite auch jeder von uns ganz genau, was zum Sound von Enslaved passt und was nicht, so sparen wir uns immer wieder viele überflüssige und kontraproduktive Diskussionen. Von mir aus kann das genau so auch gut weitergehen, ich bin sehr zufrieden damit.“

Auf die stilistischen Signifikanzen der neuen Lieder angesprochen, kommt der Bärtige beinahe ins Stocken. Doch nur scheinbar, dann sprudelt der Redefluss wieder wie gewohnt:

„Also, das ist ein ganz spezieller Punkt, der gerade für mich immer wieder sehr schwer darzulegen beziehungsweise zu erläutern ist. Bei uns ist das nämlich eine völlig eigendynamische Geschichte – alles andere als planbar. Was nun die aktuellen Nummern angeht, die empfinde ich persönlich zunächst mal als härter, aggressiver und druckvoller im Gegensatz zum vorherigen Album. Grundsätzlich ist dazu zu sagen: Wir trafen uns vor dem Beginn des eigentlichen Kompositionsprozesses ein wenig öfter im Probenraum als sonst üblich, so kamen neben massiven Steigerungen in der Dynamik unserer Musik auch mehr detaillierte Arrangements und auch hocheffiziente, weil sehr ausgefeilte Melodiken zusammen.“

Ebenfalls machten sich seine treuen Mannen für „Axioma Ethica Odini“ daran, den Sound eines jeden involvierten Instrumentes bis zum Geht-nicht-mehr zu optimieren, was auch sehr zum Klangbild beiträgt, so Grutle.

„Dies trieben wir teilweise exzessiv, steigerten uns da regelrecht rein. Und somit konnten wir die Balance aller klanglichen Bestandteile bestens herstellen, was die Stücke sehr organisch und homogen erscheinen lässt. Ich persönlich empfinde die neue Scheibe als wunderschön, wenn ich das mal so sagen darf.“

Darf er gerne, und ebenso willkommen ist seine anschließend geäußerte Erläuterung hinsichtlich der neuen Lyriken der Lieder.

„Die kann natürlich wie immer bei uns jeder Hörer interpretieren wie er möchte, doch wie der Titel „Axioma Ethica Odini“ schon ganz eindeutig offenbart, drehen sich die Songtexte um alte Legenden über den Wikingergott Odin. Das meiste darüber ist ja schon zur Genüge über das Genre beziehungsweise die Bands verbreitet worden. Doch wir bevorzugen auf dieser Ebene ohnehin den philosophischen Weg der Vorgehensweise. Meiner Meinung nach lassen sich menschliche Emotionen sowieso am allerbesten auf philosophische Weise ausdrücken.“

© Markus Eck, 19.08.2010

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