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Interview: ENSIFERUM
Titel: Aufschlussreicher Zwischenstand

1995 haben sie ihre Truppe gegründet. Und seitdem spielten sich die außerordentlich talentierten Finnen mit ihren fulminanten Songs über die Jahre in zahllose Folk Metal-Herzen.

Moment mal, 1995? Dann gab es dort ja vor kurzem das 20-jährige Jubiläum zu feiern!

Und aus genau diesem Anlass heraus präsentiert die beständige Band um Sänger und Axeman Petri Lindroos jetzt eine liebevoll kompilierte Retrospektive mit dem überaus passenden Titel „Two Decades Of Greatest Sword Hits“.

Seit 2004 ist er im Line-Up. Und wie Bassist Sami Hinkka Einblick gewährt, war es für die ganze Band ein spannender und aufschlussreicher Prozess, die Songs für „Two Decades Of Greatest Sword Hits“ gemeinsam auszuwählen.

„Wir gingen unsere bisherigen Alben dazu Stück für Stück durch und bemerkten im Zuge dessen deutlich, wie genau wir uns über die Jahre musikalisch weiterentwickelt haben. Und auch wenn die aktuelle Veröffentlichung eine Art ,Best Of‘-Release darstellt, so haben wir noch viele weitere Hits im Repertoire, die keinen Platz darauf fanden. Und wir nutzten den Werdegang der Song-Auswahl um uns darüber erneut bewusst zu werden. So konnten wir unsere Live-Set-Listen umschreiben und um entsprechendes Material erweitern, was uns wirklich sehr viel Spaß gemacht hat. Da wurden jeweilig auch viele Erinnerungen wieder wach in uns.“

Die finale Auswahl für einen repräsentativen Song-Überblick gestaltete sich allerdings ziemlich knifflig für die Beteiligten, wie sich der Dehner der dicken Stahlsaiten mit kritischer Miene erinnert. Sami:

„Aber auch wenn wir viele Stücke letztlich von der Liste zu streichen hatten, geriet uns die Trackliste am Ende doch sehr gut. Natürlich war es nicht so ein großer zeitlicher Aufwand die vertretenen Stücke auszuwählen, als komplett neue Nummern zu schreiben. Aber sich um die Auswahl der Lieder zu kümmern, am Frontcover mitzuarbeiten sowie unsere Zitate zu den einzelnen Songs zu verfassen, das dauerte schon auch seine nötige Zeit. Ein Schnellschuss ist das Ganze absolut nicht. Die Hörer erwartet daher ein überaus interessanter Ritt durch alle unsere bisherigen Alben.“

Die Idee zur Kompilation kam dabei nicht mal von der Gruppe selbst.

„Unser Label dachte sich das aus. Hintergrund ist, dass es eine gute Möglichkeit für die Fans ist, die vonstatten gegangene Entwicklung von Ensiferum auf einer Veröffentlichung hören zu können. Uns gefiel der Gedanke gleich sehr gut, daher gab es keinerlei Einwände diesbezüglich von Seiten der Band.“

Eine große Party zum 20-jährigen Jubiläum der Formation in Helsinki ist allerdings nicht geplant, so der Tieftöner.

„Überhaupt nicht, es wäre sowieso gar keine Zeit gewesen, eine derartige Feier im Voraus zeitgerecht zu organisieren. Wir sind dafür derzeit zu viel auf Tour und auch das neue Songwriting braucht seine Zeit. Vielleicht haut das mal hin, wenn wir mit Ensiferum das Vierteljahrhundert vollmachen?“

Allzu nostalgisch oder wehmütig empfindet er ohnehin nicht, so Sami, wenn er sich den aktuellen Anlass ins Gehirn ruft. „Natürlich erinnere ich mich gerne an vieles mit der Band, an all die Konzerte, Touren, Studio-Sessions etc. Mal sehen, eventuell kommen die richtig nostalgischen Gefühle nach den nächsten 20 Jahren in mir zum Ausbruch.“

Ensiferum haben sämtliche musikalischen Trends der letzten zwei Dekaden völlig mühelos überstanden. Die Antwort zur Frage nach der Ursache hierfür kommt dem Bärtigen nur allzu leicht über die Lippen.

„Das liegt einfach daran, wie ich denke, dass wir eben niemals irgendwelchen Moden und Trends gefolgt sind. Sogar ganz im Gegenteil: Wir haben bislang immer nur unser ureigenes Ding durchgezogen. Unbeirrbar. Und ganz egal, was da auch kommen mag - wir werden weitermachen damit, stets genau die Musik zu kreieren, die wir selbst von ganzem Herzen und aus tiefster Seele heraus lieben.“



Für ihn zählt dabei noch immer genau das, was seit jeher schon bestimmend war.

„Es geht darum, eine verdammt gute Zeit mit seinen Freunden zu haben und all die kreativen Höhenflüge und frustrierenden Niederschläge im Songwriting vollauf zusammen zu teilen. Ohne derlei überwältigende Emotionen kann kein richtig guter Song entstehen, wie ich finde. Den anderen geht es da genauso. Und die Krönung des Ganzen sind für uns immer und immer wieder die gemeinsamen Konzerte, bei denen großartige Stimmungen entstehen! Bei uns stimmt es einfach rundum. Daher arbeiten wir als Band auch jedes Jahr noch besser zusammen“, freut sich der Mann.

Gegenwärtig arbeiten die fünf Musiker ohnehin schon wieder emsig an frischem Songmaterial, verrät Sami noch. „Und es zeichnet sich im momentanen Stand der Dinge bereits sehr deutlich ab, dass auch das kommende Album wieder eine neue und gleichzeitig wichtige Stufe nach vorne für unsere Musik bedeuten wird. Es fühlt sich toll an. Wir sind offen für neuartige Ideen, wir zollen unserem guten alten Stil Tribut und es wird viel Metal geben sowie auch tonnenweise Folklore!“


© Markus Eck, 12.03.2016

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