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Interview: ENSIFERUM
Titel: Sinn für Sehnsucht

Mit ihrem fünften Album-Spektakel „Unsung Heroes“ werden die finnischen Viking Folk Metal-Superstars triumphal erobernd zu vielen neuen Ufern gelangen können.

Denn der Faktor „Extremität“ wurde für dieses neue Langspielwerk so massiv gedrosselt, dass es nun auch Hörern der nicht ganz so harten Schwermetall-Sounds absolut problemlos in Ohren und Herzen flutschen sollte.

So immens sehnsüchtig, so hochgradig erhaben und opulent episch erklingend hat man Ensiferum bislang ebenfalls noch nicht vernommen. Teilweise erreichen die aktuellen Kompositionen mit ihrem cineastischen Einschlag sogar ganz großes Filmsoundtrack-Flair, wie beispielsweise der monumentale Titeltrack verdeutlicht.

„Auch wenn sich ,Unsung Heroes‘ von den vorherigen Alben insgesamt merklich abhebt, so war das natürlich so überhaupt nicht von uns beabsichtigt. Denn das neue Songmaterial entstand wie immer bisher bei Ensiferum auf sehr natürlichem und unverkrampftem Wege. Wir fühlten ganz einfach genau so die letzten Jahre, und so hören sich eben die neuen Tracks an. Sehr viel erklären oder großartig zu speziellen Details resümieren kann und möchte ich dazu eigentlich nicht. Das neue Material ist eben in der benötigten Zeitspanne ganz einfach letztlich so geworden, wie es nun ist. Wir entwerfen vor den Kompositions-Arbeiten zu unseren Scheiben keinen ,Masterplan‘. Wir bevorzugen es, wenn erste Ideen und Ansätze sich völlig frei von Zwängen und Vorgaben entwickeln dürfen. Dies war tatsächlich schon immer so bei Ensiferum, und so wird es hoffentlich auch bleiben“, erklärt Tieftöner Sami Hinkka zum Klangbild von „Unsung Heroes“.

Und wie der hauptsächliche Songtexter von Ensiferum, welcher seit 2004 in der Band am Wirken ist, im Weiteren darlegt, nahm der eigentliche Songwriting-Prozess zum neuen Album-Auswurf konkret gesehen zwei Jahre ein.

„Wir sind ja immer sehr viel live unterwegs, sammeln und dokumentieren aber dennoch kontinuierlich die besten der uns in den Sinn kommenden Lied-Ideen. Wir trugen erneut Idee um Idee zusammen, arbeiteten weiter an den ersten Resultaten und entdeckten dabei neue Melodien und Strukturen etc. Und schließlich sind ja auch Songs mit dabei auf der neuen Platte, die teilweise vor bis zu fünf Jahren von uns geschrieben worden sind und nun endlich veröffentlicht werden.“

Nachfolgend darauf angesprochen, dass sich das Material auf „Unsung Heroes“ auffallend ästhetisch anhört, und gefragt, ob die Mitglieder der skandinavischen Populär-Band selbst leidenschaftliche Ästheten sind, zeigt sich der gute Sami angenehm irritiert.

Er bläst die Backen auf, um dann zu entgegnen:

„Eine wirklich sehr gute Frage, darüber habe ich noch niemals nachgedacht! Aber das kann schon tatsächlich sehr gut möglich sein … ja, ich denke, wir empfinden schon auf ästhetische Weise in der Band, sonst würde sich unsere Musik wohl auch nicht genau so anhören, wie sie ist.“

Sehr viel kommerzieller als zuvor ertönen also die hymnischen Kompositionen ihres neuen und fünften Albums „Unsung Heroes“.

Doch die erfolgsverwöhnten Finnen Ensiferum haben den nicht ganz leichten Spagat zwischen Beibehaltung der eigenen Note und dem Vorstoß in neue Hörerregionen gekonnt gemeistert.

Gerade die oftmals stark reduzierte musikalische Extremität des aktuellen Langeisens macht die Platte nämlich jetzt auch für diejenigen Hörer interessant, die bislang nicht allzu viel mit den beiden Genres Folk- und Viking Metal anfangen konnten.

Als ebenso förderlich für breitenträchtigere Willkommensrufe dürfte der Band das erhebende Filmsoundtrack-Flair dienen, welches so einige der neuen eingängigen Schwertträger-Epen veredelt.

Wie der hauptsächliche Songtexter von Ensiferum, der seit 2004 in der Band wirkt, weiter zu berichten weiß, sind auf der neuen Veröffentlichung abermalig für diese Art von Musik recht untypische Instrumente in die Pflicht genommen worden.

So haben haben die finnischen Metier-Berühmtheiten die damalige Verwendung eines Banjos, welches auf dem 2009er Albumvorgänger „From Afar“ mutig integriert wurde, zum Anlass genommen, solcherlei originellem Aspekt weiterhin Rechnung zu tragen.

„Das erstaunte Feedback der Hörer zu den Banjo-Linien im betreffenden Stück ,Stone Cold Metal‘ war überraschend positiv, was uns natürlich gleichermaßen gefreut wie bestätigt hat. Auf ,Unsung Heroes‘ kam besagtes Banjo zwar nicht mehr zum Einsatz, aber wir verwendeten für die neuen Tracks wieder einige richtige Folklore-Instrumente, um den musikalischen Horizont des Materials über den reinen Metal-Faktor hinaus zu erweitern. So werden die Hörer beispielsweise Klänge von Dulcimer, Bouzouki, Kantele, Balaleika, Nickelharpa und Flöten entdecken, die wir allesamt auf sehr homogene Art und Weise in die Lieder verbaut haben. Sogar ein für Folk Metal wirklich abstrakt wirkendes Didgeridoo fand im 17-minütigen Mammut-Song ,Passion Proof Power‘ Einzug!“

Dennoch haben sich die skandinavischen Überzeugungstäter, so der Bassist, wieder dazu hinreißen lassen, auch auf dem neuen Opus für allerlei Überraschungen und Aha-Effekte zu sorgen.

Ensiferum mögen es kollektiv nämlich überhaupt nicht, sich selbst in eine bestimmte Direktive drängen zu lassen, wie Sami noch anfügt.

Schließlich, so der Viersaiten-Spieler, möchten er und seine Truppe ihre ganz eigene Musik machen, egal, welches ergänzende Instrumentarium dabei Verwendung findet, solange es zu Ausrichtung und Attitüde der Gruppe passt.

So ist außerdem zu erfahren:

„Wir haben ein Harmonium verwendet, welches sich hervorragend zu diversen Keyboard-Linien fügen ließ. Auch mit Wah-Wah-Effektgerät wurde von uns gearbeitet. Wir waren und sind uns vollauf bewusst, dass dies alles wirklich sehr untypisch für den bisher gewohnten Sound von Ensiferum, aber wir wollten damit für dieses neue Album unbedingt einige neue Nuancen in unser Klangbild einschleifen. Und gerade mit den mystischen Orgel-Tönen konnten wir den Dramatik-Effekt so mancher Song-Momente um ein Vielfaches potenzieren. Damit das epische Ganze möglichst homogen in der Zusammenstellung erscheint, haben wir die Tempi der Stücke überwiegend doch ziemlich gedrosselt, was der Gesamterscheinung des Werkes aber überaus produktiv zugute kommt. Letztlich haben wir es unserer Meinung nach hinbekommen, dass sich trotz der Innovationen alles wie aus einem einzigen Guss anhört.“

Das Gespräch greift noch den erwähnten überlangen Track „Passion Proof Power“ auf, welcher auf dem neuen Album aus Rausschmeißer funkiert. Sami:

„Ursprünglich wollten wir diesem Song den Titel ,Around The World In 15 Minutes‘ geben. Neben erwähntem Didgeridoo sind hierbei eben auch Bouzouki, Kantele, Balaleika etc. zu hören, was folkloristisch gewollt quer über die ganze Welt führt. Um diesem ganz und gar ungewöhnlichen Stück noch mehr Vielfalt und variantenreichere Atmosphären zu verleihen, haben wir sogar 70s Progressive Rock-Elemente zukommen lassen. Selbst anmutiger Frauengesang ist dabei zu vernehmen. Eine tolle Erfahrung für uns alle.“

© Markus Eck, 10.08.2012

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