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Interview: EKTOMORF
Titel: …beißen zurück!

Mit einem wirklich gehörigen Schuss an bitterböser Wut im Bauch und literweise bitterem Rhythmus-Schweiß abgewürzt sind die 14 neuen Krawallnummern dieser gefährlich bissigen Groove Thrasher. Und ihre tonnenschwere Hardcore-Schlagseite haben sich diese ungarischen Metal-Maniacs für ihr neues Album „Black Flag“ vollauf beibehalten.

Und wer von den Kennern der Band hätte sich von einer Veröffentlichung unter diesem Bandnamen auch etwas anderes erwartet? In der Tat, mit ihrer neuen Langspiel-Ausuferung lassen die heftigen Krachmacher nichts anbrennen.

Diverse förderliche Zündfunken dazu liefern auch wieder die bereits gewohnten Ethno-artigen Elemente aus traditionellen Romaklängen.

Der aktuelle Sound-Auswurf der martialischen Lärmknechte um die beiden Farkas-Brüder, Sänger und Gitarrist Zoltán „Zoli“ sowie Tieftöner Csaba zeigt die gegen alle bisherigen Widerstände erfolgreiche Formation sogar von der wohl bislang variantenreichsten Seite.

Vor einem halben Jahr erschien der letzte, doch überraschend zahme Albumstreich „The Acoustic“.

Doch jetzt stehen die Zeichen bei den 1993 gegründeten Ektomorf auf Sturm, jetzt gibt es Prügel!

„Das Akustik-Album war für mich und die anderen in der Band wirklich sehr von Bedeutung. Wir wollten das sowieso schon seit längerer Zeit machen. In früheren Stücken wie beispielsweise ,Sea Of My Misery‘ zeichneten sich solche stilistischen Abweichungen vom Gewohnten bereits ab, was uns von Anfang an sehr gefiel. Und für ,The Acoustic‘ hatten wir uns eben vorgenommen, ein ganzes Album in so einem Stil zu erarbeiten. Ich bin noch immer genauso froh wie meine Bandkollegen, dass wir das so kompromisslos durchgezogen haben, ohne dass wir uns da von jemandem hätten reinreden lassen“, erläutert Zoli, Tattoo-Liebhaber und letztes verbliebenes Gründungsmitglied, resümierend.

Doch aktuell haut der rigide ungarische Viererbund seinen treuen Fans auch schon wieder eine amtliche Kelle an monströsem Ektomorf-Donner auf die Lauscher, so Frontmann des Haufens.

„,The Acoustic‘ war zwischendrin einfach mal etwas anderes, woran wir sehr viel Freude hatten und noch haben. Doch Ektomorf ist nun mal Ektomorf, deswegen waren wir bei den Arbeiten am neuen Werk genauso entschlossen und enthusiastisch dabei wie sonst auch. Und das hört man deutlich! Die neue Veröffentlichung ist grundsätzlich mal sehr hart und irrsinnig schwer vom Sound her, was unsere typische Ausrichtung absolut optimal wiedergibt. Vergleicht man ,Black Flag‘ gar direkt mit unserem 2010er Album ,Redemption‘, so sind die neuen Songs allesamt nur logische Nachfolger dessen.“

Erneut arbeiteten die vier Rabauken mit dem bekannten dänischen Produzenten Tue Madsen zusammen.

„Mittlerweile ist er fast so etwas wie unser ,Hausproduzent‘ geworden, aber wir wollen ja auch gar keinen anderen Mann für diese spezielle Aufgabe haben. Tue und wir verstehen uns in allen Belangen, was den Klang von Ektomorf anbelangt, einfach fantastisch. Die Zeit im Studio mit ihm ist immer grandios, trotz der großen Anstrengungen, die er uns abverlangt. Wir könnten gar nicht glücklicher sein, ihn auf unserer Seite zu wissen“, freut sich der wilde Bühnen-Derwisch, „und so geriet auch die neue, verdammt mächtige und herrlich bullige Produktion exakt nach unseren Vorstellungen. So dermaßen stark und intensiv hörte sich noch keine unserer bisherigen Platten an, was hervorragend zur Attitüde der neuen Tracks passt. Somit haben wir es erreicht, die vorherrschende hohe Aggression klanglich wirklich 1:1 aus den Liedern gepresst zu bekommen.“

Furios abgefackelte Gitarrenfeuerwerke sind die Folge, nicht selten von beachtlicher Virtuosität.

Dennoch, so der Schreihals nachfolgend, nicht ohne latent zu verspürenden Stolz in der Stimme, bietet „Black Flag“ speziell den Kennern unter den Hörern auch viele interessante Feinheiten.

„Das war uns sehr wichtig. Einseitigkeit war noch nie unser Ding. Wir wollten neben musikalisch vollauf umgesetzter Wut ja auch spannendes und springlebendiges Material an den Start bringen. Absolute Spontaneität sozusagen, 100 % ehrlich, und das jederzeit, von vorne bis hinten. Und so eine Mischung kriegt man eben nur mit einer Top-Produktion erschöpfend hin.“

So sind Ektomorf tatsächlich in der vorteilhaften Lage, auf der alles andere als ereignislosen Gesamtspieldauer von „Black Flag“ oberbrachiale Instrumentierungs-Exzesse mit bemerkenswert hoher Spielkultur zu paaren.

Liedertitel wie beispielsweise „My Private Hell“, „Sick Love“, „Enemy“ oder „Fuck Your God“ machen schnell neugierig auf den lyrischen Inhalt. De facto geht „Black Flag“ mit vielen heutigen Missständen gut gezielt ins Gericht.

Als Inspiration dient dem langjährigen Musiker hauptsächlich das wahre Leben, wie er noch verlauten lässt.

„Die Realität liefert hierzu ja viel: Diskriminierung, Hass, Liebe, soziale Probleme etc. Für mich ist Ektomorf eine Art ,Filter‘ durch den meine Wahrnehmung und Emotionen kanalisiert werden. Speziell Filme haben natürlich durch das Zusammenwirken von Musik und starken bewegten Bildern auch einen großen Einfluss. Hier kann ich aktuell besonders Antikriegsfilme als Inspiration nennen. Wer unseren neuen Videoclip ,Unscarred‘ gesehen hat, wird wissen, was ich meine.“

Ektomorf hissen also nicht die weiße Flagge, um aufzugeben, so Zoli weiter, sondern die Band macht aktuell das exakte Gegenteil.

„Der erste Song des neuen Albums heißt ,War Is My Way‘. Das ist natürlich etwas überspitzt, stellt aber unseren Kampfeswillen gut dar. Wobei wir Krieg an sich natürlich ablehnen, es geht hier nur um die Symbolik. Jeder von uns hat täglich in seinem Leben neue ,Kämpfe‘ auszufechten, neue Hürden zu überwinden. Und aufgeben sollte keine Option sein. Wir alle leben in einer Welt, die auf gesellschaftlicher Ebene überhaupt keine Gnade mehr zu kennen scheint. Uns pisst einfach viel zu viel an auf dieser Erde. Der ganze Ärger darüber, er muss raus aus uns. Zum Glück haben wir Ektomorf dafür.“

© Markus Eck, 15.08.2012

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