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Interview: DRACONIAN
Titel: Durchgeschüttelt von hochintensiven Emotionen

„Turning Season Within“ lautet der symbolschwangere Titel ihres neuen und vierten Studioalbums. Und darauf geben sich die schwedischen Schwerenöter Draconian auf vielerlei Art tiefgehender als je zuvor. Der ohnehin stark melancholisch angelegte tonnenschwere Doom Metal der skandinavischen Leidensgruppe wirkt somit noch eindringlicher und schwerklanglicher als er es ohnehin schon war.

Stimmbandschinder Anders Jacobsson gewährt mir mal wieder eine exklusive Audienz in den hintersten Hirnwindungen seines geistigen Universums. „Dass sich die neue Draconian-Platte so stark nach der Musik der alten Katatonia anhört, kommt beileibe nicht von ungefähr. Denn wir orientierten uns beim diesmaligen Kompositionsprozess weniger an amerikanischen oder britischen Originalen, sondern vielmehr an kultigen Kapellen aus unserem Heimatland“, verlässt es den Mund des wie immer überaus besonnen wirkenden Mannes.

Warum gerade „Turning Season Within“ nun so extrem düster und schwerwiegend geworden ist, das kann Anders so genau eigentlich gar nicht sagen.

„Es war wie immer bei uns ein sich völlig natürlich entwickelnder kreativer Prozess. Ich würde das Album nun gar nicht unbedingt `dunkler` nennen, aber es ist definitiv härter geworden, das steht fest. Und die Lieder darauf sind auch nicht um jeden Preis als lupenreiner Doom Metal einzukategorisieren. Denn den Hörern offenbart sich einiges an Vielfalt. Aufgrund dieses gesteigerten Abwechslungsreichtums kann man immer wieder Neues in den Stücken entdecken. Also eine sehr wichtige Platte für uns, auf die wir sehr stolz sind“, legt der Schwede die neuen musikalischen Verhältnisse bei Draconian dar.

Doch nicht nur auf musikalischem Sektor hat sich nicht wenig im schöpferischen Kosmos dieser so ernsthaft aufspielenden Skandinavier geändert. Auch auf lyrischem Terrain geht der gute Jacobsson im aktuellen Falle um einiges variantenreicher vor, wie er mich informiert. Der Vokalist bekennt:

„Diesmal singe ich im Gegensatz zu den eher fiktiv gestalteten Thematiken unserer vorherigen Alben viel mehr über reale Emotionen, die tief aus meinem Herzen kommen: Über Wut, Verzweiflung, Melancholien und daraus entstehende seelische Schmerzen.“

So geht es auf „Turning Season Within” laut nachfolgender Aussage von Anders eben um absolut unglückliche und auch vollkommen unerfüllte Liebe oder deren endgültigen Verlust.

„Aber auch um zwischenmenschliche Beziehungen beziehungsweise was diese den Leuten im negativen Falle für gigantische Schmerzen zufügen können. Das Ganze sollte ganz einfach mehr sein als nur eine Aneinanderreihung von gut zueinander passen Lyriken“, so der Sänger.

Anders lässt auf dem neuen Werk lyrisch seine ganz persönlichen letzten fünf Jahre Revue passieren, wie er noch dazu erzählt:

„In dieser Zeit erlebte und durchlebte ich nämlich doch so einiges an nachhaltig aufwühlenden Gefühlserlebnissen. Das musste ich endlich mal verarbeiten. Als ich die Texte schrieb, kamen – einem Selbstläufer gleich – so viele schmerzliche Erinnerungen in mir hoch. `Turning Season Within` ist daher letztlich ein außerordentlich persönliches Album für mich geworden.“ Sehr persönlich, ja, ganz genau so gehört sich das doch auch für möglichst leidenschaftliche Kunst.

© Markus Eck, 03.01.2008

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