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Interview: DISSORTED
Titel: Geradliniger Zusammenhalt

Der 2004er Sommer brachte in der malerischen Kurstadt Bad Reichenhall eine Stahlkochertruppe hervor, deren Herz auch heute noch für die betont niveauvolle Variante des Thrash Metal schlägt. Dass durch die kreativ prallen Venen des rhythmussicheren Haufens auch ein massiver Anteil der speziellen Schwermetaller-Blutgruppe „Heavy Metal Positiv“ fließt, weiß die Nachhaltigkeit ihres Gesamtsounds ergiebig zu potenzieren.

Eine ganze Dekade nach der einstigen Gründung hauten Dissorted dieses Jahr endlich ihre erste offizielle Veröffentlichung raus, die verdammt knackig instrumentierte EP „I“.

Mittlerweile ist die melodisch ebenso auffallend starke Eisenkunst-Kapelle primär in München stationiert, wo man die auch menschlich rundum sympathischen Dissorted des Öfteren auf den dortigen Bühnen ausgelassen genießen darf.


Gitarrist Florian ,Schadi‘ Schadhauser erachtet den bisherigen Werdegang der spielfreudigen Formation seit der Gründung bis heute als natürliche Entwicklung. 



 „Das ging von der Band, die ein paar Kumpels noch zu Schulzeiten gegründet haben, über eine stetige Weiterentwicklung und Stilfindung bis zur heutigen Besetzung. Wir haben über die Jahre unseren Stil gefunden. Das war keine gezielte Suche - wir haben das gemacht, was uns am meisten Spaß macht. Über die Jahre haben immer wieder Leute die Band verlassen, die sich nicht mehr zu 100 % mit Dissorted identifizieren konnten. Dafür sind neue Leute gekommen, die das bis zum heutigen Tag können und das ist einfach wunderbar.“

Der Frage nach der Entstehung der grundsätzlichen Idee zur Veröffentlichung einer EP vor einem Album-Release entgegnet der Saitenschrubber:

„Für uns war es an der Zeit, die erste professionelle CD anzugehen. Wir haben vergleichsweise lang gewartet, aber wir wollten auch nichts Halbgares rausbringen. Wir haben lange überlegt in welchem Umfang wir diese CD angehen sollen und uns dann bewusst für eine EP entschieden, da es für uns auch das erste Mal unter Studiobedingungen in diesem Umfang war. Auf der EP befinden sich auch Songs, die wir schon ein paar Jahre spielen und auch von ehemaligen Bandmitgliedern geschrieben beziehungsweise mitgeschrieben wurden. Diese Songs wollten wir zum jetzigen Zeitpunkt auch festhalten. Auf den nächsten CDs gibt es dann ausschließlich neues Material, an dem wir aktuell auch schon fleißig arbeiten.“


Die beteiligten Musiker hatten sehr genaue Vorstellungen davon, so ergänzt Schadi, wie sowohl die Aufnahme als auch die Umsetzung der EP vonstatten gehen soll. 



„Wir haben mehrere Studios in und um München kontaktiert und haben die Angebote und Referenzen ausgewertet. Wir haben uns dann relativ schnell für die Dreamsound Studios entschieden. Aber wenn beim Kennenlerngespräch im Studio mit dem Besitzer Thomen Stauch und Roland Grapow in der Küche sitzen, dann kann auch nichts mehr schief gehen… Für das Artwork hatten wir ein Konzept, das eine befreundete Künstlerin dann auch grafisch umgesetzt hat.“

Bei Dissorted beteiligen sich immer alle Bandmitglieder am Songwriting und am Arrangieren der Songs im Proberaum, so der Griffbrett-Maniac. Schadi lässt weiter wissen:

„Dadurch entsteht der typische Dissorted-Mix aus schnellen, thrashigen Parts, gemischt mit gutem, alten Heavy Metal und einer schönen Portion Melodien. Wir sind keine reine Thrash-Band, auf der anderen Seite ballert es bei uns auch mehr als im normalen Heavy Metal. Ich glaube, wer auf schnellen und authentischen Metal traditioneller Natur steht, der kommt bei uns auf seine Kosten.“

Die stilistische Mixtur der aktuellen EP „I“: Wie ist sie seiner Meinung nach wohl am allerbesten zu erklären?

„Bei uns kommt der Stil sehr natürlich. Wir machen uns selber wohl die wenigsten Gedanken darum. Am besten trifft es wohl: Bay Area á la Testament, Exodus und alte Metallica beziehungsweise Megadeth meets good old Heavy Metal á la Iced Earth, Maiden und Priest.“

Wird das kommende Dissorted-Debütalbum auch so gut und schnell ins Ohr gehend werden, Schadi?

„Auf jeden Fall. ,Bloodshed Divine‘, das erste Lied der EP, war der erste Song, den wir in diesem Line-Up gemeinsam geschrieben beziehungsweise im Proberaum arrangiert haben. Und genau da knüpfen die neueren Songs an … thrashy Riffs, schnelle Rhythmen, spannenden Melodiebögen, mehrstimmige Gitarren und abwechslungsreicher Gesang.“

Dissorted-Frontmann Mirco verfügt auf der Bühne über echte Entertainer-Qualitäten. Er singt auf der aktuellen EP oftmals sehr eigenständig und inbrünstig. Dabei muss der Kerl doch hochgradig ambitioniert gewesen sein, oder?

„Mirco ist die letzten drei Jahre unglaublich gewachsen und macht sich v.a. um Gesangsstile viele Gedanken. Heraus kommt was echt Authentisches und Abwechslungsreiches. Er hat da bei uns auch alle Freiheiten, die er will. Bei einem der letzten Konzerte hat ihn der Drummer einer befreundeten Band aus München als ,besten Thrash Sänger Münchens‘ bezeichnet.“

Worin sieht mein Gesprächspartner persönlich die allergrößte Stärke der bisherigen Kompositionen von Dissorted?

„Dass sich bei uns jeder einbringt. Selbst wenn ein oder zwei Leute für einen Song alle Ideen beisteuern, spätestens im Proberaum stecken wir alle fünf Köpfe zusammen und arbeiten gemeinsam an den Ideen. So bringt sich jeder in die Songs ein und es entsteht unser Stil.“

Wie hat der Six-stringer die Zeitspanne des Songwritings für die EP in Erinnerung, was den Fluss der Inspirationen und Ideen angeht? Wir erfahren:

„In der Regel schreibt jeder neue Ideen auf und schickt sie den anderen Jungs. Teilweise nur einzelne Riffs, teilweise fast fertige Songs. Diese übt dann jeder daheim für die nächsten Proben, wo wir die Ideen dann alle im Kollektiv ausprobieren. Teilweise verwerfen wir dann auch ganze Kompositionen, wenn sie sich für uns nicht gut anfühlen. Ein Song kann innerhalb einer Bandprobe fertig gestellt werden, teilweise brüten wir aber auch mal länger dran. Die Songs wachsen jedoch immer im gemeinsamen Kontext.“

Gab es bei Dissorted eventuell auch stagnative Passagen im Songwriting?

„Ja klar. Primär, wenn Leute die Band verlassen und ein Loch hinterlassen. Oder wenn ein Bandmitglied sich wegen privater Umstände temporär zurücknehmen muss. Aber wir halten zusammen, egal was kommt. Wir lieben das, was wir machen und gehen dementsprechend entspannt auch durch schwierigere Zeiten.“

Als das Allerschönste beim Musikmachen für ihn bezeichnet Schadi das Miteinander, sowohl bandintern als auch mit anderen Leuten auf Konzerten. Er freut sich:

„Nach einem guten Gig ein Bier trinken mit den Leuten, die noch kurz vorher zu deiner Musik die Mähne geschüttelt haben – da gibt es kaum was Besseres.“

So erhofft sich der Gitarrist für Dissorted für die nächsten zehn Jahre grundlegend, dass die Jungs dann auch noch das tun können, was sie heute machen.

„Weil es uns einfach richtig Spaß macht. Darüber hinaus gibt es Ziele und auch schon Planungen für das erste komplette Album und eine größere Tour … macht euch auf was gefasst!“

© Markus Eck, 17.12.2014

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