Top
Interview: DES TEUFELS LOCKVOEGEL
Titel: Sinnsuche in philosophischer Tiefe

In der einschlägigen historienmusikalischen Szene ist er gut bekannt, und bislang konnte seine anhaltende künstlerische Leidenschaft auch stets interessantes und gehaltvolles Liedgut hervorbringen.

Und Marcus van Langen, seines Zeichens Freigeist, Notenliebhaber und Philosoph in einem, macht immer munter weiter.

Denn demnächst gibt es von diesem eingefleischten Mittelaltermusikanten samt seiner kecken Gruppe Des Teufels Lockvoegel ein neues Album mit dem Titel „Vanitas“, welches der ersehnte Nachfolger vom letzten Langdreher „Schwarze Kunst“ ist. „Unsere Musik ist ein Ausgleich und eine Alternative in unserer hektischen unübersichtlichen Zeit“, verkündet Marcus, und steigt auch schon gleich ins aktuelle Interviewgespräch zur neuen Veröffentlichung ein.

„Bertolt Brecht sagt: ‚...alle rennen nach dem Glück, das Glück rennt hinterher’! Wir wollen zeigen, dass man dieses Glück halten kann, wenn man sich auf sich selbst besinnt und offen durch das Leben geht. Seit Menschengedenken und heute aktueller denn je begleitet uns die Vorstellung der Vergänglichkeit. Neben dem Schatten dieser düsteren Thematik zeigen wir ein Licht und geben musikalisch eine Antwort auf den Sinn alles Vergehenden. Wir singen von vergangenen Schlachten, von Liebe, die über die Zeit bestehen kann, verheerenden Saufgelagen, Instinkten und Trieben die auch heute Gültigkeit besitzen und lassen die Hörer in mystischen Klängen schwelgen, die ihre Seele berühren. ‚Zum Leben stehen’, im Hier und Jetzt sein, das ist die Lehre, die ‚Vanitas’ für uns verkörpert“, offenbart der umtriebige Bayer.

Am 18. März erscheint das neue Album, so Marcus. Er expliziert:

„Es schließt an unser letztes Album ‚Schwarze Kunst’ an, das sich ausgiebig mit dem Thema Alchemie beschäftigt hat. ‚Vanitas’ ist nun die Katharsis und widmet sich der Vergänglichkeit in all ihren Facetten. Jedoch kommt in den Liedern keine Resignation zum Tragen. Sondern eine Erkenntnis mit der es sich wesentlich leichter und angenehmer leben lässt, und diese Erkenntnis gibt Kraft und Antrieb, um Träume zu verwirklichen. Natürlich schmerzt es das Ego und seine Eitelkeit den Körper altern zu sehen, doch wenn diese Furcht einmal losgelassen wird kann sich der Geist endlich wahrem Wachstum widmen und die Freuden des Daseins in vollen Zügen genießen. Auf der anderen Seite gibt es der Vergänglichkeit auch Positives abzugewinnen, nämlich, dass auch der Schmerz und die Traurigkeit nicht beständig sind. Es geht darum, sich der eigenen Vergänglichkeit positiv bewusst zu werden und die Zeit, die wir hier auf dieser Erde haben, zu nutzen und bewusst zu erleben. Ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen, als irgendwann zu mir selbst zu sagen: ‚Ach hätte ich doch dieses oder jenes getan.’ In zwanzig Jahren ärgern wir uns nicht mehr über die Dinge, die wir getan haben, wir ärgern uns über die Dinge, die wir nicht getan haben! Über das Thema Tod mache ich mir keine großen Gedanken, schließlich ist der Tod eine ziemlich klare Angelegenheit, die tatsächlich jeden erwartet, also kann es nichts besonderes sein und zum sterben war ja noch keiner zu blöde. Was danach kommt, werde ich sehen wenn es soweit ist.“

Angekündigt wurden von der Gruppe diesmal im Vorfeld auch „elektronische Elemente“, mit denen der Sound noch intensiver gestaltet werden soll. Der Meister bezieht dazu Posten:

„Es ist natürlich das Gesetz der Dosis beziehungsweise wie uns Paracelsus ganz klar gesagt hat: ‚Alle Ding’ sind Gift und nichts als Gift; allein’ die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist!’ Die elektronischen Elemente sind kein Ersatz für echte akustische Instrumente, sondern sie sind Farben, die dem musikalischen Bild von Des Teufels Lockvoegel mehr Tiefe und Räumlichkeit verleihen. Die Elektronik unterstreicht die echten Instrumente und macht sie noch lebendiger.“

Seit der Veröffentlichung des letzten Albums „Schwarze Kunst“ ist es ihm auf persönlicher Ebene im Großen und Ganzen gut ergangen, so Maestro Marcus. Wir erfahren:

„Die Welt dreht sich noch und auf Regen folgt immer Sonnenschein, die Musen küssen, und die Kinder wachsen und gedeihen. ‚Schwarze Kunst’ ist nun fast drei Jahre alt. Wir waren viel unterwegs, haben Erfahrungen und Eindrücke gesammelt und uns auch mit den anderen Projekten beschäftigt, bis die Zeit für das neue Werk ‚Vanitas’ reif war. Ich habe einige Zeit in der Mongolei verbracht und auch diese wertvollen Erfahrungen werde ich demnächst musikalisch verarbeiten. Mit Van Langen haben wir die CD ‚Zeytreise’ veröffentlicht und waren auch viel auf Tour. Im Mai letzten Jahres gab es dann die limitierte ‚Vanitas’-EP mit fünf Liedern in komplett anderen Versionen, als sie nun auf dem vollen neuen Album erscheinen. Diese EP war sozusagen ein Feldversuch, der gezeigt hat, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Und diesen Weg sind wir mit der ‚Vanitas’-CD weiter gegangen. Es war echt ein langer Weg und erst wenn man auf den Kalender schaut, merkt man, wie viel Zeit schon wieder vergangen ist. Das Leben an sich schreibt ja bekanntlich die besten Lieder. Und auch wenn man eine gute Geschichte nicht durch die Wahrheit verderben soll, so lässt sich doch aus der Wahrheit eine gute Geschichte machen.“

© Markus Eck, 02.02.2011

[ zur Übersicht ]

Advertising

+++

+++


+++

+++