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Interview: DARKMOON
Titel: Geprügel, Groove und Melodie

Nicht nur der ziemlich starke Thrash-Einfluss verleiht der hochwertigen Todesblei-Legierung dieser Baseler Härteknechte einen ausgeprägten Genussfaktor, auch diverse Schwarzmetallanleihen sorgen hier für eine verdammt vollmundige Soundbedienung.

1997 haben sie sich zusammengerauft, nun legen Darkmoon nach drei Eigenproduktionen namens „Grief“, „Remains“ und „Black Domain“ ihr vor lauter routinierter Spielfreude schier Funken sprühendes Debütalbum „Of Bitterness And Hate“ vor.

Mit Frontmann Matthias Borer haben die stilistisch zielsicheren Schweizer Käseroller einen echten gesanglichen Glücksgriff getan. Mit ihm wetze ich eifrig die verbalen Messer.

„Wir haben das aktuelle Album im November und Dezember 2004 im Little Creek Studio von V.O. Pulver und Franky Winkelmann in der Schweiz in einem Ort namens Gelterkinden aufgenommen. Die Wahl des Studios war für uns einfach, da wir dort bereits unsere letzte Demo-CD „Black Domain“ aufgenommen haben und wir schon damals von diesem Produzententeam überzeugt waren.“

Außerdem liegt Gelterkinden in der Nähe der Band.

„Was uns ermöglichte, jede Nacht beziehungsweise meist schon am nächsten Morgen in die heimischen Federn zu fallen. Bei „Of Bitterness And Hate“ ging es darum, mit einem überzeugenden Debütalbum auf Labeljagd zu gehen. Nach drei zwar oft gerühmten Demos, die uns den erhofften Deal nicht brachten, setzten wir unser ganzes Herzblut in die Produktion dieses Albums.“

Nach dem Motto „Make it or break it“ kratzen die fünf Schweizer also laut Matthias ihr sauer verdientes Geld zusammen und investierten viel Arbeit und Schweiß in dieses Debütalbum.

„Es war eine lehrreiche aber auch harte Zeit für uns, denn den Satz `Das war ja ganz anständig Jungs, aber ihr könnt das noch besser` hörten wir mindestens ein Dutzend mal. Was will man auch anderes erwarten von den zwei Herren, die schon das letzte Quäntchen Schweiß aus Schmier und Mike von Destruction abgefordert haben. Als wir endlich das Endresultat zu hören bekamen waren wir verdammt stolz. Wir waren überzeugt, dass wir damit den ersehnten Deal endlich erreichen würden. Und man sieht hat es ja schließlich mit CCP Records geklappt. Als kleine Randnotiz sei bemerkt, dass unmittelbar nach uns Destruction den Gesang und die Bassspuren im Lttle Creek zum Song `Inventor Of Evil` aufgenommen haben. Sogar Peter Tägtgren soll im Little Creek erschienen sein, was ich leider erst im Nachhinein von V.O erfahren habe. Man stelle sich das mal vor: Da hockt der Death Metal-Producer überhaupt fast um die Ecke im Studio, und man erfährt es wenige Tage später.“

Und obwohl es oft sehr anstrengend war, sind sie im Großen und Ganzen gut miteinander im Studio klargekommen.

„Das liegt daran, dass wir uns schon alle durch die gemeinsamen Jahre sehr gut kennen. Mittlerweile wissen wir jeder für sich, wann wir den anderen besser in Ruhe lassen müssen. Außerdem verbindet uns untereinander ein interner kranker Humor, der uns hilft schwierige Situationen zu meistern. Und außerdem haben uns V.O und Franky immer wieder durch neue Impulse vorangetrieben, wenn wir mal nicht mehr weiter wussten.“

Eigentlich sind Darkmoon ganz pragmatisch vorgegangen, um an den Labeldeal für das neue Werk zu gelangen, wie der Sänger sich rückbesinnt. „Wir haben die Promo-CD des Albums an die üblichen verdächtigen Metal Labels geschickt. Klar, dass wir auch CCP Records belieferten, welche mit ihrem Schwerpunkt von Black und Death Metal für uns als potentielle Partner attraktiv schienen. CCP haben sich dann auch sehr schnell bei uns gemeldet und Interesse bekundet. Und nach einer Phase der gegenseitigen Annäherung haben wir schließlich bei ihnen den Vertrag unterzeichnet. Wir erhoffen durch die Zusammenarbeit mit CCP mehr Leute zu erreichen und von unserer Musik zu begeistern. Natürlich hoffen wir daneben auch, dass sich dadurch mehr auf dem Live-Sektor für uns ergeben wird. Eine kleine Tour, beziehungsweise die Teilnahme an den einschlägigen Open Airs wären in diesem Sinne natürlich wünschenswert.“

Unsere fünf Helden kommen ja aus der Region Basel, einer Stadt, welche wegen ihres Fußballclubs inzwischen zu Weltruhm gekommen ist.

Matthias setzt da, vergnügt scherzend, glatt noch einen drauf:

„Und die nun durch uns noch weiter ins Zentrum der Weltöffentlichkeit rückt. Doch Spaß beiseite; aus Basel kommen beispielsweise Gurd, Pure Inc, Atritas, Zatokrev, Braindead und da gibt es bestimmt noch Weitere. Und wenn man von Basel aus circa zweimal über die deutsche Grenze stolpert, landest man beispielsweise bei Destruction oder Fear My Thoughts.“

Die Songs für „Of Bitterness And Hate“ sind zwischen 1996 und 2004 entstanden, wie der Shouter im Weiteren Neugierige informiert.

„Ja, es gibt auf dem aktuellen Debütalbum einige Klassiker wie beispielsweise `Evil Goddess Of The Night`; Songs, welche schon manche Jahre auf dem Buckel haben, die es aber bisher nicht auf ein Demo geschafft haben. Und natürlich gibt es auch neue Nummern wie beispielsweise `Dust In My Eyes` oder `Bitter End`.“

Oberste Priorität hat bei Darkmoon, dass alle Bandmitglieder mit den fertigen Songs zufrieden sind. Es gibt aber schon ein Paar Eckpfeiler, auf die sich die Darkmoon-Songs abstützen: „Sie müssen hart und melodisch sein und eine düstere und oder melancholische Stimmung verbreiten. Dabei verarbeiten wir Einflüsse vor allem aus dem Death- und Black Metal-Bereich, aber bedienen uns auch hin und wieder beim Thrash. Dabei achten wir darauf, dass die Songs klar strukturiert sind und den Hörer sofort am Genick packen. Das heißt, die Songs müssen den geneigten Metaller förmlich zum Headbangen nötigen. Natürlich funktionieren die Songs in der Live-Situation auch sehr gut“, so Matthias.

Der kreative Kern der Band, was die Musik anbetrifft, sind die beiden Gitarristen Chris und Richy:

„Sie sind die Riff-Lieferanten. Aus den Riffs versuchen sie dann Songs zu erschaffen. Die Grundgerüste der Songs stellen sie dann dem Rest der Band vor. Dabei versuchen wir zusammen die Grundgerüste gemeinsam zu bearbeiten. Da werden Rifffolgen geändert, die Riffs auseinanderdividiert und neu zusammengesetzt, bis wir im Kollektiv mit dem Endresultat zufrieden sind. Natürlich drückt jeder mit dem Spiel seines Instrumentes beziehungsweise ich mit meiner Stimme jedem Song seinen persönlichen Stempel auf. Kurz: Chris und Richy liefern den Rohdiamanten, den wir gemeinsam schleifen und bearbeiten bis er in unseren Augen strahlt. Dabei hoffen wir natürlich, dass dieser dem Zielpublikum genau so gefällt wie uns selbst.“

Als der Sänger im nachfolgenden Interview-Gespräch die Entwicklung des Schweizer Quintetts zurückverfolgt, fällt ihm auf, dass Darkmoon zum Zeitpunkt der ersten beiden Demos noch mehr dem Gothic- und Black Metal frönten. Matthias:

„Die Death- und Thrash-Anteile haben sich dann mehr und mehr in unsere Musik eingeschlichen. Wahrscheinlich hängt dies auch mit dem immer besser werdenden Können der einzelnen Bandmitglieder zusammen, welches uns spielerisch immer mehr neue Tore geöffnet hat.“

„Of Bitterness And Hate“ entspricht der seinigen und der Vorstellung aller Bandmitglieder, wie der Frontmann mir zu verstehen gibt.

„Es ist ein unglaublich tolles Gefühl, die eigenen Songs in einem gut gezimmerten Soundgewand zu hören. Da steht man in seinem Wohnzimmer, dreht den Volumenregler auf, lässt das Soundgewitter auf sich hernieder prasseln und stellt entzückt fest: `Verflucht, das ist unsere Band. Geil!`. Ich bin wirklich stolz auf die Produktion, da sie einerseits ordentlich drückt aber andererseits nicht zu glatt poliert daher kommt. Wir waren stets an allen Produktionsschritten als Band in die Arbeit von V.O. und Franky involviert.“

Für Matthias heißt der Songfavorit des neuen Albums „Dust In My Eyes“: „Dieser Song lebt von einem sehr gelungenen Aufbau. Er enthält alle Trademarks von Darkmoon: Geprügel, Groove und Melodie sowie einen sehr prägnanten Chorus, der im Ohr hängen bleibt. Außerdem beschreibt der Song die Sinnlosigkeit des Krieges und wie dieser jeden von uns zu einer Bestie oder zu einem Seelenkrüppel werden lässt. Ein richtig guter Song zeichnet sich in meinen Augen dadurch aus, dass er mich nach dem Hören den ganzen Tag verfolgen kann, ohne dass er mir auch nur eine Sekunde davon auf den Wecker geht.“

Ich bitte ihn im Weiteren, sich selbst als Mensch und als Charakter zu beschreiben – was für den Sänger eine sehr schwierige Frage darstellt. „In manchen Dingen bin ich ein Chaot, der Dinge verschlammt oder schlicht und einfach vergisst. In anderen Belangen wie beispielsweise in der Band oder in meinem Beruf neige ich zu Perfektionismus und habe sehr hohe Ansprüche an mich selbst, was mich manchmal an meine Grenzen stoßen lässt. Ich kann sehr impulsiv reagieren, bin aber nie nachtragend. Loyalität ist für mich sehr wichtig. Meine Freunde wie auch meine Familie liegen mir sehr am Herzen. Manchmal neige ich aber auch zu Pessimismus, Depressivität und Launenhaftigkeit. Was mich nicht immer zu einem umgänglichen Zeitgenossen macht.“

Dazu gekommen, überhaupt Musik zu machen, ist Matthias über den Bassisten der Truppe.

„Das habe ich unserem Bassisten Pascal zu verdanken, welcher mir im Rahmen eines gemeinsamen Skiurlaubes den Vorschlag unterbreitet hat eine Band zu gründen. Ich kann mich noch gut daran erinnern: Wir haben wie die Schweine ein Hühnchen verzehrt und dazu Unleashed gehört, als er mit dieser Idee ankam.“

Das Grundkonzept des Album-Covers hat Karin entworfen, die Freundin von Gitarrist Chris:

„Umgesetzt und verwirklicht hat es dann die Schwester der Freundin unseres Bassisten. Man sieht: We keep it in the family. Das Artwork gefällt mir sehr gut, obwohl es unter einem erheblichen Zeitdruck entstanden ist.“

Eine Liveshow von Darkmoon ist immer sehr von Energie geladen. Dabei legt die Band großen Wert darauf, dass sie als Einheit in Erscheinung tritt, wie Matthias erzählt. Gerade für ihn als Frontmann ist es sehr wichtig, das Publikum mit einzubeziehen:

„Ich erachte dies schlicht als meine Pflicht. Meine Bandkollegen ackern sich live an ihren Instrumenten den Allerwertesten ab, insbesondere unser Drummer, so ist es an mir, als Vokalist den Kontakt zum Publikum herzustellen. Der Energieaustausch zwischen Band und Publikum ist für die Live-Situation sehr wichtig. Das gegenseitige Hochschaukeln und pushen von Band und Publikum machen doch ein Konzert erst zu einem richtigen Erlebnis.“ Ihre Songs spielen Darkmoon live in der Regel einen Tick schneller, was laut Matthias am dort stets freigesetzten Adrenalin liegt.

Manche Texte des aktuellen Albums sind laut Bekenntnis von Matthias reine Fiktion.

„Wie beispielsweise `Evil Goddess Of The Night` oder `On Her Grave`, welchen ich dem Vampirismus gewidmet habe. Ich finde das Konzept des Vampirs sehr spannend. Er ist sehr böse, doch für seine Opfer dennoch unwiderstehlich. Dies macht ihn so unheimlich und extrem gefährlich. Ich habe in meinen Texten einfach nur die Rollen vertauscht. Es geht um einen weiblichen Vampir und um ein männliches Opfer. Klar, dass der Kerl von den äußeren Reizen dieses Geschöpfs derart fasziniert ist, dass er ewige Verdammnis in Kauf nimmt, nur um seinen Trieben nachzugehen. Na ja, welcher Kerl täte dies nicht? `Drowning`, `Damned` und `The Fallen One` sind diejenigen drei Songs, in denen ich Depression und Selbsthass beschreibe. Hierbei geht es um die scheinbare Ausweglosigkeit in der Depression, welche im schlimmsten Fall in einem Suizid gipfeln kann. `The Beast` hingegen ist einfach nur ein vor Klischees triefender Text um Hass und Vergeltung – die Beschreibung eines Menschen, der sich seinen Rachegefühlen voll und ganz hingibt. `Bitter End` handelt dagegen vom Untergang der Menschheit und `Lost Soul` wurde vom betreffenden Filmmonster inspiriert. `The Cell` handelt von der ganz persönlichen Hölle eines Schizophrenen.“

Mein Interviewpartner ist ein großer Fan von schwedischen Bands wie Hypocrisy, Amon Amarth, Naglfar und vielen mehr, wie er offenbart.

„Außerdem bin ich ein großer Sentenced-Anhänger. Aber ich höre eigentlich fast alles gerne im Metal-Sektor.“ Die drei anfangs angesprochenen Demos kamen gut beim einschlägigen Publikum an und erhielten auch viele gute Kritiken. Wir erfahren: „Was häufig gelobt wurde, wurde manchmal auch kritisiert. Das ist unsere stilistische Vielfalt. Viele Kritiker fanden dies sehr interessant, während einige glaubten, uns vorwerfen zu müssen, dass wir unseren Stil noch nicht gefunden haben. Doch insgesamt waren die Feedbacks der Presse meist sehr wohlwollend.“

Für Matthias stellen die beiden Faktoren innere Zerrissenheit und Unsicherheit die primäre künstlerische Triebfeder dar, wie er nach einigem Grübeln vor mir aussagt.

„Es gibt immer wieder Momente, in denn ich glaube, ich wüsste ganz genau was ich will, doch dann kann sich dies schlagartig wieder ändern. Dies erzeugt häufig Frust, welchen ich mit dieser Art von Musik abreagieren kann. Außerdem gibt es immer wieder schlimmste Ereignisse im Weltgeschehen, welche große Wut und Zorn in mir entstehen lassen – Gefühle, welche ich mit unserer Musik gut kanalisieren kann. Häufig ist es auch die Ignoranz und die Überheblichkeit der Menschheit, die mich wütend macht – wie die Menschen mit der Natur umgehen und glauben, alles im Griff zu haben. Doch die zunehmenden Naturkatastrophen belehren uns eines Besseren.“

Pläne für die nähere Zukunft existieren noch nicht, außer: „Unsere Visagen auf der Titelseite deines Online Magazins. Na ja, irgendwann vielleicht“, scherzt er abschließend, bevor er sich noch für mein Interesse und das Interview bedankt.

© Markus Eck, 05.10.2005

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