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Interview: DANZIG
Titel: Sturm vor der Ruhe

Was für ein Gegensatz: Kleiner Mann mit Riesen-Ego. So sieht die Rockwelt Glenn Danzig seit jeher, und das kommt schließlich nicht von ungefähr.

Denn ganz egal, ob als Misfits- oder Samhain-Frontmann dieser beiden legendären und von ihm gegründeten Horror Punk-Bands, der heute 46-jährige Amerikaner fiel in jeder Zeit seiner Künstlerkarriere durch stark rebellische Attitüde auf.

Stark puristisch dargebotene Sozialrebellion also, welche der maskuline Kraftsportler auch mit unter seinem Namen laufenden Veröffentlichungen seit 1988 mit einem unverwechselbaren und einmaligen Dark Rock-Sound darbietet.

Und dem bleibt der bekennende Erotiker Glenn auch auf seinem neuesten Album „Circle Of Snakes“ verblüffend treu.

„Bei jeder meiner bisherigen Platten hatte ich vor und während des Songwritings ganz spezielle Visionen, die mich zwar künstlerisch kräftig antrieben und mich beim Schreiben der Lieder schnell voran brachten. Visionen, die mich aber doch stets auch mehr oder weniger limitierten. Dieses Mal fühlte ich mich erstmals völlig frei, über genau das zu schreiben, was mich von allen Seiten her zum Nachdenken anregt“, weiß Mr. Danzig eingangs mit absoluter Coolness zu berichten.

„Insgesamt gesehen ist `Circle Of Snakes` ein stilistischer Mix aus älterem Material und neuen Einflüssen. Die Gitarren sind sehr heavy ausgefallen, was der Scheibe ziemlichen Druck verleiht. Ich bin zufrieden mit dem Ding“, gibt er noch recht verschmitzt zu Protokoll.

Wie er anschließend mit freudig erregter Stimme bekundet, wird Glenn mitsamt Band in nächster Zeit diverse europäische Festivals bestreiten, darunter auch das schwäbische SummerBreeze-Event.

Dann jedoch überrascht der eigenwillige Kerl schlagartig:

„Ich denke, diese anschließende Tour wird für mich die letzte für eine längere Zeit sein. Ich finde es nach all den Jahren natürlich noch immer großartig, auf der Bühne zu stehen und für meine Fans zu spielen. Eigentlich tue ich dies ja schon mein ganzes Leben lang. Doch die letzten Jahre forderten mir mehr und mehr Zeit und Nerven ab. Ich fühle mich irgendwie ausgebrannt und möchte mir sobald als möglich eine längere Auszeit gönnen. Daher werde ich mich nach der kommenden Tour erstmal zurückziehen.“

Und schon hat der im Gespräch trotz seines düsteren Images überaus schlitzohrig wirkende Glenn die nächste Überraschung parat; wir sollen erfahren:

„Ich werde mir aller Voraussicht nach die lang ersehnte Freiheit herausnehmen, endlich mal ein Blues Rock-Album zu machen und zu veröffentlichen – eine dunkle Blues-Scheibe. Außerdem plane ich, meinen ersten Film zu machen. Mir schwebt eine obskure und gruselige Voodoo-Story vor. Darauf freue ich mich schon.“

Sehr interessant ist überdies, wie ein solch populärer US-Rocker für sein neues Release zu einem schwedischen Label in Malmö kommt, welches überwiegend feurige Black und Death Metal-Hengste in seinem Stall zu stehen hat.

Zum Staunen: „Gittarist Morgan Steinmeyer Håkansson und Bassist B. War von den bekannten schwedischen Schwarzmetallern Marduk, welche dort unter Vertrag stehen, sind bekannter Weise riesige Fans meiner Musik und haben mit Devil´s Whorehouse auch eine ähnlich klingende Gruppe. Als ich mit Marduk tourte, empfahlen sie mir ihre Plattenfirma ausdrücklich immer wieder. Nun, da mir das ganze Business mit meinem eigenen Label schon seit längerer Zeit aufgrund immer höheren Arbeitsaufkommens zuviel wurde, überlegte ich mir nach den Ratschlägen von Marduk, meine neue Album-CD bei Regain Records herauszubringen. Und so trug es sich zu, nachdem ich ein wirklich gutes Angebot von Regain erhielt.“ Abschließend überrascht Glenn noch einmal und bekennt frohgemut, ein richtiger Marduk-Fan zu sein: „Ihre „Fuck You!“-Attitüde erinnert mich immer an meine. Herrlich.“

© Markus Eck, 10.07.2004

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