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Interview: CORVUS CORAX
Titel: Tief und fest verwurzelt

Altnordisch düster angestachelt vom 2011er Albumspektakel „Sverker“, konnten es viele Anhänger der weltberühmten Berliner Spielmannsvereinigung schier gar nicht mehr erwarten, bis Corvus Corax kürzlich endlich den Nachfolger „Gimlie“ präsentierten. Und letzterer beinhaltet zwar die thematische Weiterführung des mit „Sverker“ erstmals so Begonnenen, doch inhaltlich bewegen sich die Musikanten darauf in absoluter Feierlaune.

Für Sympathieträger, Vokalist und Pustesack-Powertyp Castus gerieten die Dinge auch in 2013 wieder alles andere als langweilig. 


Castus, was war für dich dein ganz persönliches Highlight mit Corvus Corax 2013?


„Als wir in Kanada vor 40.000 Besuchern aufspielten, auf dem dortigen Salmon Arm Roots and Blues Festival. Ich empfand es gleichermaßen großartig und befremdlich. Für die Leute dort sind wir einzigartig, wie viele uns begeistert wissen ließen. Dieses Jahr haben wir leider keine Zeit dafür, aber 2015 werden wir auf jeden Fall wieder dort für weitere Auftritte gastieren.“

Hat der große Erfolg von „Sverker“ euch auch den in konsumfreudigen Kreisen so genannten „Geldsegen“ gebracht?

„Das Album lief und läuft wirklich prächtig, darüber können und möchten wir uns absolut nicht beklagen. Allerdings haben wir im letzten Jahr auch viel Geld verloren, als einige von uns in Kanada wegen dortiger, allzu pedantischer Visa-Prozedere für einige Tage unfreiwillig festsaßen und wir eilig neue Flugtickets zu horrenden Preisen erwerben mussten. Eine wirklich äußerst unangenehme Erfahrung.“

Du warst mit Corvus Corax letztes Jahr auch in Mexiko (City) unterwegs, wo du zusätzliche Konzerte unter dem Banner von Cantus Buranus und sogar auch mit dem Sideproject Berlinski Beat gegeben hast. Alles in allem ziemlich anstrengend, oder?

„Ach was, wir erleben dort jedes Mal eine so großartige Zeit, dass wir ständig mit dem Glückshormon Endorphin im Körper herumlaufen! [lacht] Die Fans dort mit all ihrer positiven Energie sind mit ihrer riesigen Leidenschaft und Hingabe an unsere verschiedenen Formen von Musik das reinste Euphorikum für uns, sodass wir die Anstrengungen tatsächlich beileibe nicht als solche empfinden. Gute Laune ist dort eigentlich für uns garantiert; vor allem auch, weil wir anschließend an die Konzerte immer sehr gerne gute Tacos essen und feinen Tequila trinken.“

Du hast ja dabei vor einiger Zeit in Mexiko sogar auch privat deine Liebe gefunden, die allerdings noch dort zuhause ist. Gestaltet sich das nicht schwierig bei der riesigen geographischen Distanz? 



„Nach der letzten Mexiko-Tour habe ich wieder mal auch noch einige Tage Urlaub angehängt, wo wir viel Zeit miteinander verbrachten. Ebenfalls besucht sie mich auch immer wieder hier in Deutschland für einige Wochen. Am schlimmsten gestaltet sich das für mich ehrlich gesagt immer in winterlichen Zeiten, da zieht es mich schon arg in sonnige, warme und angenehme mexikanische Gefilde. Gerade derzeit, im ausklingenden alten beziehungsweise frischen neuen Jahr, denke ich umso öfter an diese tolle Frau und ihr wirklich wunderschönes Heimatland.“


Hast du denn auch schon mal mehr oder weniger daran gedacht, komplett nach Mexiko überzusiedeln?


„Nicht wirklich! Das kommt eigentlich nicht infrage für mich, da ich mit unserer Basis in Berlin viel zu sehr verwurzelt bin, und das auf menschliche wie auch künstlerische Art und Weise. Ich kann mir ja gar nicht vorstellen, dauerhaft irgendwo ohne meine Spielmänner sein zu müssen. Das ist also sozusagen ,Zukunftsmusik‘, erst die kommenden Jahre werden zeigen, was sich auf dieser Ebene für mich ergibt.“

Im Herbst 2014 ist es soweit - das 25-jährige Jubiläum von Corvus Corax. Wie lange willst du eigentlich auf der Bühne stehen?



„Solange, bis ich auf den Brettern sterbe. Ob es des Alters wegen sein wird oder ob die Fans mich zerreißen, das wird sich aber erst noch zeigen müssen. Aber Hauptsache auf der Bühne!“

Nach einer relativ kurzen Pausierung werden euch 2014 auch die Kaltenberger Ritterspiele wieder sehen. Kehrst du gerne wieder dorthin zurück mit deinen Mannen? 



„Auf jeden Fall! Wir kreuzen ja gewissermaßen als ,Routiniers‘ dort auf, und wir freuen uns schon riesig auf die langjährigen Fans, auf die wir dort erneut treffen werden. Und ich weiß jetzt schon eines ganz sicher für mich: Ich werde unsere Zeit auf den kommenden Kaltenberger Ritterspielen Ende des Jahres als absolutes Highlight 2014 nennen.“

Wo, wie und mit wem hast du eigentlich das „Weihnachtsfest“ verbracht? 



„In meiner Wohnung befand sich auch im letzten Jahr keinerlei weihnachtliches Zugeständnis. Ich bin am Abend des 24. wie jedes Jahr zu meinen Eltern gegangen, die das betont traditionell feiern. Trotz meiner Ablehnung an das Ganze finde ich es dort zur Adventszeit aber dennoch ganz gemütlich und esse gerne Stollen, Kekse etc. von meiner Mutter. So bin ich eben aufgewachsen. Ansonsten war ich während der Weihnachtsfeiertage ganz familiär bei meiner Ex-Frau und meinem Sohn.“ 


© Markus Eck, 03.01.2014

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