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Interview: CELTIC FROST
Titel: Eigenwillige Gelassenheit

Als sich diese sagenumwobenen Ikonen des extremen Schwermetalls damals im Jahre 1984 aus der ergiebigen Asche der nicht minder berühmt gewordenen Vorgängerband Hellhammer formierten, da war die Metal-Welt noch eine ganz andere als die heutige.

Über all die Jahre bis hin zur Gegenwart ließen sich Celtic Frost jedoch niemals von ihrem Weg abbringen.

Ja, die bekannten Galionsfiguren um Bandleader, Gitarrist und Sänger Tom Gabriel Fischer legten sogar lieber eine längere Pause ein, als über belanglose und kurzlebige Trends im Musikgeschäft zu sinnieren.

Von dieser löblichen Einstellung kündet auch der brandneue Album-Diskus „Monotheist“, ein mordsdüsteres und tiefmorbides Manifest mutiger künstlerischer Avantgarde.

„Derzeit bin ich ziemlich ausgebrannt, was meine Konstitution betrifft. Denn seit einiger Zeit arbeite ich beinahe rund um die Uhr, auch, was die Vorbereitungen für die kommende Tour zum neuen Album betrifft – ich habe dringend eine dicke Dosis Schlaf nachzuholen, sonst werde ich wohl gesundheitliche Schäden nehmen“, raunzt mir Großmeister Tom mit leicht abgekämpften Tonfall zu abendlicher Stunde zu.

Mit Martin Stricker alias Martin Eric Ain, dem Tieftöner und Zweitsänger des Trios, verbringt Tom laut eigener Aussage noch immer einen überwiegenden Großteil der schöpferischen Zeit:

„Wir beiden arbeiten eng zusammen, was die angesprochenen Tour-Vorbereitungen sowie die ergänzende Vermarktung von `Monotheist` angeht. Er ist mir eine große Hilfe, denn es gibt da wirklich immens viel zu tun. Glücklicherweise sind wir so ein verdammt gutes Zweierteam.“

Wie Tom mir im Weiteren erzählt, haben sich die drei Schweizer nicht vom riesengroßen Druck der metallischen Öffentlichkeit verrückt machen lassen, während das aktuelle Album komponiert und ausgearbeitet wurde.

„Wir haben ganz bewusst erst gar nicht damit angefangen, uns über die Erwartungshaltung von Fans und Medien den Kopf zu zerbrechen – da hätten wir gleich einpacken können, das hätte uns sicherlich entschieden bei der kreativen Entfaltung gehemmt. Klar, wir haben natürlich des Öfteren in der Band über diese Thematik geredet, aber in gewisser Weise ist da ja auch noch etwas Abgebrühtheit in uns zurückgeblieben – jedes unserer bisherigen Alben war schließlich außergewöhnlich genug, um damit Leute massiv vor den Kopf zu stoßen beziehungsweise stark zu polarisieren. Genau dies zu erreichen, das war immer unser Ziel. Um den Namen Celtic Frost wurde sowieso stets ein riesiger Medienzirkus gemacht – ob nun positiv oder negativ. Wir haben uns also in gewisser Weise daran gewöhnt, schließlich sind wir ja auch nicht mehr die ganz Jüngsten“, entfährt es dem mittlerweile im Gespräch ziemlich gelassen wirkenden Frontmann.

Dass gerade jetzt, nach der extrem langen Veröffentlichungspause des avantgardistischen Dreiers, das aktuelle Interesse der Außenwelt an Celtic Frost wahrscheinlich größer denn je ist, darüber ist sich Tom völlig im Klaren.

Sein inneres Feuer für extreme Musik hat er nie verloren, wie er auch noch zugibt.

„Ich mache das Ganze noch immer sehr gerne, also Musik schreiben, daran herumfeilen und schließlich im Studio aufnehmen. Auch bei `Monotheist` empfand ich keinerlei Schwierigkeiten, mich der Platte vollauf zu widmen, mich ihr sozusagen vollkommen zu verschreiben. Ich bin ja damals nicht umsonst Musiker geworden, ich habe das sozusagen im Blut.“

Für den auskunftsfreudigen Bandleader stellt der neue Output einen sehr wichtigen Punkt in der Historie von Celtic Frost dar.

„Das liegt auch den Songtexten, welche sich diesmal auf persönlicher Ebene bewegen. Überhaupt, das ganze Werk ist eine außergewöhnlich persönliche Sache geworden, wenn ich an unsere älteren Veröffentlichungen zurückdenke. Und genau daran, also der Einbringung von sehr individuellen und persönlichen Belangen, haben wir große Erfüllung gefunden. Wir denken sogar schon wieder an ein nächstes Album, und das soll auf jeden Fall noch düsterer und noch härter werden.“

Ausschlaggebender Faktor für die Reaktivierung der Band war laut Tom eigentlich genau die Tatsache, dass es nicht ums Geld ging. Er resümiert:

„Die ganzen 1990er Jahre hindurch wurden mir ja immer wieder unzählige Angebote gemacht, um Celtic Frost doch endlich wieder zu Reformieren – von vielen Plattenfirmen und Tour-Veranstaltern. Die Höhe der Summen, die uns geboten wurden, mutete teilweise fast schon geisteskrank an. Das hatte mit der Realität ja schon fast nichts mehr gemeinsam. Mir schien es, dass es fast nur darum ging, mit aller Gewalt durchzusetzen, dass wir uns reformieren. Mich hat das angekotzt – so sehr, dass ich solcherlei Angebote konsequent ablehnte. Es ging uns mit Celtic Frost niemals darum, reich zu werden. Vordergründig stand wie erwähnt der Aspekt der künstlerischen Freiheit und musikalischen Selbstverwirklichung. Wir wollten mit der Band eben etwas grundlegend Neues machen, und das mit bewusstem Kalkül gerne auch auf volles Risiko. Hätten uns die Leute überwiegend als Scheiße empfunden, hätten wir gut damit leben können. Celtic Frost also auf geldlichen Gründen als auf die Schnelle wieder zusammenzuwürfeln, das wäre ja regelrecht absurd gewesen.“

Tom plaudert in diesem Kontext bereitwillig aus, dass Celtic Frost sich selbst vor der damaligen Auflösung als Musiker-Gemeinschaft bereits ziemlich totgelaufen hatten.

„Von daher war das Ende der Band mehr als gut zu bewerten. Alles konnte sich nachfolgend endlich wieder entspannen. All die Jahre der getrennten Wege – das war schon sehr gesund. Es musste einfach sein.“

Zum aktuellen Tonträger hat der unbeirrbare eidgenössische Düstermeister seines Empfindens nach noch zu wenig Abstand, wie er konstatiert, um mir gegenüber ein eigenes, schlüssiges Urteil darüber abgeben zu können.

„Ich kann doch nicht über Jahre hinweg etwas kreieren, und dann anschließend, nach Fertigstellung, auch noch selbst bewerten. Es ist eben ein typisches Celtic Frost-Album, dass haargenau nach uns klingt und hinter dem wir voll und ganz stehen. Ich bin sehr stolz darauf, dass das Album so ist, wie es ist. Ich finde es gut, mir gefällt es. Wir haben die Scheibe zu allererst einmal für uns selbst gemacht. Es wurde genau das freigelassen, was ins uns drin war. Ganze vier Jahre sind wir an `Monotheist` dran gesessen, und haben uns ganz bewusst die lange Zeit dafür genommen. Alles sollte sich auf ungezwungene Art und Weise zu dem entwickeln, was es schließlich geworden ist. Daher mögen wir die neue Platte auch so sehr. Denn sie ist exakt nach unseren Vorstellungen geworden. Wir sind nicht die Sorte Band, die vor dem Release einer neuen Platte erst vorab eine Marktforschungsanalyse in Auftrag gibt und dann danach die Musik ausrichtet.“

Sogar ganz im Gegenteil, so Tom abschließend. „Meine beziehungsweise unsere Einstellung zu den Fans, der Szene und den Medien hat sich ehrlich gesagt nicht im Geringsten geändert. Und wir werden ja sehen, wie `Monotheist` bei den Leuten ankommt.“

© Markus Eck, 05.04.2006

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