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Interview: ANDRE MATOS
Titel: Ungebundene Entfaltungen

Einst als unvergessener spitzenmäßiger Ausnahmesänger bei Viper, Angra und auch Shaman höchst stilvoll und wohlklingend am Werk, sprengte diese begnadete Goldkehle mit der Zeit sämtliche künstlerischen Fesseln, um sich jüngst voll und ganz einer ambitionierten Solokarriere hinzugeben.

Und auch mit dem aktuellen Studioalbum, dem glänzenden Debüt „Time To Be Free“ verfolgt dieses bemerkenswert linientreue Stimmbandwunder namens Andre Matos weiterhin seine ganz eigene musikalische Mission. Wenn also eine tief ausgeprägte Passion für hochedle Klassik eine harmonische Musterehe mit schwermetallisch orientierten Melodie-Neigungen eingeht, dann entstehen dabei stets die besten und zeitlosesten musikalischen Nachkommenschaften.

Was man auf diesem ganz speziellen Ästheten-Sektor bisher also von ewigen Giganten wie beispielsweise Yngwie Malmsteen, Rainbow oder Deep Purple vernahm, das favorisiert seit vielen Jahren auch der in São Paulo lebende Brasilianer mit literweise kreativem Herzblut, wie er mich spürbar entschlossen wissen lässt.

Der Sympathikus resümiert voller rückblickender Besonnenheit:

„Als ich vor über 20 Jahren damit anfing, mich auf musikalischem Sektor selbst zu verwirklichen, da galten ja noch ganz andere, sehr viel strengere Standards in Sachen Qualität als dies heute der Fall ist. Ich denke, die meisten der jüngeren Hörer können sich das wohl gar nicht mehr vorstellen – es reichte damals eben einfach nicht im Geringsten, nur eine einzige Hitsingle zu liefern, mit der dann ein schneller Cash-In gefahren wurde. Hört man sich all die guten alten Scheiben aus dieser für den Metal an sich so prächtigen Zeit an, versteht man bestimmt ganz genau, was ich sagen will.“

Halbgares oder Mittelmäßiges hatten da einfach nicht die geringste Chance, breitenträchtig veröffentlicht zu werden.

Im Untergrund sah dies aber auch schon damals ganz anders aus. Mit der Zeit erkannte die allmächtige Musikindustrie aber jedenfalls, dass sich auch damit nicht wenig an Geld verdienen lässt. Der Rest ist leider wohl bekannt.

Ständig kommen und gehen neue, künstlich generierte Genre-Trends, welche dann jeweilig bis zum Äußersten ausgereizt werden. Am Reißbrett kreierte, völlig übertrieben aufgezogene Images, kalkulatorisch aufgesetzte Attitüden etc.

Nichts scheint mehr echt zu sein, und die Leute scheint das auch gar nicht mehr zu stören.

Bei mir hingegen sieht es da ganz anders aus, und auch Andre teilt meine Ansicht:

„Überwiegend ist das Ganze für Leute wie mich wirklich unerträglich. Nachfolgend beobachtete ich daher mit ständig ansteigendem Missmut die sich selbst immer mehr verwässernde Situation im Metal-Bereich. Und meine primäre künstlerische Intention, den Leuten hohen Anspruch statt Belangloses von hoher Quantität zu bieten, verfestigte sich daher zunehmend“, lässt mich der Sänger seine antreibenden Intentionen protokollieren.

In einer mehr und mehr von schnellen Profiten und gesteuerten Konsumsüchten geprägten (Musik)Welt hat man es daher als aufrechter Verfechter von solcherlei zeitlosen Werten beileibe nicht immer leicht.

Dennoch blieb sich ein ausgesprochener Individualist wie Andre selbst lobenswert treu.

„Wenn man schon so lange höchst aktiv Musik macht wie ich, entwickelt man mit den einhergehenden Jahren wohl ganz automatisch ein untrügliches Gespür dafür, was einem liegt und was eben nicht. Im Laufe meiner langen Karriere erlebte ich immer wieder nachhaltig prägende Situationen beziehungsweise Stationen, welche mir bei meiner künstlerischen Selbstfindung sehr behilflich waren. Dafür bin ich wirklich stets sehr dankbar. Denn: Zu wissen, wer man genau ist und was man nun genau will, ist die eine Sache. Aber die Kraft und den Willen zu besitzen, das letztlich auch kompromisslos zu verwirklichen, ist dabei genau so wichtig. Irgendwann fasste ich dann den glücklichen Entschluss, mir fürderhin von niemandem mehr bei meinen Liedern auch nur ansatzweise dreinreden zu lassen“, schildert der im Gespräch merklich feinfühlige Emotionsmensch Matos anschließend den getanen Entwicklungsschritt zur neuen Bandsituation.

Und so repräsentiert der brandneue Albumtitel „Time To Be Free“ den eigentlichen Kern der melodischen Classic Metal-Kunst von Matos mit absolut unmissverständlicher Symbolik:

Denn die Zeit ist wirklich überfällig, um endlich wieder rundum frei zu sein. Der Meister geht hierzu gerne noch in die Tiefe:

„Freiheit, vor allem auch künstlerische, ist etwas wirklich Wunderbares im Leben eines Menschen. Jahrelang fühlte ich mich ja überhaupt nicht frei, was mir immer wieder und mit der Zeit auch immer mehr den Geist einengte. Wenn ich daran zurückdenke, kann ich gar nicht glauben, wie sehr ich mich da immer wieder beeinflussen ließ. Doch das ist nun vorbei, das gehört für mich endgültig zur Vergangenheit. Erst recht jetzt, wo ich diese Freiheit so wunderbar auskosten kann. Mit meinen neuen Kompositionen auf `Time To Be Free` möchte ich den Leuten ein Stück von meiner erkämpften musikalischen Freiheit schenken. Sie haben es schließlich verdient.“

© Markus Eck, 04.01.2008

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