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Interview: AEONS CONFER
Titel: Monumentale Brachialität

1997 von den Brüdern Simon und Nils Wrobel in Hamburg gegründet, trieb die Band ihren Stil bis zum heutigen Modern Symphonic Dark Metal stetig voran. Sogar obligatorische Besetzungswechsel nutzten Aeons Confer immer wieder eher zum musikalischen Vorankommen als dass diese sich hinderlich auswirkten. 2003 ließen die Beteiligten einen ersten Tonträger erscheinen, die EP „The Soul Of The Universe“.

Ein Jahr später bliesen die hanseatischen Enthusiasten erneut mit einer EP zum Sturm auf die Szene: „Mirrors Heart“. Ein erneuter Versuch für möglichst umfangreiche Beachtung wurde mit dem 2005er DVD-Release „The Chronicles Of Aeons Confer“ unternommen.

Nachfolgend schien es ziemlich still um den apokalyptisch-pompösen Schwarzstahlsound der Nordlichter geworden zu sein.

Doch nur scheinbar, denn das anhaltend motivierte Ensemble bereitete sich im Inneren tatsächlich auf Weiteres vor.

Und 2009 stießen sogar gleich drei Mitstreiter hinzu: Vokalist Bernhard Rigelsky, Tastenmann Thomas Reinsch und Tieftöner Holger Stief, mit denen Aeons Confer ihren düsterkalten Epiker-Output merklich professioneller gestalten konnten.

„Wer das Album erstmalig hört, dem schlägt die geballte Macht förmlich entgegen“, so Vokalist Bernhard. Mehr: „Meiner Meinung nach ist es uns gelungen eine Soundwand zu erschaffen, in der sich die Instrumente differenziert heraushören lassen, obwohl sie sich zugleich zu einer homogenen atmosphärischen Fülle verdichten. Transparenz und Soundwand schließen sich häufig aus; es war also eine Herausforderung, die sich nur durch gute Arrangements im Vorfeld lösen ließ, so dass alle Instrumente Vollgas geben, sich aber gegenseitig Raum lassen, um sich zu entfalten. Heraus kommt eine dunkle, monumentale und brachiale Stimmung, die sich durch das komplette Album zieht.“

Wer den Fokus auf Stilfragen legt, der wird bei Aeons Confer Elemente vieler Metal-Genres finden, so der Frontmann weiter.

„Die Definition Modern Symphonic Dark Metal öffnet den Weg, eine Verschmelzung des besten, was der Metal der Gegenwart sowie der letzten Jahrzehnte zu bieten hat, zu umschreiben. Dazu gehören Black-, Death- und Gothic Metal-Elemente genauso wie traditionelle Einflüsse, nicht zu vergessen natürlich die symphonisch-orchestrale Schlagseite. Um es zusammen zu fassen: Es erwartet einen das volle Brett und das fast 80 Minuten lang. Der eine oder andere sollte sich nach dem Starten der CD vielleicht anschnallen.“


Mittlerweile als erstaunlich vielfältig musizierendes Sextett am Werk, erschaffen die norddeutschen Derwische mit ihrer visionären Tragikkunst eine ebenso abgründig einnehmende wie futuristisch schillernde Klangwelt.

Gitarrist Alexander lässt hierzu nachfolgend wissen: „Bei uns die Mixtur entscheidend. Wichtige Bestandteile sind bei uns sowohl die symphonischen Elemente als auch die elektronischen Passagen. Denen gegenüber stehen wiederum harte, schnelle Blast- oder Headbang-Parts und schon fast progressive, verfrickelte Abschnitte.“

Nicht zu vergessen, ergänzt der Axeman, ist dabei auch der facettenreiche Gesang von Bernhard, der es schafft von tiefsten Growls und Screams bis hin zu cleanem Gesang ein Spektrum abzudecken, welches die Musik der Band von anderen unterscheidet.

„Generell denke ich, dass wir zwischen diversen Stilen Spagate betreiben die zunächst unvereinbar erscheinen, aber gerade im Gesamtkontext Aeons Confer Sinn ergeben. So entsteht diese intensive Atmosphäre, die auf ,Symphonies Of Saturnus‘ zu hören ist und den Hörer in ihren Bann zieht.“

Und hinter dem, was da auf dem aktuellen Debütalbum „Symphonies Of Saturnus“ nicht wenig an die komplex strukturierten und opulent arrangierten Songs von neueren Dimmu Borgir oder späten Emperor bis hin zu Arcturus erinnert, steckt eine Menge Arbeit, Leidenschaft und Entwicklung.

Wie Gitarrist Simon diesbezüglich im Weiteren darlegt, hat er die Musik für „Symphonies Of Saturnus“ geschrieben.

„Meistens habe ich komplette Songs vorgelegt und wir haben dann gemeinsam an der endgültigen Version gearbeitet oder einzelne Arrangements umgearbeitet, damit jedes Instrument zur vollen Geltung kommt. Den Großteil der orchestralen und synthetischen Elemente habe ich auch erst während der Produktion entwickelt, da sich mir immer wieder neue technische Möglichkeiten boten, meine Ideen noch genauer umzusetzen. Songs wie die Introduktion ,Signals‘ und das Outro ,Supremacy‘ beispielsweise wurden auch erst gegen Ende der Produktion geschrieben, da sich in dieser späten Phase der Umfang des Albums besser beurteilen ließ und es mir leichter fiel, die letzen Puzzleteile zu finden, welche den Ein- und Ausstieg des Albums bilden.“

Und so besticht die Musik von Aeons Confer laut Aussage von Drummer Nils durch die Summe all ihrer Elemente in einer nie zuvor da gewesenen Form.

„Zum einen ist es die gewaltige Vielseitigkeit, die unser Sänger Bernhard mit seiner Stimme einbringt und zum anderen die Art und Weise, wie wir als Band unsere Instrumente und die dazu passenden Komponenten, wie beispielsweise SciFi-Sounds, Orchester, Sopranstimme und Soundcollagen nutzen, um unsere eigene Klangwelt zu kreieren. Dabei legen wir großen Wert auf Abwechslung und Vielfalt und lassen dadurch eine einzigartige Soundwand entstehen, die sich nicht in eine Genre-Schublade pressen lässt. Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass sich die Musik von Aeons Confer aufgrund der Produktion von Simon, die klar, differenziert und amtlich druckvoll klingt, von anderen Bands maßgeblich unterscheidet.“

Für Keyboarder Thomas liegen die Stärken bei Aeons Confer in der Vielseitigkeit der Musik und der Vocals, wie er erklärt.

„Wir kombinieren verschiedene Stile miteinander und kreieren daraus neuartige und moderne Strukturen. Die geballte Power der Drums und der Gitarrenwand, die stilistisch passenden SciFi-Effekte am Synthesizer sowie die mächtigen orchestralen und choralen Elemente, welche den Songs weitere symphonische Melodien bieten, sorgen für diese Abwechslung welche durch die vielseitigen Gesangsstile unterstützt wird. Zudem haben wir mit unserem handfesten Konzept viel Spielraum um unsere Kreativität zu entfalten, aber dennoch mit viel Spielraum in eine bestimmte Richtung zu lenken. Der SciFi-Aspekt spielt dabei eine sehr wichtige Rolle.“

Wer einmal genauer bei diesen Hanseaten hinhört, so Simon, der wird sicherlich erkennen, dass der Detailreichtum, welchen Emperor immer in ihrer Musik gepflegt haben, sich auch auf das Schaffen von Aeons Confer abgefärbt hat.

„Fernab davon kamen auch viele Einflüsse aus der Filmmusik (,Star Wars‘, ,Alien‘, ,Terminator‘) zum Tragen. Jeder Song hat ein ganz spezielles Thema beziehungsweise Motiv und eine ganz bestimmte Stimmung welche auch in den Lyrics abgehandelt wird.“

Laut Synth-Mann Thomas umfasste der Aufnahmeprozess zu „Symphonies Of Saturnus“ drei Jahre und begann im August 2010 in Eigenregie.

Wir erfahren von ihm:

„Dazu bauten wir unseren Proberaum mit Studiomöbeln aus, so dass uns mit der Aufnahmekabine, dem Mischpult und insbesondere den Fähigkeiten von Simon als Produzent keine Grenzen gesetzt waren. Dort wurden Drums und Vocals aufgenommen. Die Recordings von Gitarren, Bass, Synthesizer und der orchestralen Arrangements fanden bei Simon im Homestudio statt. Zum Ende 2011, als alle Recordings abgeschlossen waren, fand der Mixing-Prozess statt, welcher im Sommer 2012 abgeschlossen war. Das Mastering wollten wir eigentlich auslagern. Doch als dies nicht dem gewünschten Ergebnis entsprach, entschieden wir uns Ende 2012 auch hier, diesen Prozess selbst zu übernehmen. Zuletzt arbeiteten wir noch am Artwork, bis ,Symphonies Of Saturnus‘ im Oktober 2013 veröffentlicht wurde.“

Das Spannendste war dabei für Nils, wie er ergänzend offenbart, zu erleben, dass das Resultat ihres Schaffens weitaus hochwertiger ausfiel, als Aeons Confer es sich erhofft hatten.

„Zwar wurden einige Songs bereits im Vorfeld der Aufnahmen bei anstehenden Gigs auf ihre Live-Tauglichkeit von uns getestet, so dass wir uns sicher waren, sozusagen ,only Killers and no Fillers‘ auf dem Album zu haben. Doch als wir schlussendlich mit allen Recordings und Programmierungen fertig waren und Simon an den Reglern der Macht drehte, wurde uns erst bewusst, was für ein gigantisches Ausmaß ,Symphonies Of Saturnus‘ angenommen hatte.“

Der Titel des aktuellen Langspielers der Jungs machte mich rasch neugierig auf die dahinter stehenden Songtexte. Worum also geht's auf dem Album in lyrischer Hinsicht, Bernhard?

„Ja, der Titel ist tatsächlich nicht zufällig gewählt. Dreh- und Angelpunkt bildet der Saturn. Ich denke, über seinen erhabenen, majestätischen Anblick muss man nicht diskutieren. Schon zahlreiche Kulturen der Antike wurden von ihm inspiriert, dabei sehen wir ihn erst heute in seiner vollen Pracht. Der Saturn übt seit langer Zeit einen gewissen Einfluss auf die Menschen aus.“

Um besagten Einfluss geht es auf „Symphonies Of Saturnus“.

„Der Hörer versetzt sich in einen Protagonisten, der die Macht Saturns empfängt, die ihn zunächst orientierungslos werden lässt, die ihn vor allem aber auch erleuchtet und das dünne Eis, auf dem sich die Menschheit bewegt, erkennen lässt. Gegen die von Heuchelei, Gier, Hass und Lügen dominierte Welt lehnt er sich auf und führt durch die neu gewonnene saturnische Weisheit und Kraft deren Ende herbei, bevor er in eine höhere Form saturnischer Existenz aufgeht. ,Symphonies Of Saturnus‘ ist ein vielseitiges, dunkles, apokalyptisches, dystopisches Konzeptalbum mit einem gehörigen Anteil SciFi.“

Und die Formation funktioniert auf verschiedensten Ebenen hervorragend, freut sich Alexander am Ende des Gespräches. „Man redet ja gerne von familiären Gefügen innerhalb von Bands, aber ich denke in unserem Fall trifft das wirklich zu! So verstehen wir uns nicht nur im Proberaum und auf der Bühne fast blind untereinander, sondern sind auch abseits der Musik dicke Freunde. Das schafft eine gemeinsame Ebene, die sehr wertvoll ist und Aeons Confer zu etwas Besonderem macht. Jeder trägt seinen Teil zur Band und der Gemeinschaft bei, und jeder gibt viel Herzblut. Das schweißt zusammen. Auch haben wir einen großen gemeinsamen Freundeskreis. Wir können uns aufeinander verlassen, und das ist viel Wert!“

© Markus Eck, 29.12.2013

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