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Special: Napalm Records
Titel: Stets auf dem Laufenden

Bereits zu den verdienten Veteranen an einschlägigen Tonträgerverlagen, welche sich extremerer Metal-Stilistiken angenommen haben, zählt diese etablierte österreichische Label-Institution.

Im Zuge damalig zur Gründungszeit 1992 vorherrschender dringlicher Szene-Bedürfnisse nach möglichst grenzenloser musikalischer und auch thematischer Brutalität entschied sich der junge Existenzgründer Markus Riedler, kurz „Max“ genannt, dazu, fürderhin entsprechend unter Napalm Records zu firmieren. Traurige Weltberühmtheit erreichte dieses verheerend wirkende Benzingemisch namens Napalm vor allem als im Vietnam-Krieg verwendete Brandwaffe, unter welcher besonders weite Teile der dortigen Bevölkerung zu leiden hatten. Das ist zum Glück schon relativ lange her.

Und auch sonst entfernte man sich im Hause Napalm mit der Zeit mehr und mehr von den anfänglichen Extremen, hin zu erfrischender Genre-Vielfalt. Erschien im ´92er Label-Gründungsjahr beispielsweise von der österreichischen Death Metal-Band Disastrous Murmur die erzgrausam lyrisierte EP „Where The Blood For Ever Rains“ als allererste Napalm-Veröffentlichung überhaupt, so folgten auf dieser knallharten Route nur noch sehr wenige reine Todesblei-Platten wie etwa diejenige von Visceral Evisceration nach.

Ein zwar kleiner, aber bestimmter Anfang war jedenfalls getan. Und Metal-Fan Max bewies im Laufe schon recht kurzer Zeit ein sehr gutes und zielsicheres Markt- und Marketing-Gespür für aufkommende musikalische Trends – er richtete als einer der allerersten Labelbosse überhaupt seinen Fokus genau nach Skandinavien aus.

Was dann im Weiteren über Thrash Metal-Truppen wie beispielsweise einer Veröffentlichung der schwedischen Rabauken Suffer 1993 und ähnlichen nachfolgenden Tonträger-Auswürfen führte, das gipfelte vor und nach Mitte der 90er schließlich in zwei immens erfolgreichen Genres: Gothic- und Black Metal. Damit sollte der Firma aus Eisenerz der große Durchbruch auf breiter Metier-Ebene gelingen.

Zu Zugpferden avancierten schnell primär drei große Namen: Summoning, Tristania und Vintersorg. Doch auch anderen Talenten bot der Napalm-Stall dauerhafte Heimstatt.

Was böses Schwarzmetall anbelangt, so sind hier hauptsächlich Setherial, Abigor, Siebenbürgen, Obtained Enslavement, Malignant Eternal und Mactätus zu nennen. Und in Sachen gotische Edelstahlsymphonien sorgten neben Tristania auch noch The Sins Of Thy Beloved und Dismal Euphony für Verzückungen, aber vor allem auch die Wiener Ausnahme-Avantgardisten Angizia. Die international immens gefragten Veröffentlichungen von der deutschen Viking Metal-Bekanntheit Falkenbach dürften auch jeweilig zum Umsatzplus führen. Durch solcherlei nicht unerhebliche Geschäfts- und Promotion-Erfolge angespornt, gründete der mittlerweile recht erfahrene Max in Form von Black Rose Productions, Norse League Productions und Draenor Productions noch drei Sub-Label, um auch anderen Genre-Bereichen wie beispielsweise Darkwave oder Dark Electro adäquat Rechnung zu tragen.

Als das Ganze schließlich immer größer und weitreichender wurde, kam zum eigentlichen Firmenhauptsitz im malerischen Städtchen Eisenerz sogar noch eine amerikanische Label-Niederlassung im texanischen Austin dazu. Der Rest ist vorbildliche Geschichte, wie man so schön sagt – geschulte marktstrategische Weitsicht und die Gabe zu präziser Metier- und Trend-Beobachtung brachten im Laufe der Zeit so unterschiedliche internationale Gruppen wie Battlelore, Leaves´ Eyes, Korpiklaani, Atrocity, Midnattsol, Draconian, Lacrimas Profundere, Vintersorg oder auch Tyr ins Rampenlicht der interessierten metallischen Öffentlichkeit. Selbst großer Mut zum Risiko wurde bewiesen, als nonkonforme Bands wie Belmez, Hollenthon, Ahab, Naio Ssaion, Kreuzweg Ost oder wie im jüngeren Fall Wig Wam unter Vertrag genommen wurden. Und hat sich der extremmusikalische Zeitgeist auch in den letzten Jahren teilweise nicht gerade unerheblich gewandelt, Max und seine fleißigen Napalmer (15 an der Zahl) halten dennoch hauptsächlich noch immer an der härteren Klangschiene fest. Auf dieser fuhr ich auch mit Max für ein resümierendes Zwiegespräch.

„Gerade mit einer Veröffentlichung wie `Hard To Be A Rock´n´Roller` von den Norweger Glam Rockern Wig Wam haben wir sicherlich viele Leute nicht wenig überrascht, welche unser Label-Profil gut kennen. Doch ich stehe nach wie vor voll und ganz dahinter. Wer wie ich mit Kiss und Alice Cooper aufgewachsen ist, für den zählt in der Musik schon auch noch ein gewisser Spaßfaktor. Sicher, läppisch sollte das Ganze nicht aufgezogen sein, aber warum sollte zwischen all den Negativismen der dunklen Stilistiken hin und wieder nicht auch ein wenig Freude vermittelt werden? Ich persönlich finde die Band noch immer spitze – schade, dass die Platte nicht wie erhofft bei den Leuten ankam. Die jüngeren Hörer fanden das Ganze nicht `cool` genug, und die eigentlich dafür geeignete etwas ältere Hörerschicht erreicht man nur noch sehr schwer mit solchen Platten. Für dieses Thema hätten wir ganz einfach mehr TV-Präsenz benötigt. Leider jedoch wurden die Videos von den einschlägigen TV-Stationen abgelehnt und die Unterstützung der Radiostationen ließ auch ein wenig zu Wünschen übrig“, erläutert der Labelchef zum bisher wohl am meisten unerwarteten Album seiner eingesessenen Firma.

Das exakte Gegenteil des vorherig genannten eher geringeren Erfolgsfaktors darf mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hingegen von einer der neuesten Vertrags-Bands erwartet werden: Alestorm, die schottischen Kraftmetall-Piraten mit der dicken Dynamik im räuberischen Laderaum:

„Bereits als ich das erste Mal mit ihnen beziehungsweise ihrer Musik in Berührung kam, war ich bereits ziemlich sicher, dass ich diese Band auf Napalm haben möchte. Diese Kerle stehen vollauf hinter dem was sie tun – Alestorm wollen den Erfolg und sie sind bereit, dafür zu kämpfen. In England gehen sie demnächst mit den Finnen Turisas auf Tour. Ein so dermaßen gutes Gefühl bei einem Debütalbum habe ich auf jeden Fall schon sehr lange nicht mehr gehabt. Die Scheibe bringt endlich mal wieder positiven Schwung ins Geschehen. Wir hoffen daher sehr, dass wir mit der Sub-Kategorie `Scottish Pirate Metal` mal wieder ein neues musikalisches Markenzeichen in der härteren Musiklandschaft nachhaltig etablieren können. Eine Menge Leute von uns haben sich bislang Gedanken darüber gemacht, wie man die Band am besten an den Mann bringen kann. Und das hat sich sehr gelohnt. Denn beinahe sämtliche Rückmeldungen der Leute da draußen dazu geben uns jedenfalls selbst zu kühnen Erfolgs-Hoffnungen durchaus berechtigten Anlass – was sich auch ganz massiv in unserem Online Store erfreulich positiv bemerkbar macht. Dort häufen sich nämlich tagtäglich die vielen Bestellungen zum brandaktuellen Alestorm-Debütalbum `Captain Morgan´s Revenge`.“

Trotz mit den Jahren angestiegener vielfältiger geschäftlicher Aufgaben ist dem beständigen Österreicher die große Musikbegeisterung also noch nicht mal ansatzweise abhanden gekommen. Und genau die brachte dem Label auch zahlreiche Vertreter der Gattungen Viking- und Folk Metal ein, wie beispielsweise etwas früher eben Falkenbach, die genialen Norweger Einherjer oder auch die neuzeitlicher aktiven Finnengesellen von Korpiklaani. Ein gutes Stichwort für Max:

„Gerade mit Korpiklaani konnten wir als Label sehr großen Erfolg verbuchen, denn die Jungs spielen unglaublich viel live – und ihre quirlige Musik ist ja nun mal zum größten Teil `partytauglich`. 2003 haben sie bei uns den Vertrag unterschrieben, in vier Jahren haben sie vier Alben veröffentlicht – die Zusammenarbeit gestaltete sich also äußerst fruchtbar. Das schaffen nicht viele Bands. Und, immer, wenn sie auftreten, entfesseln Korpiklaani innerhalb kürzester Zeit einen wahren Jubelsturm im Publikum, genau das ist ihre ganz große Stärke. Und sie halten eben auch eisern an ihrem naturverbundenen, betont tradierten finnischen Image fest, was von ihren Hörern und Anhängern natürlich entsprechend hoch geschätzt wird.“

Und die Wikinger von Tyr stehen besagten Labelkollegen Korpiklaani in nichts nach, so der Labelboss mit einiger Begeisterung in der Stimme:

„Wer Tyr beim Wacken Open Air gesehen hat, der weiß, wovon ich rede. Wenn ich den Song `Hail To The Hammer` höre, kriege ich noch immer eine Gänsehaut. Will man sich an nordischen Klängen ergiebig laben, so soll und muss man Tyr gehört haben. Diese Band von den Färöer-Inseln ist einer meiner Favoriten. Denn dass ist kein Death Metal mit Wikinger-Image, wie es heute leider allzu oft zelebriert wird, sondern vertonte nordische Mythologie.“

Wir gingen zu einem nicht unwesentlichen, zeitlos relevanten Punkt im Label-Business über: Der Werbung. Wie Max zu diesem Kontext nachfolgend berichtet, stiegen mit der immer größeren modernmedialen Vielfalt der Werbemöglichkeiten für ihn auch gleichzeitig die Schwierigkeiten an, wo eine Produktwerbung für Napalm nun am allerbesten zu platzieren ist.

„Eine Zeitlang war Banner-Werbung im Internet noch sehr reizvoll, weil sie günstig erschwinglich und relativ leicht unterzubringen war. Doch wenn ich heute beispielsweise eine aufs Produkt bezogene Banner-Platzierung bei einer Musik-Plattform wie MySpace schalten will, muss ich schon mit horrenden Kosten dafür rechnen. Die Regel ist: Je mehr Besucher auf solch einer Seite, desto mehr hat man zu bezahlen, leider. Man muss auch hierzu umfangreiche Kalkulationen anstellen und unterm Strich sollte am Ende dann auch ein Plus für die werbende Firma entstehen. Man darf in diesem Punkt auf keinen Fall geschäftlich stehen bleiben und muss sich ständig neu orientieren. Das ist zwar teilweise anstrengend, aber wirklich zwingend notwendig. Ich spreche da aus eigener Erfahrung.“

Und Neuem gegenüber beweist Max auch im aktuellen Falle Offenheit: Für das neue Atrocity-Album „Werk 80 II“ beispielsweise werden Napalm Records erstmalig in der mittlerweile 16-jährigen Firmengeschichte eine so genannte „Produkt-Kooperation“ begehen. Soll heißen:

„Mit der neuen Platte erreichen Atrocity unzählige Fans von ineinander übergreifenden musikalischen Genres und auch sonstiger Szene-Subkategorien, was nicht zuletzt im neuen Fetisch-Cover und auch -Image der Scheibe begründet liegt. Wir kündigen das Ganze jedenfalls riesengroß und breitenträchtig in einer Vielzahl von unterschiedlich thematisierenden Print- und ähnlichen Mediensegmenten an, natürlich auch im Internet. Dort stellen wir beispielsweise haufenweise Anhör-Samples zur Verfügung, welche sich die Leute nach den ersten Sichtkontakten vorknöpfen können. Ich bin schon sehr gespannt auf die Resultate, denn so was in der Art haben wir bislang wie gesagt noch nicht praktiziert. Aber ich bin da guter Dinge – denn allein auf der Myspace- Seite von Atrocity bewegen sich täglich 3.000 bis 4.000 Leute, die sich über Neuigkeiten informieren und sich Soundsamples anhören. Wenn diese Aktion zufrieden stellende Ergebnisse liefert, werden wir dieses Werbe-Verfahren sogar noch verstärken.“

Ein große Rolle spielt laut Statement von Max auch die Clubpromotion:

„Das erste `Werk 80`-Album lief in den Clubs bereits sehr erfolgreich – und die ersten Reaktionen lassen erahnen, dass die Leute mit den Songs von `Werk 80 II` auch ihren Spaß haben und die Tanzflächen füllen werden. Die 80er Jahre sind zurück, härter denn je“, gibt der Metal-Fachmann lachend zu Protokoll.

Im Zuge dessen wird auch das seit einiger Zeit bestehende Napalm Records Street Team wieder zum tatkräftigen Einsatz in (Rock)Clubs, Diskotheken und sonstigen Lokalitäten abkommandiert, so Max.

„Auch bei den vielen Konzerten sind diese Leute für uns sehr aktiv. Sie hängen beispielsweise beinahe überall Poster auf und legen tonnenweise Flyer aus. Ein wichtiger Aspekt des Street Teams besteht nicht zuletzt ja auch darin, den Kontakt zu den Fans der Bands herzustellen – und vor allem intensiv zu pflegen. Alle Leute die Interesse haben bei unserem Street Team mitzuwirken können sich gerne auf www.napalmrecords.com bewerben.“

In letzter Zeit organisierten Napalm Records im Zuge anvisierter zeitgerechter Professionalität sogar eine groß angelegte Meinungsumfrage – mein Gesprächspartner expliziert hierzu abschließend:

„Wir wollten dadurch ganz genau wissen, wo die Leute ihre CDs kaufen, wo sie ihre Shirts bestellen etc. Sehr interessant war für uns dabei auch, welche Printmagazine die Fans unserer Bands am liebsten lesen beziehungsweise kaufen. Das Ergebnis war höchst aufschlussreich, und wir können die gewonnenen Erkenntnisse bestmöglich zu bereits bestehenden Werbekonzepten addieren. Über die Jahre habe ich immer wieder gelernt, dass gerade im schnelllebigen Musikgeschäft Stagnation jedweder Art ziemlich schnell den Firmentod bedeuten kann, deshalb müssen wir ständig unsere Arbeit hinterfragen. Daher sehe ich guter Dinge in die Zukunft, und ich freue mich auf weitere hoffnungsvolle Bands und tonnenweise gute Musik bei Napalm Records.“

© Markus Eck, 30.01.2008

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