SYCRONOMICA
„Sycroscope“
(Silverwolf ) 8/10
Als eine der eher wenigen
einheimischen Schwarzmetalltruppen auf kompositorisch gehobenem Sektor
halten sie seit so einigen Jahren, genauer gesagt schon seit 1996, an
ihrer musikalischen Ausrichtung fest und werden dabei auch immer
erfahrener und musikalisch wissender – wovon das aktuelle dritte
Album „Sycroscope“ sehr eindrucksvoll kündet. Mit
betont symphonisch orchestrierten Flankierungen und schön
bombastisch auskonturiert, knallen die nicht selten pfeilschnell
rhythmisierten Tracks (Schlagzeuger Michael Bayer in absoluter
Top-Form!) dieser enorm inhaltsreichen Düsterscheibe ins
Gehör, dabei nicht selten mittels mitreißender Theatralik
beziehungsweise entsprechend dramaturgisch dichten Arrangements
komplexer Erscheinung dargeboten. Majestätisch melodisiert und mit
viel Bedacht auf Abwechslungsreichtum inszeniert, atmet das neue
Material des bajuwarischen Melodic Black Metal-Kommandos um Sänger
Oliver Walther somit gar prächtige Genre-Noblesse.
„Sycroscope“ dokumentiert im Zuge dessen die vollends
glaubwürdige Weiterentwicklung einer an sich und ihren Stil
beharrlich glaubenden Gruppe. Hierauf wohl noch am ehesten mit Dimmu
Borgir oder auch Old Man’s Child beziehungsweise Noctes
während deren jeweiligen kreativsten Blütezeiten
vergleichbar, stellen die sechs löblich ambitionierten
Münchner jedoch auf „Sycroscope“ auch ziemlich
große Eigenständigkeit unter Beweis – das Sextett
schielt also nicht nur halbherzig nach Skandinavien und
erfolgsträchtigen Strickmustern, sondern sie sind deutlich
hörbar mit Leib, Herz und Seele am teils unglaublich
inbrünstigen Werk. Zuweilen scheinen einen die superschweren
Klangkanonaden gar regelrecht nieder zu ballern, was man bei
solch’ packender Ideenvielfalt aber doch nur zu gerne über
sich hereinbrechen lässt.
Auch in Sachen atmosphärischer Relevanzen überließen
die beflissen agierenden Beteiligten nichts dem Zufall – so sind
immer wieder auflockernde Passagen in teils sprachlos machender
Vielfalt zu vernehmen, welche die vielen furiosen Rasanzen der
Silberschilds effizient kontrastierend auflockern. Daher bleibt die
Veröffentlichung auch dauerhaft spannend und offenbart
ständig neue Facetten. Die sechste Nummer,
„Nebelgestalt“ beispielsweise bietet neben aller impulsiven
Schmissigkeit sogar operettenhaft anmutende Tenorgesänge auf, die
man sich beileibe von einer Veröffentlichung dieser Kategorie
erwartet hätte – gekrönt wird der aufwühlende Song
von einem wahrlich fantastischen Gitarrensolo, welches mit
berauschender Tastenbegleitung eruptiv zu kulminieren scheint. Klasse,
so höre ich das nur zu gerne! Spielkulturell sind die Kerle
mittlerweile ja auch so weit, dass sie locker international
konkurrenzfähig sind, was auf dem Werk samt seinen neun
interessanten Kompositionen für so manchen Moment prickelnden
Hochgenusses in Sachen technische Finessen zu sorgen weiß.
Letztlich ist hier ohnehin auch alles mit ausgeprägtem Bewusstsein
für Echtheit kreiert worden – eine Feststellung, die vom
mystisch-stimmungsvollen Frontcover nur noch potenziert wird: Keine
dusslig-belanglose Photoshop-Grafik ohne Wiedererkennungswert also,
sondern ein liebevoll handgepinseltes Bild von Drummer Bayer. Letzter
„zeichnete“ im wahrsten Sinne des Wortes übrigens auch
schon für die Frontbilder der beiden Albumvorgänger
„Paths“ und „Gate“ verantwortlich.
©
Markus Eck
(22.06.2010)