ORANGE CODE
„Orange Code“

(Self-financed) --/10
2002 wurde die Bandgründung vollzogen, nun gibt’s breitenträchtig was auf die Ohren. Tieftoner Tim Mair, Gitarrentalent Marius Haupt und Schlagwerker Tobias Nagl motorisieren die treibende Rhythmuskraft hinter der wohltuenden Ausnahmestimme von Frontkehle Stephan Alt. Letzterer klingt hier dermaßen überraschend souverän amerikanisch, dass man ihm aufgrund dargebotener Akzentfreiheit doch glatt die deutsche Herkunft absprechen möchte. Von harmonischem Klargesang über voluminöse Ausbrüche bis hin zu ekstatischen Schreien reicht sein umfangreiches Repertoire – und dieser breite Radius wird von Alt auch voll ausgelotet. Eindeutig also ein willkommenes Glanzlicht im Trüben des einheimischen Metiers, dessen Protagonisten sich in der Regel doch stets selbst immer wieder blitzschnell als stimmlich stark limitierte Plagiatoren offenbaren. Denn um überzeugend singen zu können, reicht Talent allein nicht aus – da muss man schon wirklich innigliche Leidenschaft auf der Zunge ausreiten lassen.

Aber, erst im Team läuft der außerordentlich spielfreudige bayerische Vierer so recht zu voller Form auf – und hier präsentieren uns die vier hungrigen Alternative Rocker ihre allererste Demonstrations-Scheiblette. Und dieses auch grafisch mit viel Liebe inszenierte Kreativprodukt offenbart sich schon recht professionell, sowohl im kompositorischen als auch im spieltechnischen Bereich. Kein Wunder, die Beteiligten sind schon seit einigen Jahren in diversen Bands unermüdlich als Musiker aktiv. Fünf erfrischend spritzige Tracks schälen die Orangenliebhaber auf „Orange Code“ gekonnt ab, ohne sauren Nachgeschmack zu hinterlassen. Hervor kommt im Zuge dessen auch der signifikante Hang des Quartetts zu löblich eigenwillig umgesetzten Jazz-, Funk- und Indie-Tönen. Genau das ermöglicht in den Strukturen der eigentlich recht kantig und griffig gemachten Stücke nicht selten angenehm federnde Gefühlsleichtigkeiten.

Ihr Glück: Damit treffen sie den Nerv der Zeit perfekt, ohne sich anzubiedern. Insgesamt beträgt die Gesamtspieldauer knapp über 23 Minuten. Mein persönlicher Favorit auf dieser durchgehend hörenswerten Orangenscheibe ist eindeutig die fünfte Nummer „Dig It, Baby!“, welche absolute Radiotauglichkeit hat! Mit diesem charismatisch an den Hörersinnen fressenden Ohrwurm haben Orange Code einen zeitlos klingenden und trotzdem dauerhaft interessanten Song am Start, mit dem verdammt viele Musikfreunde zu erreichen sein sollten. Ein richtiger Hit, der alle Trümpfe dieser fitten Nachwuchstruppe in Vollendung vereint: Harte Dynamik, Variantenreichtum, ungenierte Emotionalität und Ausdrucksstärke. Bleibt mir stark zu hoffen, dass der stimmungsvolle Mix aus The Mars Volta, Foo Fighters, Incubus und Red Hot Chili Peppers möglicht viele geignete Ohrenkrempen zum Flattern bringt – denn Orange Code besitzen Seele, dieser von Grund auf ehrliche Sound tut einfach gut. Kontakt: www.orange-code.de oder Myspace.com/orangecode

© Markus Eck

(22.10.2008)