NATTSOL
„Stemning“

(Lupus Lounge) 9/10
Eine dicke Lanze für das frühe skandinavische Schwarzmetall mit verspieltem Folklore-Beiwerk brechen diese Norweger auf ihrem feinen Debütalbum. Nur her damit, zeitlos-traditionelles Genreschaffen wie dieses ist eher selten geworden! Der schön obskur erklingende Trolldiskus beginnt mit typischen unterkühlenden Gitarrenakkorden und blitzschnell wähnt man sich in tiefstem verschneiten Tann in menschenleerer mitternächtlicher Umgebung. Der Albumtitel „Stemning“, auf deutsch „Stimmung“, trifft den Nagel hier voll auf den Kopf: Die 2006 ins Dasein gehobene sechsköpfige Weltfluchttruppe fegt mit atemberaubend prägender Weise durchs klangliche Geschehen, dabei verstören sie einen nachhaltig in geradezu willkommener stimulierender Art. Insgesamt haben sie das, was diese Art von Musik aus diesem Teil der Erde so berühmt und beliebt gemacht hat, auf ihrem Manifest sehr authentisch und hörenswert eingefangen: Nämlich faszinierenden Mystizismus und hämische Härte, unheilig verquickt mit funkelnd böser Schönheit. Für Letztere zeichnen neben filigranen Akustikgitarren-Intermezzi auch Klargesänge verantwortlich. Nach ebenso tiefgründigem wie aufwühlendem Konsum der sechs enthaltenen naturverbundenen Kompositionen steht eines jedenfalls fest: Nicht umsonst ist Black Metal dieser Machart einst so immens populär geworden – und die neue Huldigung dafür von Nattsol kultiviert den unheimlichen Geist der Metier-Ursprünge mit genussvoller Besessenheit.

© Markus Eck

(03.06.2010)