EQUILIBRIUM
„Rekreatur“
(Nuclear Blast) 10/10
Nur noch den allerwenigsten Bands
aus dem extremen Metal-Sektor ist es vergönnt, über einen solchen
Zeitraum hinweg eine dermaßen glaubwürdige musikalische und inhaltliche
Entwicklung demonstrieren zu können, wie es bei Equilibrium der Fall ist.
Mit dem aktuellen Album verabschieden sie sich endgültig vom Pagan Metal
ohne jedoch mit Rekreatur ihr charakteristisches bisheriges
Klangerscheinungsbild abzuhängen. Die neuen Kompositionen könnten
bombastischer wohl nicht sein: Hymnisch-melodischer Fantasy Metal der produktionstechnisch
vorstellbar aufwändigsten Kategorie, rasiermesserscharf gerifft und ebenso
pompös wie stimmungsergiebig von festlich erperlenden Synthie-Klangkaskaden
überstrahlt. Biss, Geschwindigkeit, Taktkönnen, Spielkultur und Gespür
für Eingängigkeiten verschmelzen hier zu einer wohltuenden Melange
das Ergebnis kann berauschen, wenn man es zulässt. Keine Sekunde
wirkt da nicht bis ins Letzte durchdacht, keine Note deplatziert und kein Vokaleinsatz
überambitioniert selbst die vielen Chöre überzeugen. Hauptkomponist
René Berthiaume kreierte gigantisch hoch erhebende Dramatikerlieder,
die beileibe nicht zufällig an die bislang spektakulärsten Film-Soundtracks
überhaupt erinnern. Das haben die Italiener Rhapsody (Of Fire) einst schon
famos vorgemacht und Rekreatur führt es oberprächtig
fort. Symphonisch aufs Nobelste veredelter Epikhartstahl, handwerklich wirklich
brillant geschmiedet und mit dem vollen Bewusstsein für Zeitlosigkeit formvollendet.
© Markus Eck
(03.06.2010)