ACCEPT
„Blood Of The Nations“
(Nuclear Blast) 9/10
Was nun in Form des neuen und zwölften Accept-Studioalbums der
gesamten Nostalgikerwelt des traditionellen Heavy Metal den Atem raubt,
ist eine echte Sensation! Denn weder die treuen Legionen der Fans noch
die Band selbst (hierbei fast im originalen Line-Up!) hätten sich
wohl eine solche Killerplatte überhaupt vorzustellen gewagt. Doch
das Musikschicksal meinte es gut – und so kam es
schließlich wie es einfach kommen musste: Den legendären
Teutonenmetallern lief der Accept-Fan und ehemalige TT Quick-Vokalist
Mark Tornillo über den Weg, welcher das Ganze mit viel
Enthusiasmus und noch mehr Stimmgewalt ins Rollen brachte. Selten
erlebte man zudem ein bestechend einprägsames Frontcover von
solcherlei Aussagekraft, welches auch noch dermaßen ambivalent
ist: Das weltberühmte V-Handzeichen, welches gemeinhin für
„Victory“, also den Sieg, steht, wird nämlich nicht
selten auch als geheime Freimaurer-Grußbotschaft verstanden
– hier auch noch überzogen mit einem symbolträchtigen
Mix aus Erdöl und Blut. Zieht man nun den aktuellen Plattentitel
„Blood Of The Nations“ hinzu, erklärt sich das Ganze
eigentlich von selbst. Nun, darauf kann sich natürlich jeder
selbst seinen eigenen Reim machen – doch für eine
Wiederkehrer-Band wie Accept, die mit viel Herzblut auf ihrem neuen
Siegeszug ist, könnte es jedenfalls wohl passender nicht
gewählt sein! Mir persönlich gefällt das Bild also
immens gut. Zudem passt es auch perfekt zum lyrischen Hintergrund der
teutonischen Metal-Legende, die seit jeher ein gewisses
sozialkritisches Element in ihren Songtexten hatte.
Der britische Metal-Starproduzent Andy Sneap, glücklicherweise ebenfalls beinharter Accept-Anhänger, produzierte „Blood Of The Nations“ auch noch dermaßen brillant, dass es die reine Ohrenfreude ist. Sehr gut, denn so kommen auch all die feinen Klassik-Arrangements auf diesem tollen Comeback-Werk bestens zur klanglichen Geltung. Die geradezu elektrifizierenden Gitarren-Stakkati von Wolf Hoffmann und Herman Frank werden dazu hochgradig effizient von begeisternden Hammermelodien gekrönt, wie man es bei Accept zu ihren allerbesten kreativen Zeiten einfach schon immer innig geliebt hat. Die Beteiligten versuchten eindeutig hörbar eben nicht, das altbewährte Strickmuster von „Balls To The Wall“ zu wiederholen, die aufwühlenden Dynamiken von „Metal Heart“ zu duplizieren oder den Bombast von „Russian Roulette“ wieder zu beleben – somit ist „Blood Of The Nations“ als ebenso mutiger wie geglückter Neuanfang mit Rückbesinnung auf die Wurzeln zu erachten. Tornillo, ein wonnig-kernig röhrendes menschliches Sägewerk, erweckt doch glatt immer wieder willkommene Erinnerungen an selige Udo Dirkschneider-Zeiten – und auch die typischen maskulinen Männerchöre sorgen für pure Lust an den „neuen“ Accept!
© Markus Eck
(30.06.2010)