ULVHEDNER/GALDRER
„Ferdasyn“/„Trolldomsanger“
(Northern Silence) 8/10
Eine der interessantesten Split-Veröffentlichungen der letzten Jahre überhaupt
liegt mir mit dieser belebend kräftigen und berauschend stimmungsvollen
CD-Kooperative vor. Dass das gute Stück aus der stilistisch ideell mordsstabilen
Hütte von Northern Silence stammt, untermauert die gewohnt qualitativen
Ambitionen des Labels, welches stets nach dem Besonderen Ausschau hält
– und dabei auch noch sehr großen Wert auf gehobenen musikalischen Anspruch
legt. Zwei norwegische Ausnahmetruppen sind auf „Ferdasyn“/„Trolldomsanger“
mit jeweils fünf tollen Kompositionen dabei. Geboten wird von beiden Bands
hochepische, betörend melancholische als auch durch und durch atmosphärische
Viking Folk Black Metal-Nordkost vom Allerfeinsten. Eilig hat es hier wirklich
keiner. Und das scheint auch nicht nötig. So bewegen sich die zehn Songs
überwiegend in erhaben schleppenden Tempi, welche die stark hymnenhafte
Charakteristik des nicht selten erquicklich martialischen Materials bestens
unterstreichen. Ergötzlich obskures Ambiente erzeugen gerade Ulvhedner
immer wieder mal, sei es nun mit herrlich ekstatischen Riffings, heroischen
Barden-Klargesängen, schwelgenden Tastentönen oder mittels vollkommen
entrückter Waldmelodien. Sie gehen hier mit den Songs „Svartavatn“, „..Atter
Er En Ny Tid Omme“, „Sanitorium“, „Dreven I Dauden Av Slit“ und „Ferdasyn“ ran,
während die nicht minder versierten Kollegen von Galdrer mit den Liedern
„Norrøn Himmel“, „Ferdatokt“, „Urskogens Svarta Djup“, „Trolldomsanger“
sowie „Frost“ auf „Ferdasyn“/„Trolldomsanger“ vertreten sind.
Ulvhedner sind eine Gruppe älteren Gründungsdatums, Galdrer wurden 2004 formiert – trotzdem ist der auffallend gemeinsame Zuschnitt der zehn dargebotenen Lieder von enormer Homogenität. Spezialität der beiden beteiligten Formationen sind ihre stets urwüchsigen und unverfälscht erklingenden, rustikal arrangierten Spielkünste, welche inmitten von nur scheinbar unspektakulärem Songwriting thronen. Denn hier gilt: Je öfter man den Diskus mit der Gesamtspieldauer von einer knappen Dreiviertelstunde rotieren lässt, desto mehr verfällt man seinem Zauber. Ich höre mir diese absolut zeitlose Split-Platte nun mittlerweile bestimmt zum 20ten Mal an. Immer tiefer erschließen sich die Songs und immer schwerer fällt es mir, die Stopp-Taste zu drücken – ihr merkt schon, „Ferdasyn“/„Trolldomsanger“ macht unerwartet süchtig. So gehört sich das auf Veröffentlichungen dieser Sparte. Wenn das kompositorisch bemerkenswert hohe und stilistisch durchweg authentisch anmutende Niveau der beiden Protagonisten auf den hoffentlich bald kommenden Debütalben gehalten wird, ja, dann stehen zwei echte Oberhammerscheiben an. Ich kann es jedenfalls kaum erwarten, wieder in die fantastischen Nebelreichwelten von Ulvhedner und Galdrer einzutreten.
© Markus Eck
(22.08.2006)