THORNGOTH
„Thelema Of Destruction“

(Northern Silence) 8/10
Sehr emotionalen, um nicht zu sagen, sehr nordischen Black Metal schmieden diese schneidigen Bayernburschen hier – nach Profane Existence die zweite mir bekannte Schwarzmetall-Kapelle aus der Kurstadt Bad Tölz. Nun, kein absoluter Überflieger, aber eine in allen Belangen grundsolide Angelegenheit ist dem hörbar skandinavisch geprägten Wutquartett in Form des vorliegenden Werkes „Thelema Of Destruction“ gelungen. Die atmosphärische Komponente wird auf dieser gleichfalls bösartig wie bisweilen andächtig erklingenden Nachtscheibe fast zu keiner Zeit vernachlässigt, wovon die zehn zornig zusammen gezimmerten Kompositionen enorm zehren können. Herrlich rau produzierte und fesselnd misanthropische Klangschönheiten sind die unabdingbare Folge solcherlei perfiden Kreativtreibens. Beinahe sämtliche möglichen Tempi werden voll ausgelotet, überwiegend fühlen sich Thorngoth jedoch in rasanten Taktbereichen am wohlsten. Ereignislos oder gar langweilend ist diese stürmische Achterbahnfahrt extremer menschlicher Gefühle daher keineswegs. Ganz im Gegenteil sogar. Mit ihren zumeist eher gesetzten, aber zuweilen packend frostigen Tonfolgen wissen die vier Urheber schon ganz gut umzugehen, in diesem Kontext blitzen immer wieder strahlende Momente auf. Im sechsten Teufelslied „Purgatory“ packt der Vierer sogar eine mordsmäßig dicke Black Thrash-Keule aus, welche mit sehr scharfen Melodie-Dornen gespickt ist. Mit vollauf respektabler Schlagzeugarbeit wird dieses vernichtende Musterbeispiel an bitterböser Abneigung gegen alles weltliche unterlegt, sehr gut gemacht!
Hätten diese bajuwarischen Wüteriche allerdings mehr relevante Sorgfalt auf die Vielfalt der Vokalisierungen beziehungsweise differierende Phrasierungen gelegt, hätte ich noch viel mehr dunkle Freude an diesem aufwühlend räudigen Stück Menschenhass in Albumform. Denn mit der Zeit nützt sich die spezifische Stimmung doch recht schnell ab, welche durch die oft viel zu einseitigen grimmigen Tiraden von Schrei- und Grummelhals Akhorahil heraufbeschworen wird. Es sei also meine Hoffnung in diesem Punkt für die Zukunft explizit ausgedrückt. Trotzdem, „Thelema Of Destruction“ gehört für mich eindeutig zu der Kategorie von Black Metal-Platten, welche mit jedem Durchlauf mehr und mehr an Seele, Charisma und schwarzem Charme entwickeln. Ein guter Auftakt nach Maß, und ein ebenso guter Dunkelgruß daher von mir ins nicht allzu weit entfernte Bad Tölz.

 

© Markus Eck

(26.04.2007)