SEAR BLISS
„The Arcane Odyssey“

(Candlelight) 10/10
Seit den 1993er Herbststürmen huldigen diese begnadeten Ausnahmekönner nun schon ihren auf grundehrlichen Motiven aufgebauten musikalischen Idealen. Gegründet durch Vokalist und Bassist András Nagy, haben sich diese nicht nur in einschlägigen Insider-Kreisen ebenso beliebten wie respektierten ungarischen Melodic Black Metal-Meister bald zu einem künstlerisch angenehm hervor ragenden und musikalisch überlegenen Trupp entwickelt. Und vom Anbeginn an ebenso genial wie einzigartig, haben sich die ungarischen Riesentalente Sear Bliss bis heute ihr inneres Feuer erhalten können. Letzteres entfachte auch für den Kompositionsprozess zu diesem neuen Studioalbum eine lodernde Schaffensglut, die aus dem aktuellen Material mal wieder viel mehr machte als „nur“ Musik. So bietet „The Arcane Odyssey“ absolut oberfantastischen Epic Melodic Black Metal, dessen künstlerische Brillanz von atemberaubender Pracht ist. Und der Begriff „Epik“ wird auf „The Arcane Odyssey“ nicht nur mit grenzenlos liebevoll ausgefeilten Dramatikermelodien feinster Erscheinung definiert – sondern auch mit herrlich machtvoll-pompösen Bombast-Arrangements. Diese erlesene Kombination lässt erhebende Momente zum Tragen kommen, deren unweigerlich einnehmende Anmut die Gegenwart zum belanglosen Nichts degradiert. Sear Bliss in Reinkultur eben, was nichts anderes als Elite zu bedeuten hat.

 

Mittels herrlich aggressiver und mordsdüsterer Atmosphären veredeln Sear Bliss also auch hier mal wieder traditionelles Edel-Schwarzmetall und dessen dunklen Geist mit einigen ungewöhnlichen Ideen, darunter auch wohlklingende Trompeten-Assistenz – das berauschende Endergebnis ist majestätische Frost-Musik, direkt aus den unendlichen Abgründen des Kosmos. Die dabei des Öfteren wunderbare gespielte Trompete ist – neben vielen noblen Tasten-Atmosphären – mittlerweile ein anerkanntes Warenzeichen in ihrer melodischen musikalischen Schöpfung. Der seit langem schon so toll verwendeten Zugposaune sind diese Schwarzmetall-Eminenzen glücklicherweise also bedingungslos treu geblieben. Das wohlklingende Instrument erfüllt somit auch dieses formidable Album-Meisterwerk mit fesselnd festlichen Dunkelklang-Spektren. Derartiges zu kreieren sind nur Auserwählte imstande. Wer also als fanatischer Anhänger dieser beständigen Paprika-Bande im Sommer 2004 dachte, Sear Bliss hätten mit dem damaligen Langspieler „Glory And Perdition” ihren schöpferischen Zenit erreicht, der wird sich von diesem beängstigend guten Manifest hier nur zu gerne eines Besseren belehren lassen. „The Arcane Odyssey“ ist wieder mal ein absolutes Ausnahmewerk von einer absoluten Ausnahmegruppe. Das zeitlos schöne und perfekt zur Musik passende Frontcover wurde abermalig von dem sehr begabten József Tari gemalt, ein wie die Band selbst überaus fähiger Meister seines Fachs. Ingesamt bleibt mir zur gerechten Bewertung dieser Scheibe als Fazit nur ein einziges Wort – ein Wort allerdings, welches ich wirklich nur höchst selten gebrauche: Göttlich.

 

© Markus Eck

(02.10.2007)