NEFARIUM
„Haeretichristus”
(Agonia) 9/10
Bereits der vorherige Album-Höllenhammer dieser italienischen Satansschwarzstahl-Monster
konnte mich richtiggehend berauschen mit all seinen überschäumend
orgiastischen Misanthropie-Zelebrierungen. Auch „Haeretichristus” macht da keine
Ausnahme: Devote Jünger von Elite-Finstereisen-Kapellen wie beispielsweise
Immortal, Setherial Marduk, Dark Funeral werden hiervon ganz automatisch in
kniende Haltung gezwungen. Denn die manisch-sklavisch vollzogene Spiel-Präzision,
mit der die erzfiese Seelenmörder-Truppe auf diesem famosen Album ans diabolisch
destruktive Werk geht, ist beinahe unbeschreiblich. Und glücklicherweise
sind auch die schon erwarteten Merkmale der vorzüglichen Vorgängerscheibe
wieder mit an Bord gehievt worden. Also eine weitere zügellose Orgie vollkommen
entfesselter Dunkel-Brutalität. Nefarium sind schon eine brettharte Truppe,
die oberräudige Verkommenheit stilistisch sicher in ihrem technisch ambitionierten
Hass-Sound kultiviert. Und die gigantische Vielfalt sowie die immense Detailverliebtheit,
mit der das beständige und linientreue Quartett auch hier wieder rangeht,
kann einige Freude am Hören der Kompositionen auf „Haeretichristus” ermöglichen.
Liedertitel wie beispielsweise „136 Bastard Priests Murdered“, „Doctrina Haereticorum“,
„Thirty Coins Of Judas”, „Sin Of Apostle” und „Episcopal Whip” lassen zudem
keinen Zweifel an der aufrechten häretischen Gesinnung dieser rabiaten
Haudrauf-Horde bestehen. Rasend schnell nach vorne gekeulte Teufelslieder, die
wie ein Amok fliegender Hornissenschwarm hinter dir her sind. Eigentlich unglaublich,
wie es dem vierköpfigen Donner-Kommando um Satanskehle und Griffbrett-Schänder
Carnifex trotz eigentlich immenser Gesamthärte ein Leichtes ist, abwechslungsreichste
und trotzdem permanent nachvollziehbare Black Metal-Nummern zum Allerbesten
zu geben.
Die glänzend druckvoll-knackige und erfreulich transparente Produktion dieser akustischen Abrissbirne verhilft dem ketzerisch machtvollen Gesamtwerk zu einer Ausnahmeerscheinung in seinem Wirkungskreis. Spritzig und wie bisher gewohnt äußerst rigide gibt das tödlich grimmige Vollstrecker-Quartett wie immer Vollgas und zeigt dem Rest der Welt, wo der Kirchenzerstörer-Hammer hängt. Permanent nachvollziehbare Songstrukturen erfreuen den maßlosen Härtefanatiker nämlich ebenso wie vernichtend wüstes Riffing und an entfesselter Brutalität schwerlich zu überbietendes Gekeife, das den energisch pumpenden Trommelwirbeln von Stockmeister Summum Algor immer wieder machtvoll Paroli zu bieten versteht. Grenzenlose Begeisterung bei Genre-Enthusiasten wird sicher aber auch das erneut unter Beweis gestellte Spielvermögen der restlichen Nefarium-Rhythmussektion erzeugen, welche man getrost als Erstligisten in der Branche der Versiertesten einstufen darf. Eine richtig runde Mischung also, die hier auf „Haeretichristus” dargeboten wird. Endlich mal wieder ein Satanic Black Metal-Album in technisch elitärer Reinkultur, welches ohne Abnutzungserscheinungen kein Verfallsdatum zu kennen scheint. Gastauftritte absolvierten dazu Chaq Mol von Dark Funeral und Infaustus von Setherial. Härtefanatiker und Schwarzmetall-Fundamentalisten werden ausreichend bedient; die Fans der Band wissen sowieso, was sie hier erwartet und werden das Teil blind verhaften. Lead-Gitarren-Berserker Adventor zeichnete ein herrlich anzusehendes und Vorbildcharakter aufweisendes Frontcover, welchem – wie der Wirbelsturm-Musik an sich – mein absolutes Lob gilt!
© Markus Eck
(27.01.2008)