MÖRKER
„Skuggornas Rike“
(Northern Silence) 8/10
Dem vorangegangenen Minialbum „Den Sista Utfärden” schmeißt diese
unheilige Dreifaltigkeit nun das Debütalbum hinterher. Und wieder arbeiten
die drei MÖRKER mit betonter Melodievielfalt und riesenhaften epischen
Atmosphären, was ihrem stimmungsvollen Northern Black Metal verdammt reizvolle
Anmut verleiht. Der eigentlich durchgehend starke Einsatz des Tastenkastens
tut sein Übriges dazu. Wer auf ebenso verspieltes wie verträumtes
und sehnsüchtiges Songmaterial aus dieser Richtung abfährt, der sollte
hier mal dringend reinhören – und ganz besonders diejenigen wenigen Fanatiker,
die beim Dimmu Borgir-Jahrtausendalbum „For All Tid“ auch nach dem x-ten Hören
noch immer ganzkörperlich elektrisierende Erregungen verspüren. Dem
Königreich Schweden wird hiermit also alle Ehre gemacht, zumindest in Sachen
emotionalem Schwarzmetall. Härtefetischisten kommen eher selten auf ihre
Kosten, denn der 2003 gegründete Dunkeldreier ist von der eher mit Bedacht
und Behutsamkeit agierenden Sorte. Die Spielgeschwindigkeiten auf „Skuggornas
Rike“, überwiegend erhaben und getragen gezockt, werden dermaßen
geschickt variiert, dass man den hörbar ernsthaft handelnden Urhebern einigen
Respekt für ihr ausgeprägtes songdienliches Gespür entgegen bringen
muss.
Das zugrunde liegende Riffing gestalten die schwedischen Intuitiv-Täter noch immer bewusst einfach, aber eben hocheffizient, somit sind ihre dargebotenen zwölf Kompositionen jederzeit bestens nachvollziehbar und bleiben ziemlich schnell im geneigten Ohr hängen. Großmajestätisch zelebrierte Nebellieder wie beispielsweise der Titeltrack „Skuggornas Rike“, „Naturen Döljer Alla Spår“ oder auch „Slaget Om Norden Del II“ muten an wie unheimliche beziehungsweise unheimlich schöne Gespensterbeschallung aus dem allertiefsten Geisterreich. Mit ihren abstrusen und schaurigen Klasse-Melodiken hantieren sie so gekonnt wie der Maurer-Gildemeister mit der goldenen Kelle. Überhaupt, diese abartig begnadete Gesandtschaft entschlüsselt mit wahrer kreativer Inbrunst und großer spielerischer Schärfe die speziellen Eigenheiten dieser erlesenen Musikrichtung. MÖRKER legen dabei immer wieder ausgefeilte und wild bewegte instrumentelle Techniken an den Tag beziehungsweise die Nacht, welche an virtuoser Sicherheit nicht das Geringste zu wünschen übrig lassen. Wenige Bands aus dieser Richtung interpretieren die Genre-Vorgaben mit solch tiefem Verständnis. Lebendig, verzehrend, dramatisch. Faszinierend.
Markus Eck