MISTUR
„Skoddefjellet”
(Self-financed) 9/10
2005 wurde diese famose Demo-Veröffentlichung fabriziert. Mistur stammen aus der norwegischen Stadt Kaupanger, genauer gesagt einem Ortsteil namens Amlabukti, welcher in der malerischen Region von Sogndal liegt. Sogndal? Da fallen mir doch augenblicklich die grandiosen Überscheiben von Windir ein, welche ebenfalls dort entsprangen. Womit wir auch bereits beim eigentlichen Thema wären – denn auch Mistur spielen hochmelodiösen und episch-dramatischen Viking Black Metal von feierlicher und majestätischer Anmut, versehen mit erhebend heroischen Pagan- und Folk Metal-Querverweisen. Gegründet wurde die begnadete Edeltruppe 2003 von Gitarrist André Raunehaug und Tieftoner Espen Bakketeig. Ein wenig später gesellte sich Vokalist Odne dazu, und die bereits keimende Saat konnte richtig aufgehen. Und was da anfänglich noch als reines Black Metal-Projekt begann, das könnte zukünftig unter günstigen Gegebenheiten riesengroßen Erfolg in entsprechenden Kreisen verbuchen.

 

Mistur ist laut Bandinfo das isländische Wort für Nebel, was im Englischen bekanntlich mit „Mist“ betitelt ist. „Mist“ gibt es hier jedoch nicht zu hören, sogar das absolute Gegenteil ist der erfreuliche Fall – denn das Trio liefert mit „Skoddefjellet” eindeutig eines der großartigsten Demos seit vielen Jahren ab. Musikalisch erweisen sich Mistur als immens talentierte Songschreiber, die mit einem traumwandlerischen Gespür für verführerische Melodiken ausgestattet sind. Die berauschend schöne Atmosphäre ihrer vier verspielten Kompositionen benebelt die (Hör)Sinne ähnlich, wie die ersten beiden Windir-Alben dies vermochten und noch heute tun. Überhaupt, frühe Windir können ständig als Vergleich herangezogen werden, und das in absolut positivem Sinne.

Bereits mit dem anfänglichen Instrumental-Intro „Sumar“ erschließt sich das hohe Potenzial der drei Norweger: Andächtige und verträumte, sehnsüchtige Akustikgitarrenklänge harmonieren hier einfach fabelhaft miteinander, unterlegt von höchst stimmungsvollen und dabei sehr traurigen Tastentönen.
Dann platzt „Heimferdi“ ins anregende Geschehen und offenbart prachtvoll rasante Gitarrenarbeit, ekstatisches Drumming (zwar von Bakketeig programmiert, aber sehr gut gemacht), ausladend melodischen Keyboard-Reigen sowie erbaulichen Kreischgesang – mitreißend schöne Männerchöre setzen diesem unerhört begeisternden Meisterwerk von einem Song die funkelnde Schaffenskrone auf. Der beinahe siebenminütige Titelsong „Skoddefjellet” schlägt in die gleiche Kerbe. Dramatisch treibendes digitales Schlagwerk geleitet den Hörer durch das herrlich aufbrausend und stellenweise sehr druckvoll inszenierte Kriegerlied. Als sich nach circa dreieinhalb Minuten festliche Tasten-Arrangements einbringen, welche unvermittelt von forschem Saitenspektakel drapiert werden, wird endgültig klar, es hier mit absoluten Meistern ihres Fachs zu tun zu haben. Auch der jeweilige famose Klargesang von Bakketeig und Raunehaug, die in diesem Track erneut im Duett agieren, setzt brillante Akzente.

Mit der vierten und abschließenden Komposition „Natt Ved Kyndilstjern“ geleiten Mistur den Hörer zum Ausklang an der imaginären Hand in einen zauberhaft schönen Sonnenuntergang. Ohne Gesang vorgetragen, enthält auch „Natt Ved Kyndilstjern“ packende Gänsehaut-Melodik allerfeinster Ausführung. Die hier ebenso dunkelromantisch wie melancholisch anmutende Kombination von andachtsvoll inszenierten Klavierklängen samt wunderschöner Synthesizer-Epik und entspannend schleppendem Drumming zieht dabei dermaßen in ihren Bann, dass Zeit und Raum vollkommen irrelevant werden. Einmalig. Tiefgehende Glückseligkeit ist die Folge. Wenn auf dem folgenden Album dieses hohe kompositorische Niveau gehalten werden kann, dann steht eine zeitlose Zauberscheibe an.

 

© Markus Eck

(14.12.2005)