KURGAN
„...And Green Grasses Are Freezing Slowly”
(Gardarika) 8/10
Einen mörderisch schweren Heidenhammer schwingen diese fünf besessenen
Ukrainer hier – gegründet im August 2004, zockten die Beteiligten anfangs
noch ziemlich brutalen Pagan Black Metal, welcher mit der Zeit zum Glück
der Hörer immer melodischere Ausprägungen annahm. Interessant ist
neben der wirklich hervorragend und überlegt gemachten Berserker-Musik
des kruden Quintetts auch der Gruppenname an sich: Ein Kurgan beziehungsweise
Kurgane sind nämlich recht große, aus Erde oder Steinen (nicht selten
auch gemischt) aufgeschüttete kegelförmige Grabhügel, welche
aufgrund ihrer Größe oftmals schon weithin sichtbar sind. Derartige
spezielle Grabanlagen, mitunter auch als „Tumulus“ bezeichnet, wurden ab der
Jungsteinzeit bis in die Zeit der Antike angelegt – an einigen Orten geschah
das sogar bis ins Mittelalter hinein. Kurgane sind in Russland und der Ukraine
recht häufig vorzufinden. Doch auch hier in Deutschland und anderen westeuropäischen
Ländern gibt es zahlreiche dieser Hügelgräber. Die größeren
unter den Kurganen konnten durchaus eine Höhe von über 20 (!) Metern
erreichen.
Ja, und ganz hoch oben thronen auch unsere fünf Helden hier mit ihrem aktuellen tollen Debütalbum, entsprechend der frostig-majestätischen Grundstimmung des Werkes „...And Green Grasses Are Freezing Slowly” betitelt. Passt perfekt, denn die barbarisch kraftvollen Riffs von Kurgan sind kälter als flüssiger Stickstoff. Die brachial, aber präzise aufspielende Horde hat es drauf, definitiv: Sänger Morgan strapaziert seine Stimmbänder in mitreißend rauer Hass-Manier und Bassist Tchernoyar stößt zuweilen auch ebenso wollüstig als auch hörbar gut inspiriert ins Pfeifrohr, um die ruhmreichen Taten der Vorväter zu ehren. Damit es auch an der Takt-Front ordentlich kracht, liefern sich die beiden Gitarristen Corax und D’emoni mit Schlagwerker Svetoyar auf „...And Green Grasses Are Freezing Slowly” haufenweise furiose und rasante Rhythmus-Duelle. Ihren antichristlichen Edelstahl kochen die fünf Kerle also mit blubberndem Herzblut und gigantischer Leidenschaft: So gehört sich das und davon profitieren die zehn enthaltenen Lied-Brecher auch enorm. Immense Härte und grenzenlose Abscheu gegen moderne Perversionen sind Kurgan jedoch nicht alles, so verbaut der Trupp auf dem Album immer mal wieder eher anmutiges beziehungsweise besinnliches Kolorit. Die künstlerische Mischung der inbrünstigen Ukrainer kann mich überzeugen, denn sie wird mit dem Zweck dienlicher Bedacht kreiert. Kurgan, diese überhaupt sehr ehrlich agierenden Epiker, sind in erster Linie ohnehin versierte und hingebungsvolle Techniker sowie merklich bodenständige kompositorische Handwerker – ihr Songmaterial buhlt daher überhaupt nicht mit aufgeblasener Effekthascherei um eure Gunst, sondern weiß allein durch aufrecht zelebrierte Passion und Können zu bestechen. Einmal mehr haben Gardarika Records somit ihr Gespür für anspruchsvolle Klangkunst unter Beweis gestellt. Es ist der erste Juli heute, und es herrscht allerorts Gluthitze – ich aber verspüre hier gerade zum x-ten Male eine anhaltende Gänsehaut: So derart packend und aufwühlend eisig ist diese fesselnd gute Scheibe.
© Markus Eck
(01.07.2008)