HÄIVE
„Mieli Maassa“
(Northern Silence) 8/10
Mit einer harmonischen Kantelen-Saiten-Introduktion voller sehnsüchtiger
Andacht beginnt diese einmalig eigenständige Platte, dann bricht sich auf
„Mieli Maassa“ kerniger und trotzdem feinmelodisch arrangierter Nordic Heathen
Metal brechend Bahn. Überraschung: Häive ist eine so genannte Einmann-Band
– der finnische Multiinstrumentalist Varjosielu macht seine Sache jedoch größtenteils
glänzend. Sechs Tracks sind hier mit drauf, die Gesamtspieldauer des Albums
beträgt knapp 50 Minuten – und die sind erfüllt von höchst abwechslungsreichen
Strukturen und melancholisch-gehässigen Stimmungen nicht selten inniglich-wuchtiger
Anmut. Herrlich! Instrumentell ist der Meister ziemlich versiert, und er hat
seine Naturmystiker-Stücke mit gigantischer Hingabe eingespielt. Doch sportliche
Schnelligkeit und rasante Kürze liegen dem Kerl überhaupt nicht, so
donnern die Stücke auch nicht am Konsumenten vorbei wie ein Intercity Schnellzug
– eher stimmig doomig sind die Kompositionen im Großen und Ganzen ausgerichtet.
Zeitweise angenehm an Amorphis auf „Tales From The Thousand Lakes“ oder auch
Wyrd erinnernd, kann dieser Silberdiskus einer Vielzahl an Nordic Metal-Hörern
unter den Stahlsüchtigen empfohlen werden. Der nicht allzu rabiate Keifgesang
von Varjosielu erinnert in den grimmigsten Momenten hin und wieder gar an ein
lückenlos verdrecktes Stallschwein, das den Dorfmetzger im Hof parken sieht.
Was aber nicht bedeutet, dass dieser fähige Protagonist nicht auch dazu
imstande ist, euch hier mit epischen und heroisch phrasierten Klargesängen
vollkommen zu verzücken. Der Wert dieses Werkes wächst mit jedem Durchlauf,
sodass ich mich von diesem Silberdeckel nie wieder trennen werde. Wahrlich fantastisch
abgerundet wird „Mieli Maassa“ zudem von einem traumhaft schönen Frontcover-Naturfoto,
dessen überwältigende Farbenpracht mich sofort in den Bann zog.
© Markus Eck
(18.03.2008)