FESTUNG NEBELBURG
„Gabreta Hyle“

(Blood Fire Death) 8/10
Im Jahr 2002 begann ein von grüner Leidenschaft beseelter Wald-, Natur- und Ahnenverehrer in seiner malerischen Heimatstadt Regen damit, der ureigenen Vision von martialischen Kämpferklängen adäquate Entsprechung zu verleihen. Der aus dem zauberhaften Region des Bayerischen Waldes stammende Flora- und Fauna-Enthusiast mit Künstlernamen Nattulv favorisierte nachfolgend in einem sich ständig dynamisch entwickelnden Schaffensprozess diverse Elemente aus den Bereichen Viking- und Black Metal sowie atmosphärischer (Neo)Folk-Musik. Die somit entstandene vitalisierend-kraftvolle Schaffens-Symbiose des jungen Forstmannes vereint mittlerweile nach Jahren der Selbstfindung primär höchst zackig getaktete und simultan markant-eingängige Fragmente genannter Stilistiken. Somit bietet dieser vor musikalischer Inniglichkeit schier nur so strotzende Untergrund-Tonträger zahlreiche mitreißende Rhythmus-Passagen, welche zudem mit dem nötigen Maß an Abwechslungs- und Variantenreichtum zelebriert werden. Betont hymnisch und episch präsentiert Nattulv hiermit sein erstes Kreativpostulat, welches zuvor noch als Demonstrationstonträger mit hintergründigem Debütalbum-Charakter angedacht war. Hier liegt diese feine Scheibe nun erneut vor, diesmal als grafisch sehr professionell aufgemachtes Produkt von einem Tonträgerverlag auf den Markt gebracht.

 

Oftmals mit inbrünstig heroischen Klargesängen arbeitet dieser spürbar leidenschaftlich agierende Verfechter alter Werte. Für einen schöpferischen Erstschlag mutet „Gabreta Hyle“ daher schon beachtlich ausgereift an. Doch bestmöglich durchdachte Reife bedeutet im spielfreudigen Falle von Festung Nebelburg glücklicher Weise keinesfalls am Genre-Reißbrett konstruierte, glatt auspolierte und am Ende kantenlose Heidenkunst. So kann der Hörer dieser von rebellischer Wildheit so sehr erfüllten Scheibe sich vordergründig an der rauen Schönheit der enthaltenen Kompositionen laben. Aussagekräftige Liedertitel wie „Gabreta Hyle“, „Die goldenen Fische vom Arbersee“, „Die wilde Jagd im Waldmann“, „Die Sage von Burg Weißenstein“ oder auch „Als die Pest ins Waldland kam“ veranschaulichen die lyrischen Intentionen des tiefsinnigen Urhebers entsprechend. Nattulv erweist sich in diesem Zuge nicht nur als versierter Ahnenmetall-Schmied - er besingt auch alteuropäische Traditionen und bayerische Sagen gleichermaßen wie eigene Huldigungen an die bewegte Historie seiner Umgebung mit aller Hingabe.

 

Nordische beziehungsweise skandinavische Einflüsse - durch medial leider überrepräsentierte Erfolgsmodelle - sind in dieser Art von Musik die letzten Jahre recht schick geworden. Nattulv hingegen lässt solcherlei Vorgaben hier bewusst weitgehend außen vor - der relevante Faktor Eigenständigkeit ist daher auf dem Album löblich vorhanden. Die ereignisreiche Gesamtspielzeit von „Gabreta Hyle“ beträgt circa 50 Minuten, in denen der Macher auch mit rezitativen Passagen arbeitet - welche jedoch nicht minder spannend beziehungsweise lohnend anmuten als das sonstige frenetische Klangfest ungestümer Kriegertakte. Selbst vor bewegungsfreudigen rockigen Anteilen scheut sich unser bajuwarischer Held nicht, diese verbaut er zielsicher und auffallend homogen in seine Kreationen. Fest steht auch: Hier wird mit großer Überzeugung musiziert, was dauerhafter Garant für zahllose überraschend authentische wie auch ehrlich-emotionale Hörmomente ist. Ich drückte aufgrund der jederzeit spürbaren Passion dieses für seine Sache durch und durch begeisterten Bierbruders schon damals beim Demo die Daumen für einen baldigen Plattenvertrag, welcher „Grabreta Hyle“ einem breiteren Auditorium zugänglich macht. Nun ist es soweit. Und verdient hat es dieser Diskus allemal - allein schon aufgrund der völlig individuell gehaltenen, eigenwilligen Stilistik, welche sich auch derzeit wohl mit nichts Anderem vergleichen lässt. Kontakt: www.festungnebelburg.de

 

© Markus Eck

(13.04.2007)