ELIVAGAR
„Heirs Of The Ancient Tales“
(Trollzorn) 8/10
Aus Schaumburg kommen diese seit 2005 aktiven und hochepisch veranlagten Todesdiener.
Ja, und Schaum vorm Maul dürften nicht wenige Anhänger betont erdiger
Viking Folk Death Metal-Attacken beim Lauschen des aktuellen Studioalbums „Heirs
Of The Ancient Tales“ haben. Denn ihren ausgeprägten Hang zu träumerisch
verspielten Folklore-Klängen leben die eigenständigen Elivagar hier
voll und ganz mit aus – womit sie ihre gigantischen Hagelstürme an oberbrachial
aufknallenden Todesblei-Brocken hervorragend zu kontrastieren wissen. Der wirklich
hoch spannend inszenierten stilistischen Elivagar-Mischung wohnt ein ständiger
Kampf inne – ein Kampf der (gestalterischen) Elemente, welchen am Ende nur einer
gewinnt, und das ist der Hörer selbst! Denn das Album bietet eine breite
Vielzahl an belebenden Momenten künstlerisch zutiefst ambitionierter Wildheit.
Gesanglich werden Textpassagen heldenhaft umgesetzter Herzenslust entweder unermesslich
tief abgegrollt oder abartig spitzzüngig rausgekreischt – neben bisweilen
recht andächtigen Klar- und Weibergesängen. Langweilig wird hier also
niemandem. Sich nach dieser löblichen Tatsache noch Gedanken über
die Entschlossenheit und die Selbsttreue der Band zu machen, wäre sinnloser,
als von der globalen Macht-Institution namens Kirche zu verlangen, sie möge
ihr gigantisches Vatikanvermögen endlich an die Armen der Welt herausgeben,
anstatt immer wieder global um Spenden zu betteln. Überhaupt, „Heirs Of
The Ancient Tales“ ist spritzig herunter gedroschenes Notenfeuerwerk der vollauf
überlegten Sonderklasse, hier wurde nichts dem Zufall überlassen.
So ist der immense Einfallsreichtum, mit dem die Beteiligten hier herangehen,
von erfrischender Andersartigkeit. Jede Komposition wurde mit einer prägnant-klanglichen
Reihe an Tonfolgen aufgepeppt, an der man ihn bereits nach einigen Hördurchläufen
wieder erkennt. Elivagar enttäuschen wie zu erwarten keinen ihrer bisherigen
Anhänger: Die Gitarren riffen sich in ekstatischer Spiellaune schier die
Saiten vom Brett, und der Schlagzeuger, ein echter Könner, verschleißt
im Hochgeschwindigkeitsrausch erneut ein Trommelfell nach dem anderen. Alptraumhaft
grobe Gesangsorgien eines echten Stimmband-Berserkers tun ein Übriges,
um den entfesselten Rhythmusattacken der Scheibe knallhart ihren verbalen Stempel
aufzudrücken. Und letztlich beim Anblick des oberguten Front-Covers läuft
dir nicht mehr nur Schaum, sondern glatt der Geifer aus den Lefzen – so dass
man wirklich Obacht geben muss, dass keiner auf der dadurch entstandenen Pfütze
vor deinen Kackstelzen ausrutscht.
© Markus Eck
(23.01.2008)