DYRATHOR
„Memories In Frost“

(Self-financed) 7/10
Belebend, erfrischend und vor allem unverbraucht und mordsdynamisch – und daher letztlich erbaulich abwechslungsreich gestalteten diese jungen Westfalen (Durchschnittsalter: 17 Jahre!) ihren Pagan Black Metal. Und dabei legen die hörbar hungrigen Kerle eine signifikant anmutende Selbstwertgefühl-Aura an den Tag, die man selbst von doppelt so alten Musikern nicht sehr oft vernimmt. Der Bandname entstammt altgermanischer Mythologie: Es ist der Name eines der vier Hirsche, die an der Weltenesche äsen. Gegründet wurde der ungestüm aufspielende Trupp Mitte des Jahres 2006. Sie selbst umschreiben ihre hier vorliegenden Kreationen als „Northern Storm Metal“, ja, hatten wir so auch noch nicht. Enthalten sind auf dem in Eigenregie auf die strammen Heidenbeine gestellten Demonstrationstonträger „Memories In Frost“ fünf Kompositionen (inklusive obligatorischer Introduktion), welche eine Gesamtspieldauer von knapp über 22 Min. für sich einnehmen. Limitiert ist der Donnerdiskus auf gerade mal 50 Stück. Erfreulich auffallend in der ohnehin recht bewegungsfreudigen Epiker-Musik des entschlossen wirkenden Nachwuchs-Sextetts ist die aufbrausend umgesetzte Einbringung von frenetischem Geigenspiel, bestens zu hören im Lied „Im Auge des Sturms“. Geigenspiel also, welches perfekt zur gebotenen harschen und doch so vollmelodischen Stilistik des genussvoll begeistert musizierenden Westfalen-Sechsers passt. Gleiches gilt für das involvierte Stromklavier, und glücklicherweise überfrachten Dyrathor ihre Lieder nicht damit, was die Songs selbst denn auch keinerlei Einbußen in Sachen kämpferische Grimmigkeit erleiden lässt.

 

Der Dyrathor-Stil selbst kreuzt die raue und bissige Klangwucht und Attitüde des Pagan Black Metal mit ohrenfreundlich hymnischen Viking Metal-Passagen und agil beschwingten Folk Metal-Querverweisen. Und dabei gehen diese sechs Spielfreudigen teils mit ansteckend rasanten Songstrukturen und prächtig hernieder prasselnden Rhythmusattacken zu Werke – die lassen es sogar richtig krachen! Gesanglich bietet Hauptvokalist Morguul ein Phrasierungs-Spektrum auf, welches boshaft-gehässiges Black Metal-Gekeife, dumpfes Grollen und aggressives Geschrei umfasst; gesanglich ergänzend wirken Drummer Thurin und Gitarrist Skrall, Letzterer sogar mit klar klingenden Kehlenlinien. Selbst kleinere Choräle werden hierauf zuweilen betont stimmig und voller Inbrunst angeschlagen. Überhaupt, schon seit Längerem habe ich von einer einheimischen Pagan Black Metal-Horde nicht mehr solch’ derart enthusiastisch herausgeschleudertes Material vernommen – Dyrathor aber geben auf „Memories In Frost“ alles, was sie (drauf)haben! Besungen werden die enthaltenen hörenswerten Kompositionen entgegen dem englischen Plattentitel mit deutschen Lyriken. Ingesamt also eine gute Mischung; kann mich überzeugen.

 

© Markus Eck

(11.04.2008)