ANGMAR
„Metamorphosis“
(Northern Silence) 7/10
Ihren zwei Demos (2003 und 2005; davon ist Letzteres ein Re-release des ersten) lassen diese drei aus der Normandie stammenden Dunkelseelen nun das Debütalbum folgen. Eine finnische Horde gleichen Namens veröffentlichte 2003 einen hierzulande recht raren Langspieler mit dem „schnittigen“ Titel „Razorblade Redemption“. Während die blutgierigen Finnen jedoch ultraschnellen Black Death Thrash Metal zelebrierten, bietet die französische Version eher melodisches Schwarzmetall von vordergründig verzweifelter Erscheinung. Die Bandgründung der französischen ANGMAR ist auf das Jahr 2002 datiert, und wie man auf dem aktuellen Opus hört, wurde der gemeinsame Übungskeller seither nicht gerade selten aufgesucht. Wohl eher im ganz im Gegenteil. Denn instrumentell haben die drei Mitglieder Fog, Welkin und Hemreich schon einiges auf der Tasche. Merklich bestens aufeinander eingespielt, bilden sie eine beinahe perfekte musikalische Einheit. Und auch auf kompositorischem Terrain bewegen sie sich zielsicher und wissend um die eigenen Fähigkeiten. Die enthaltenen neun Tracks sind eigentlich im stilistischen Sinne typisch französischer Herkunft, allerdings mit latent vorhandenem skandinavischen Einschlag. Mir gefällt ganz besonders, wie sich die Jungs in den zahlreichen rasenden Uptempo-Passagen der Scheibe nach außen hin öffnen, was ihre spielerischen Leidenschaften angeht. Wirkt richtig ansteckend, die Sache. Überwiegend kann das Songmaterial Hörgenuss erzeugen, von wenigen missglückten Parts abgesehen. Wie gesagt, von wenigen. Stimmige Tastenklänge sind zwar vorhanden, wohldosiert selten, diese fallen aber eigentlich gar nicht ins Gewicht – diese Unterrepräsentation mag, je nach Geschmack, positiv oder negativ ausgelegt werden. Vielen der hier gebotenen Kompositionen ist zudem ein Hauch tiefschwarzer Romantik und Sehnsucht zueigen, dem man jedoch nur dann teilhaftig wird, wenn man ganz genau hinhört. Der hörbar beabsichtigt ruppige Sound dieser Veröffentlichung huldigt den einstigen Idealen des Schwarzmetall-Untergrunds in ergebenster Weise, soll heißen, „Metamorphosis“ ist absolut nichts für Klangfanatiker, die es gern klar und transparent besorgt bekommen wollen. Wer aber rauen, melodischen und emotional sehr intensiven Black Metal über alles liebt und dabei primär auf Authentizität, Stimmung und Atmosphäre Wert legt, sollte hier auf jeden Fall mal intensiv reinhören.

 

Markus Eck