A TORTURED SOUL
„Kiss Of The Thorn“

(Eyes Like Snow) 8/10
Dieses musikalisch enorm befähigte US-Quintett aus Milwaukee zelebriert eine edle Kunst, welche sowohl handwerklich als auch technisch nicht mehr von vielen derart gut beherrscht wird: 80er Heavy Metal. Kraftvoll, beseelt, dynamisch und wollüstig vollmelodisch. Gegründet im Jahr 2000 von Sänger Rick Black sowie den beiden Gitarristen Stefan Bohl und Nate Gorenc, stellt das vorliegende Debütalbum „Kiss Of The Thorn“ nun den ersten breitenträchtigen Rundumschlag der fünf Amerikaner dar. Gleich vorweg: Diese zeitlos reizvolle Schwermetallscheibe ist ein begeisternd wohlgeformter Stahlhammer, in der noblen Tradition von guten alten US-Metal Helden wie beispielsweise Malice, Omen, Damien Thorne, Iced Earth, Jag Panzer und frühen Vicious Rumors. So schnell wie Letztere sind A Tortured Soul hier allerdings nicht unterwegs. Ihr kerniges Repertoire besteht eher überwiegend aus betont dynamischen Midtempo-Nummern sowie markanten Stampfer-Rhythmen. Rick Black sieht seinem Namen entsprechend auch ständig schwarz, so intoniert der Mann mit herrlich klagenden, sirenenartigen Gesangslinien scheinbar ständig hysterisch den Weltuntergang. Klasse! King Diamond-Hasser werden auch ihn beziehungsweise seinen verbalen Gänsehautbringer-Vortrag verabscheuen, doch bei mir stößt Falsett-Fachmann Black damit auf absolutes Wohlwollen. Doch dieser bemerkenswert wandelbare Stimmbandakrobat hat gleich eine ganze Latte an Oktaven drauf, was einer Vielzahl von fesselnden Stimmungen in genussvoller Prägnanz nachhaltig wirkende Geltung verleihen kann. Einen Großteil seines Reizes bezieht dieses famose Ausnahmealbum nicht zuletzt durch die vielen flüssig treibenden Gitarren-Galoppe, welche hervorragend homogen zum liebevoll ausgefeilten Drumming von Stockschwinger Eric Gnant in Szene gesetzt werden.

 

© Markus Eck

(20.11.2007)