TROLLECH

„Synové Lesu”

(Eclipse) 9/10

Auf ihrem zweiten Album „Synové Lesu” zeigen sich Trollech musikalisch deutlich gesteigert gegenüber ihrem damals schon sehr positiv aufgenommenen Debüt. Der neue Albumtitel bedeutet übersetzt „Der Sohn der Wälder“ – und kann hier auch als Programm verstanden werden. Die erzürnte Musik der drei Tschechen-Krieger, wahnwitzig rauer und sehr melodischer Troll Pagan Black Metal, stellt eine einzige hingebungsvoll in tschechischer Heimatsprache gekreischte Hommage an die faszinierende Naturmystik mitternächtlicher, von Moos bewachsener Waldplätze dar, auf denen sich schon unsere unerschrockenen Vorfahren zu rituellen Kultakten trafen. Um (in ihren Augen) mächtigen Göttern zu huldigen und um spirituelle Kraft für bevorstehende Kampfzüge zu erlangen. Bedeutungsvolle Tieropfer waren da natürlich keine Seltenheit, wie man weiß. Ein solches wird auch auf „Synové Lesu” dargebracht: Das „unschuldige“ Lamm Gottes nämlich wird mit tausend Klingen (schneidenden Gitarrenriffs) mit aller Häme zerfetzt, dass das noch warme Tierblut nur so in die Gesichter der drei musizierenden Akteure spritzt.

 

Gitarrist Johannes, Basser, Gitarrist, Vokalist und Maultrommelspieler Asura Godwar, Gorgons Ray sowie Gitarrist, Basser, Sänger und Drum-Programmierer Lord Morbivod machen ihre edle Sache mit schier endloser Leidenschaft, das ist sehr deutlich zu hören. Die neun mitreißenden Brecher auf „Synové Lesu” zeichnen sich diesmal vor allem durch differenziertere Tempowechsel, höchst interessante Songstrukturen und einen vor allem an reiner Ursprünglichkeit nicht mehr zu steigernden barbarischen Gesamtsound aus, der den neun Songs die Kraft hunderter hernieder sausender wuchtiger Streitäxte verleihen kann. Die Wirkung ist frappierend – selten konnte eine CD dieser Richtung die heidnischen Sinne schneller zum Entflammen bringen. Trollech´s erhabene und majestätische Oden an die Vergangenheit sind in etwa vergleichbar mit denen früher Kampfar und Forgotten Woods. Schnell entheben sie einen der Gegenwart und man befindet sich in grauer Vorzeit – einer noch immer sehr rätselhaften Ära der Menschheit. Einem Zeitalter, in welchem Ehre, Mut, Aufrichtigkeit, Stolz und völkische Verbundenheit sowie Naturliebe noch etwas galten. Es gab da halt eben noch kein Geld.

 

© Markus Eck

(21.04.2002)