
| Band: | VRANI VOLOSA |
| Titel: | Where The Heart Burns |
| Genre: | Pagan Black Metal |
| Label: | Corvus |
| Format: | Album CD |
| Punkte: | 10 / 10 |
Ein absolut fantastischer Pagan Black Metal-Diskus liegt mit diesem erhabenen und berauschend epischen Hammerwerk vor. Vrani Volosa ist ein im Jahr 2003 gegründetes Dramatiker-Trio. Hristo, Alexander und Atanas, die drei Urheber, sowie die mitwirkenden Gastmusikanten stammen aus Bulgarien. Und genauso unkonventionell wie ihre Herkunft wohl hierzulande anmutet, so klingt auch ihre stark kriegerische Schwertermusik: Erfüllt von Stolz, Weisheit und Sehnsucht nach den uralten Zeiten. Vrani Volosa stammt aus dem Alt-Slawischen und bedeutet ins Deutsche übersetzt soviel wie „Schwarzes Haar“. Mich rief der gleichfalls aussagekräftige wie auch emotional angelegte Albumtitel „Where The Heart Burns“ sofort auf den Plan, und das zu Hörende bestätigt nun meine hoffnungsvollen Vorahnungen mehr als vollauf. Vier überaus qualitative Kompositionen sind auf dem wie selten empfehlenswerten Langspieler zu genießen, „Sorrow“, „Remember“, „Where The Heart Burns” und „Wreck” betitelt.
Die Gesamtspieldauer der fesselnd-hypnotischen Heidenscheibe mit dem betörend wuchtigen Stromgitarrensound und den mordspfundigen Trommelstakkati beträgt knapp 40 Minuten. Und in diesen 40 Minuten zelebrieren die beteiligten Bulgaren ihre hochatmosphärische Klangkunst mit allem Können und riesengroßer Beflissenheit. Davon überzeugt sogleich der kernig-kantig klingende Opener „Sorrow“ ausreichend. Und bereits nach relativ kurzen Hörmomenten kann man sich als ernsthafter und dauerhaft ambitionierter Pagan Metal-Anhänger sicher sein, hiermit Hochkarätiges für sich entdeckt zu haben. Das brillante Musikstück beginnt mit ziemlich zügigen Takten, die gekonnt von gemächlicherer Gangart ausbalanciert werden – Vrani Volosa sind darin nämlich sowieso wahre Großmeister, wenn es um ästhetische und ausgewogene Rhythmisierungen geht. Und schmissig-heldenhafte Atmosphären.
Wen also das Sieger-Debütalbum von Ulvhedin die Sinne ebenso benebelt hat wir mir, der erfährt auch auf „Where The Heart Burns“ mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zahlreiche akustische Wonnen. Was die überwiegende machtvolle Anmut der betont beschwörenden und stellenweise dezent progressiven Songs von Vrani Volosa betrifft, so weisen diese an manchen Spielstellen eine verblüffende Affinität zu den neueren Kreationen der Norweger Enslaved auf – allerdings ohne jeden diffusen Psychedelic-Touch, dafür um einiges rauer und ursprünglicher. Immer wieder baut diese geschickt werkende Gesandtschaft also auffallend schleppende und verdammt stimmige Rhythmus-Kriecher ein, welche mitunter beinahe an tonnenschweren Doom Metal erinnern.
Da aber auch dabei mit vollstem Melodiebewusstsein agiert wird, finden Einschätzungen wie Langatmigkeit oder Gleichförmigkeit keinerlei Zugang zum wahrlich superben Material der begnadeten Bulgaren. Der vierte Track „Wreck” ertönt dann wieder überraschend rasant instrumentiert – hier hört man berauschend schöne Klargesänge, anmutig und andächtig phrasiert, eben erfüllt von „brennendem Herzen“ und nach kurzer Zeit assistiert von erzgrimmig ausgespieenen Grimm-Vokalisierungen. Das nachfolgende kurze Gitarrensolo nach ein wenig mehr als drei Minuten ist dermaßen schön geworden, dass es eigentlich fast nicht zu glauben ist. Ihm folgt heroischer männlicher Duettgesang von geradezu vollständig verzehrender Inbrunst. Als das Lied schließlich zu Ende ist, bleibt bei mir ein ebenso faszinierter wie hoch erfreuter Eindruck zurück.
Das sehr geschmackvoll gestaltete Digipak kommt mit einem herrlichen gemalten Frontcover daher, enthalten ist darin auch ein Mini-Booklet in Klappkarten-Ausführung, englische Songtexte sind für drei Tracks abgedruckt, der Titeltrack hingegen ist mit bulgarischer Lyrik aufgeführt. Ich behaupte: Was Vrani Volosa mit „Where The Heart Burns“ erschaffen haben, ist gleichermaßen federnde kompositorische Leichtigkeit, edelstählerne Rhythmik wie untadelige instrumentelle als auch vokalistische Intonation.
Diese formidable Ausnahme-Veröffentlichung, ich kann sie wirklich stundenlang am Stück ohne jedwede Genuss-Einbußen anhören, ist eine einzige hingebungsvolle Liebeserklärung an ewig wahre und zeitlos edle Werte der naturverbundenen Ahnen. An unsere Vorväter also, denen ideelle und spirituelle Belange weitaus wichtiger waren als jedwede monetäre Gier. Auserwählte Metier-Elitegruppen wie Vrani Volosa lassen die heidnische Vergangenheit so dermaßen lebendig vor dem geistigen Auge werden, als würde man sich mitten darin befinden. Dieses beachtliche Verdienst bedeutet hier die Höchstpunktzahl, und nichts weniger.
© Markus Eck, 20.07.2006
[ zur Übersicht ]
Arte Metal
Heavy Metal Tribune
Metalhead
Metal Samsara
Apochs