Band: LOST LEGACY
Titel: Gates Of Wrath
Genre: Viking Metal
Label: CCP
Format: Album CD
Punkte: 6 / 10

Diese bayerischen Newcomer haben nun also ihr Debütalbum eingespielt. Entstanden ist dabei in Form von „Gates Of Wrath“ ein emotional außergewöhnlich expressives und auch bewusst interpretatorisches Hörerlebnis, welches den anvisierten stilistischen Vorgaben regelrecht ergeben huldigt. Ein musikalisch sehr lebendiges Zornmetallwerk also, welches seine eindringlich metiertreue Anmut gleichermaßen aus erzgrimmigen Viking-, schöngeistigen Black- und melodischen Epic Metal-Anleihen bezieht. Selbst thrashige Momente sind hier mit an Bord, innerhalb derer mit betont zackigen Hauruck-Rhythmen getrommelt wird. Die mitunter stark nordisch akzentuierte Gitarrenarbeit dröhnt dabei meist so aufgebracht röhrend wie ein hochbrunftiger Elchbulle im haltlosen Fortpflanzungsrausch. Das spürbar ambitionierte Quartett mischt dazu kilometerweit ausladende Keyboardteppiche und mordsbissige Krieger-Angriffsgesänge.

Mit ihren gleichfalls opulenten als auch hin und wieder hymnischen Tasten-Partituren erinnern mich Lost Legacy nicht wenig an ganz frühe Thyrfing, was absolut positiv zu werten ist. Gerade auf gesanglicher Ebene spielt Tieftoner und Grollbarde Saroel auf „Gates Of Wrath“ seine oralen Trümpfe gekonnt aus. Und sein Vortrag klingt echt oftmals wie in den guten alten Zeiten, als solcherlei rigide Waffenrock-Mucke noch nicht von so vielen Horden wie heute gezockt wurde. Dermaßen verkommen, gehässig und räudig vokalisiert, haben die gezielt epischen Kompositionen der Scheibe eben dennoch eine betont raue Klangnote inne.

Obwohl es also überwiegend herzlich hart hergeht, sind die stets inbrünstig agierenden Musikanten beileibe nicht allein auf dumpfe Aggressionsdarstellung fixiert, wie sich auf „Gates Of Wrath“ eins ums andere Mal eindeutig herausstellt. Was ihre Melodien anbelangt, die haben Lost Legacy mit viel Mühe ausgearbeitet. Beim nächsten Album des Quartetts wünsche ich mir aber noch um einiges mehr eingängige und markante Höhepunkte, wie dies hier mit dem prächtigen Titelsong „Lost Legacy“ der erfreuliche Fall ist. Denn ich kann und will es nicht verschweigen, es finden sich auch viele eher langatmige Passagen auf diesem erbaulich beherzt gemachten Silberteller. Von einem Underground-Debütalbum wie diesem sollte man also noch keine absolute Perfektion erwarten. Denn die wird hier ohnehin auch noch nicht geboten, vor allem nicht innerhalb der rezitativen Stellen, welche mir leider nicht wenig der ansonsten auf mentaler Ebene recht ergiebigen Atmosphären schmälern.

Während viele ihrer Kollegen jüngst auf deutsche Texte setzen, dient dem jungen bajuwarischen Vierer als lyrisches Gerüst eine detailliert ausgearbeitete Fantasy-Geschichte, welche auch vollständig im CD-Begleit-Büchlein nachzulesen ist. Wenn die Kerle ihre vorhandenen Stärken entsprechend hartnäckig verfolgen und intensivieren, dann sind sie meiner Meinung nach durchaus imstande, mit dem hoffentlich nachfolgenden Album eine prächtige Platte aus ihrem kreativen Feuer heraus zu schmieden.

© Markus Eck, 14.11.2006

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