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Band: COLDUN
Titel: Collapsing Polarities
Genre: Atmospheric Epic Metal
Label: Northern Silence
Format: Album CD
Punkte: 8 / 10


Einer der zweifellos begabtesten und eindeutig fähigsten Metal-Sänger aus deutschen Landen meldete sich kürzlich musikalisch bei mir zurück. Ich bin nicht nur sinnbildlich gerne zu einer herzlichen Umarmung bereit.

Denn die großartigen Stimmungen seiner neuen Lieder gehen mir immer wieder bis ins tiefste Innerste, worin sie sich wohlig wärmend nach allen Wesensseiten ausbreiten. Das gesamte Digipak-Grafikdesign der Veröffentlichung zeugt von Bildung sowie Geschmack und zählt meines Erachtens nach zum Niveauvollsten, was der Schwermetallbereich kennt. Ein viel versprechender Einstieg, den die Klasse des famosen Coldun-Sounds im Weiteren mühelos bestätigen kann.

„Collapsing Polarities“, der aktuelle Nachfolger zum 2007er Überraschungsdebüt „Necessariis? Dubiis? Caritas?” stellt das zweite Album in der noch relativ jungen Historie von Coldun dar. Die Gründung erfolgte als Einmannprojekt im Jahr 2006, unterstützt von Sessionklampfer Maik „Gilbert“ Richter.

Weiter zurück reicht die Mitwirkung von Hauptprotagonist Coldun, als er noch unter dem Pseudonym ,Ecthelion‘ mit der Pagan Black Metal-Truppe Andras für allerlei gesangliche Gänsehautmomente bei mir sorgte. Einige werden den Mann auch von der Gruppe Isenburg kennen, hierauf konzentriert er sich fokussierter denn ja auf die ästhetischen und feinklanglichen Aspekte seiner genialen Stimme. Auf der neuen Platte gibt der singende Multiinstrumentalist, Komponist und Lyriker viel aus dem tiefsten Inneren seiner Seele preis, was einzig richtig erscheint.

Die sechs Kompositionen, allesamt von hoher dramaturgischer Komprimierung, erreichen eine Gesamtspieldauer von knapp 40 Minuten. Erfreulich registriere ich eine umfassend prägnante Weiterentwicklung bei Coldun, und die bringt auf „Collapsing Polarities“ auch Einflüsse aus den Bereichen Progressive- und Psychedelic Rock mit sich. Mit ergiebig sensibler Behutsamkeit wird auf dem Album inniglich, entschlossen und bis ins Letzte beseelt musiziert. Und dabei wird dermaßen begeistend beschwörend vokalisiert, dass es die Sinne letztlich wahrhaft in eine andere, eine angenehmere Welt entführt. Denn Kehlenkaiser Coldun facettiert seinen ohnehin wonnigen Edelvortrag mit vielfältig vibrierenden Nuancen.

Wunderbare (Ambient)Anklänge an Pink Floyd tauchen immer wieder in glänzend erstrahlenden Spektren aus den atmosphärisch stark angereicherten Metal-Epen auf. Wer auf gezielt zweckdienlich eingebaute Akustikgitarren-Intermezzi steht, der wird auf „Collapsing Polarities“ immer wieder optimal balladesk bedient. Die differenzierte Gitarrenkunst des sächsischen Gänsehautmeisters vereint auf phänomenale Weise gänzlich unverdorbenes Gefühl und umfangreiches Können in sich. Die so entstehende Symbiose lässt saitentechnisch weitgehend Großartiges entstehen.

Dezent doomig angehaucht und melodisch vollauf griffig sind die allesamt über fünf Minuten langen Stücke, drei der Nummern überschreiten sogar die Siebenminutengrenze. Oftmals lässt Coldun es so mutig visionär, so erhaben majestätisch und so inspirierend weitblickend angehen, dass es die Gegenwart vollkommen belanglos machen kann, wenn man sich nur entsprechend gehen lässt. Bin dabei.

© Markus Eck, 10.04.2014

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Rating scale:
10 - Timeless perfection.
9 - Impressing awesomeness.
8 - Great performance.
7 - Solid stability.
6 - Decent try.
5 - Uninspiring mediocrity.
4 - Failed presentation.
3 - Insubordinate badness.
2 - Terrible impertinence.
1 - Superfluous futility.
0 - Painful ear-torture.

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