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Interview: WOLFCHANT
Titel: Heroische Heidenhärte

Dem erzgrünen Herzen des Bayerischen Waldes entstammt diese zu berechtigt großen Hoffnungen Anlass gebende Epic Pagan Metal-Mannschaft, in deren kreativer Brust wiederum ein pechschwarzes Herz hörbar laut schlägt.

Gegründet wurde diese sehr auf Melodien bedachte Forst-Truppe von ergebenen Wolfsjüngern im August 2003.

Was damals anfänglich noch als ruppiger Viking Death Metal mit dezenten Einflüssen von Dunkel- und Kraftstahl begann, entwickelte sich mit der Zeit mittels ungezwungen intuitiver Manier hin zur heutigen musikalischen Reinform von Wolfchant.

Allerlei Überlieferungen und Sagen aus der nordischen Mythologie stellen das textliche Fundament des außerordentlich spielfreudigen Quintetts dar. Nach der selbst produzierten 2004er Demo-CD „The Fangs Of The Southern Death“ und dem kurze Zeit später fix heraus gebolzten Minialbum „The Herjan Trilogy“ attackieren die fünf beflissenen Niederbayern die Ohren der Pagan Metal-Anhänger nun mit ihrem Debüt-Konzeptalbum „Bloody Tales Of Disgraced Lands“.

Sänger Lokhi ist derzeit, wie der Rest seiner – die Natur über alles liebenden – Horde, bei bestem Befinden, wie er vorgibt.

„Wir sind alle schon lange befreundet und außerdem sind ja zwei Brüderpaare als Musiker unter uns. Daher ist die Bandchemie bei uns wie immer hervorragend und wir haben immer eine Menge Spaß bei dem, was wir da veranstalten.“

Wenn man mitten im Bayerischen Wald aufwächst, wird man wohl zwangsläufig von der unmittelbaren Umgebung beeinflusst.

Lokhi stimmt mir in diesem Punkt gerne zu.

„Die Natur ist zweifellos ein sehr wichtiger Faktor bei Wolfchant. Aus diesem Grund haben wir auch immer wieder verschiedene Geräuschkulissen und Samples, beispielsweise das Rauschen eines Baches oder Vogelgezwitscher usw. aufgenommen und in die einzelnen Songs mit einfließen lassen. Somit haben wir eine für unsere Heimat typische Atmosphäre mit in unsere Lieder eingebracht.“

Wolfchant hoffen aktuell laut eigenem Bekunden darauf, dass möglichst viele Pagan und Viking Metal-Fans an ihrer neuen CD Gefallen finden werden. „Aber auch die Black- und Death Metal-Fraktion kann bei unserer Musik auf Ihre Kosten kommen. Eigentlich kann jeder, der auf epische Klänge steht, ein Ohr bei „Bloody Tales Of Disgraced Lands“ riskieren.“

Die Erfahrungen der Band mit Musikmedien sowie Fan- und Webzines waren bislang sehr unterschiedlich, wie von dem Frontmann in Erfahrung zu bringen ist.

„Natürlich gibt es überall schwarze Schafe, doch war der Großteil der Kontakte eigentlich immer positiv. Wir mussten aber trotzdem feststellen, dass ein paar Webzine-Betreiber ihre Seiten offensichtlich eher zur Selbstdarstellung benutzen als intensiv auf die Bands einzugehen.“

Wolfchant fühlen sich als ein Teil ihrer musikalischen Szene und sind dort auch recht gut aufgehoben, befindet der Sänger.

„Gerade in dieser Szene stehen die Leute hinter ihrer Musik und ihrer Einstellung. Man lässt sich nicht von jeder Kommerzkacke beeinflussen und Freundschaft wird noch groß geschrieben. Leider hat die extreme Prägung vereinzelter Personen in der Szene dieselbe teilweise in ein schlechtes Licht gerückt – so wird man nicht selten schnell mal als Nazi abgestempelt, nur weil man einen Thorhammer um den Hals trägt.“

„Bloody Tales Of Disgraced Lands“ ist wie zuvor bereits erwähnt ein Konzeptalbum.

Es beinhaltet die fiktive Geschichte über ein friedlich lebendes Volk und seinen heidnischen Glauben, weswegen es über Nacht vom Nachbarsland überfallen und über Jahre hinweg grausam unterdrückt wird.

Lokhi entspricht der Bitte ohne zu zögern und geht diesbezüglich in die Tiefe. „Nach einigen Jahren der Flucht beginnt eine kleine Gruppe von Widerstandskämpfern gegen die übermächtigen Besatzer, den `Clan Of Cross`, zu rebellieren, um ihr Land und die Freiheit zurück zu gewinnen. In diese Geschichte haben wir immer wieder auch aktuelle Thematiken mit einfließen lassen. Das Hauptthema ist sicherlich der Glaubenskonflikt, der ja wie bekannt auch heute noch viele Menschenleben einfordert. Da wir aber grundsätzlich fröhliche Gesellen sind, spielen auch diverse Feierlichkeiten sowie der Verzehr von Bier und Met eine große Rolle neben den ganzen Schlachten in unseren Songtexten. Die 13 Tracks auf der neuen CD stellen jeweils eine wichtige Station unserer Helden dar.“

So haben Wolfchant bewusst darauf geachtet, dass die Melodien und Abläufe der einzelnen Songs der Stimmung der jeweiligen Situation gerecht werden.

Und gerade deswegen, so der Schreihals weiter, ist „Bloody Tales Of Disgraced Lands“ letztlich ein sehr abwechslungsreiches Album geworden.

„So ist natürlich von epischen Schlachthymnen bis zu fröhlichen Trinkliedern alles mit dabei. Die ganze Konzept-Geschichte werden wir noch auf unserer Homepage www.wolfchant-metal.com veröffentlichen. Hier aber ein paar kurze Erläuterungen: „Bloody Tale“: Das Intro; „Clan Of Cross“: Das Lied handelt vom Überfall auf die friedliebenden Old Fields und der Flucht einiger Männer, Frauen und Kinder in die Berge; „I Am War“: Aahr, ein alter Heerführer und sein Sohn Ragnar überzeugen die in die Berge zurückgezogenen Männer und Frauen sich gegen den Clan zu erheben; „Mourning Red“: Die erste große Schlacht wird erfolgreich geschlagen; „Of Honour And Pride“: Der Sieg wird mit einem Fest zu Ehren Odins und mit reichlich Bier und Met gefeiert; „Ride To Ruhn“: Ragnar reitet nach Ruhn, der Hauptstadt der Old Fields um auch dort den Widerstand zu organisieren; „The Betrayal“: Ragnar wird von seinem besten Freund verraten und vom Clan gefangen genommen; „Sacrifice“: Ragnar opfert sich um nicht als Pfand gegen seinen Vater verwendet zu werden; „Blood For Blood“: Aahr greift daraufhin die Soldaten des Clans zum zweiten Mal erfolgreich an; „Revenge“: Aahr plant mit seinen verbündeten den Angriff auf die Stadt Ruhn und somit die Rache für seinen Sohn; „Clankiller“: Der Clan wird vernichtend geschlagen; „Visions Of Death“: Aahr erfährt von Odin dass er in die große Hale aufgenommen wird; „Praise To All“: Aahr feiert mit seinen Anhängern ein letztes großes Fest. Uns ist klar, dass das jetzt vorab noch ziemlich oberflächlich ausgedrückt ist, aber wer will kann ja die Geschichte später mal ganz nachlesen. Da es eine rein erfundene Geschichte ist, gibt es keine direkten Einflüsse. Lediglich das Heidentum, die Kirche und noch ein paar aktuelle Thematiken wurden in der Geschichte verarbeitet.“

Die Songs dieses Werkes sind laut Lokhi in einem Zeitraum von elf Monaten entstanden. „Wir haben uns diesmal viel Zeit gelassen, weil wir besonders darauf geachtet haben, eingängige Melodien zu komponieren und eine für unsere Mittel bestmögliche Produktion zu fahren. So haben wir immer wieder Ideen verworfen um bestimmte Parts mit neuem Material zu ersetzen. Wir glauben, dass dieser lange Zeitraum den Kompositionen sehr gut getan hat und man dies den Liedern auch anhört. Sowohl beim Komponieren als auch beim Texten arbeiten wir grundsätzlich als Gruppe zusammen.“

Begonnen haben Wolfchant auf „The Fangs Of The Southern Death“, ihrem ersten Demo, melodischen Viking Death Metal zu spielen.

Im Nachhinein waren sie aber selbst nicht so ganz damit zufrieden, weil ihre musikalischen Interessen insgeheim auch damals schon woanders lagen. Wir erfahren hierzu von dem Sänger:

„Bereits zu diesem Zeitpunkt handelten unsere Texte von der heidnischen und nordischen Mythologie. So war die einzig logische Konsequenz, dass wir uns bei „The Herjan Trilogy“, unserem zweiten Demo, automatisch weiter in Richtung Heiden Metal entwickelt haben. Doch kann man auch hier noch Parallelen zur „The Fangs Of The Southern Death“ erkennen. Nach diesem Demo haben wir erkannt, dass es falsch war, sich ein Etikett auf die Brust zu kleben und danach zu komponieren, da dies unsere Kreativität doch sehr eingeschränkt hat. Auf dem neuen Longplayer haben wir nach Lust und Laune drauf los komponiert. Herausgekommen ist ein Album hinter dem wir 100%ig stehen.“

Die musikalischen Einflüsse der Band liegen in verschieden Genres von Folk über Pagan Black Metal bis hin zu Power- und Heavy Metal. Jedoch:

„Es gibt es keine bestimmten Bands, die wir je zum übermächtigen Vorbild hatten. Wir wollten ja schließlich nichts kopieren, sondern ein abwechslungsreiches und kreatives Album erschaffen. Aus diesem Grund haben wir in unserer Kompositionsphase ganz bewusst keine stilistisch ähnlichen Bands gehört.“

Die fünf niederbayerischen Waldverehrer sind mit ihren neuen Kompositionen vollauf zufrieden. Lediglich der anfangs noch ein wenig defizitäre Sound von „Bloody Tales Of Disgraced Lands“ störte das passionierte Pagan-Quintett.

„So haben wir ein geeignetes Studio aufgesucht und dort gebeten unsere Spuren nochmals zu mischen und zu mastern. Da man dort mit extremem Metal bereits Erfahrung hat, fühlten wir uns gut aufgehoben. Die holten dann aufopfernd für uns das Meistmögliche aus unseren Aufnahmen heraus. Gerne wären wir noch mehr ins Detail gegangen und hätten mit verschiedenen traditionellen Instrumenten experimentiert. Leider reichte unser Produktionsbudget hierfür nicht aus, was aber dann auf unserer nächsten Scheibe hoffentlich nachgeholt wird.“ Man gönnt es ihnen von Herzen.

Ein richtiges Ziel im Sinne von „so und nicht anders muss es werden“ gab es für Wolfchant nicht, als sie die Arbeiten an der aktuellen Scheibe begannen, wie Lokhi zurückblickt.

„Wir haben diesmal nicht den gleichen Fehler wie auf den vorgegangenen Demos gemacht, uns selbst in eine Schublade zu stecken – sondern einfach genau die Musik komponiert, hinter der wir stehen und die uns selbst gefällt. Dies erklärt auch, dass wir uns zu einer Epic Pagan Metal Band weiterentwickelt haben. Hier eine kurze Auflistung der Bands die wir gern hören: Windir, Mithotyn, Einherjer, Helrunar, Turisas, Vreid, Ensiferum, Dubliners, Finntroll, Bathory, Heidevolk, Cruachan, Naglfar, Dissection, XIV Dark Centuries, Thyrfing, Moonsorrow, Iced Earth, Manowar, Blind Guardian usw.“

Die fünf Musiker sind derzeit mittels Hilfe von Metalmessage in Verhandlungen mit verschiedenen Bands und diversen Clubs, um gegen Ende dieses Jahres 2005 eine kleine Tour zu spielen.

„Durch den Besetzungs- und Instrumentenwechsel bei uns heißt es aber erst einmal das Material bühnenreif einzustudieren. Näheres zu den Auftritten dürfte es dann demnächst auf unserer Homepage geben. Jedes Konzert auf dem wir spielen dürfen und auf dem Fans anwesend sind, die unsere Musikrichtung schätzen, freut uns riesig. Wir haben einfach Spaß an dem was wir machen. Wir versuchen nicht zwanghaft perfekt zu sein und irgendwelche Klischees zu erfüllen. Musikern zuzusehen, die zwanghaft auf der Bühne stehen um ihr täglich Brot zu verdienen und dabei keinerlei Leidenschaft ausstrahlen, ist einfach nur zum Kotzen. Wir versuchen auf der Bühne eine der Anmut des Waldes ähnliche Atmosphäre zu schaffen um unserer Musik auch dadurch Ausdruck zu verleihen. Im Weiteren werden wir mit Fackeln und Lichteffekten arbeiten. Jeder kann sich ja dann gerne mal live ein Bild davon machen. Abschließend wollen wir uns noch für dieses Interview bedanken.“ Nur zu gerne geschehen.

© Markus Eck, 21.07.2005

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