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Interview: VILKATES
Titel: Die Apokalypse naht

Die infernalischen Black Metal-Warriors Vilkates aus dem Erzgebirge können mit ihrem Nachfolger zum ´98er Erstschlag „Angeldust And Blasphemy“ ein weiteres Glanzlicht im trüben Allerlei der Veröffentlichungsschwemme der schwarzmetallischen Neuzeit setzen.

Damit ebnet die Horde den bereits beschrittenen Pfad weiter aus. „Apocalyptic Millenium“, so ist der fesselnde Follow-Up betitelt, begeistert durch die schiere Urgewalt, die in den Songs vorherrscht sowie durch die wirklich durchklingende Besessenheit der Urheber.

Vilkates transformieren bitterböse Besessenheit, welche man leider heutzutage so oft in dieser Branche vermißt, und welche bei so einigen Dunkeltruppen mittlerweile zu einem Plagiat ihrer selbst verkommen zu sein scheint.

Doch gerade im deutschen Erzgebirge, einem wunderschönen Ort deutscher Geschichte und sagenumwobenen Hort der Naturmystik, sind neben Eminenz und Dunkelgrafen, um nur zwei der bekannteren Verfechter schwarzmetallischer Klänge aus dieser Gegend zu nennen, einige der besten und überzeugendsten Black Metal-Bands aus deutschen Landen aktiv und erfreuen uns mit ihrer Kunst.

Die an durchdringender Intensität schwerlich zu steigernde Alptraummusik von Vilkates beinhaltet den aufrechten Spirit der geifernden Abscheu auf verfremdete gesellschaftliche Werte und oftmals dominierende religiöse Ideale der widerlichen und beschämenden Gegenwart.

Die Band beantwortet in Gemeinschaft bereitwillig und mit sympathisch machender Offenheit meine Fragen.

Wie lange gibt es euch als Formation schon und aus welchen Vorgängertruppen stammen die derzeitigen Members?

„Die Band Vilkates existiert bereits seit 1993, damals noch unter dem Namen Nuctemeron bekannt. Im Jahre ´96 kam es durch einige persönliche Probleme vorläufig zum Stillstand von Nuctemeron. 1997 aber begann man aber wieder die Band fortzuführen und gleichzeitig einen Neubeginn zu starten. Deswegen nannte man sich in Vilkates um. Im Mai 1998 stieß dann der ehemalige Dunkelgrafen-Gitarrist Lord Asgaqlun zur Band, welcher somit das Line-Up festigte.“

Wann wurde Vilkates gegründet und mit welchen Vorsätzen? Und wie kamt ihr dazu, derlei macht- und kraftvollen Black Metal zu spielen?

„Wie schon oben erwähnt sind wir nicht erst seit gestern dabei. Wir spielen diese Musik, da es eine Art von vielen ist und gleichzeitig die effektivste, um unsere Gesinnung zu verbreiten. Wir sehen uns im diesem Sinn als Prediger.“

Wie ist die generelle Einstellung zu Religionen innerhalb der Band; steckt außer der Abscheu auf das heuchlerische Christentum auch noch eine tiefere Spiritualität hinter Vilkates?

„Wir sind eine satanische Band und somit ist der Satanismus unsere Religion. Hierbei sei gesagt, daß jeder von uns sein eigener Herr ist und jeder seinen eigenen Satanismus lebt. Wir hassen jegliche Art von Sektenzwang . Natürlich steckt eine tiefere Spiritualität hinter Vilkates. Unsere geistliche Übereinstimmung verbindet uns und gibt uns Macht. Wissen ist Macht!“

Was bedeutet der Bandname und woher stammt er?

„Vilkates steht für einen Werwolf, der im frühen Mittelalter in der heutigen Gegend von Litauen für entsetzliches Grauen sorgte. Seine Geschlechtslosigkeit sowie seine unglaublich brutale Gewalt faszinierte uns, diesen Namen für uns geltend zu machen. Wir sind die Söhne des Vilkates.“

Wer hat das Logo gezeichnet? Mir gefällt es außerordentlich!

„Das Logo stammt von unserem Sänger und Bassisten Wulver.“

Ist das Line-Up konstant? Wenn ja, seit wann?

„Das Line-Up ist seit 1993 konstant. Lediglich der Lord kam ´98 dazu.Unser Line-Up: Wulver – Gesang/Bass, Aegir – Rhyt.Gitarre/Gesang, Lord Asgaqlun – Lead Gitarre, Thyyph – Schlagwerk.“

War die erste Scheibe gemessen an ihrer Qualität angemessen erfolgreich? Wieviele CDs wurden verkauft? In welchem Land waren die Verkäufe am besten? Wo habt ihr eure treuesten und fanatischsten Fans?

„Unsere erste Scheibe war schon erfolgreich, was die Kritiken von den Hörern anbelangt. Es gab fast durchweg positive Resonanzen. Von der ersten Scheibe wurden bislang knapp 3.000 Exemplare abgesetzt, was aus unserer Sicht nicht schlecht ist, wenn man bedenkt, das wir noch recht unbekannt sind. Last Episode sind natürlich anderer Meinung. Das Album wurde größtenteils in Deutschland und den USA verkauft. Die fanatischsten und treuesten Fans werden wir wohl in Ostdeutschland haben.“

Auf der ersten Scheibe war ein Song mit dem Titel „Jewclan“. Bitte erläutert mir in kurzen Worten den Background des Stückes!

„Nun, um es ganz kurz zu sagen: Der Song „Jewclan“ ist eine reine Gotteslästerung und nichts anderes. Viele Leute haben ihn falsch interpretiert und einige haben sogar behauptet, wir wären eine Nazi-Band. Diesen Leuten wollen wir sagen: Lernt endlich lesen und verstehen! Wir haben mit Politik nichts zu tun.“

Wer ist der geistige Anführer in der Band? Oder bestimmen alle bei der Auswahl der Themen der Songs mit?

„Bei uns gibt es keinen Anführer. Jeder bestimmt mit, welche Themen wir verarbeiten.“

Wie oft probt ihr eigentlich in der Woche? Die Mucke klingt super!

„Freut uns, daß dir unsere Musik gefällt. Wir proben so ein- bis zweimal pro Woche; je nachdem wie wir Zeit haben“

Live-Battles: Wo habt ihr denn schon überall gespielt und welches Publikum war das beste und enthusiastischste? Ich glaube sowieso, daß in eurer Gegend die fanatischsten Fans anzutreffen sind!

Spielt ihr gerne live oder nerven euch die eingebildeten und selbstherrlichen Black Metal-Fans, die in der Vergangenheit immer mehr zugenommen haben, desöfteren? (Diese Tatsache geht konform mit der unerwünschten Verkommerzialisierung „unserer“ Musik; sowas gab es vor einigen Jahren noch nicht. A.d.A.) Viele Bands jammern vermehrt darüber.

„Um unsere ganzen Gigs aufzuzählen, würde das ziemlich lang werden. Erfahrungsgemäß können wir aber sagen, daß in Ostdeutschland die Leute verdammt gut abgehen gegenüber dem westlichen Deutschland. Diese eingebildeten und selbstherrlichen Black Metal-Fans nerven uns momentan sehr. Aus diesem Grund werden wir uns für die Zukunft auftrittsmäßig sehr rar halten.“

Wie seht ihr die Entwicklung der „Szene“ im allgemeinen? Der Release-Overkill scheint ja nicht abzuebben. Hoffentlich wird sich Qualität auf die Dauer durchsetzen.

„Wir haben schon längst damit aufgehört, uns ständig die neuesten Scheiben zu kaufen, da zu 90 % alles schon mal da gewesen ist. Mit der sogenannten Szene haben wir nicht allzu viel zu tun, da uns diese viel zu intolerant und egoistisch ist. Trotz das es momentan eine Menge Bands, Mags usw. in Deutschland gibt, hat sich unserer Meinung nach die Szene zum Negativen entwickelt, da einfach die Kooperation untereinander größtenteils fehlt. Die Qualität wird sich garantiert auf die Dauer durchsetzen. Wir sind jedenfalls der Meinung, wenn sich jemand unsere zwei Scheiben für 25 oder 30 DM kauft, daß er dann auch ein qualitativ gutes Album in den Händen hält.“

Wie versteht ihr euch mit den anderen Last Episode-Bands? Speziell Mystic Circle werden im Berliner Raum des Öfteren diskreditiert. Wobei mir deren Musik aber sehr gut gefällt; wenn man sich ungeachtet des zumeist kritisierten Images ausschließlich ihren Songs widmet, kann man deren Scheiben einigen Genuß abringen.

„Mit den anderen Last Episode-Bands haben wir bis auf wenige keinen Kontakt. Was Mystic Circle angeht, so interessieren die uns nicht. Mehr haben wir dazu nicht zu sagen. Wir haben weitaus Besseres zu tun, als über andere Leute auszulassen.“

Wie lange möchtet ihr Musik in dieser Form machen?

„Wir werden die Musik solange machen, bis wir unsere innere Zufriedenheit erreicht haben.“

Was bedeutet der Titel der aktuellen Scheibe welche Bedeutung hat das Cover speziell? Ist die Welt vor der drohenden Apokalypse nicht mehr zu retten? Wenn man sich so umschaut, sind wir schon nicht mehr allzu weit davon entfernt... (Raubbau an der Natur, zunehmende Gewaltbereitschaft unter den Menschen etc.)

„Das ‚Apocalyptic Millenium‘ bedeutet die Heilung der Welt. Der Planet kann nur gereinigt werden, indem die Menschheit vernichtet wird und das wäre nur mit einem nuklearen Krieg möglich. Das Cover soll ein Beispiel geben, wie es nach diesem Krieg auf Erden aussehen wird. In der Tat, wir sind nicht mehr weit entfernt davon. Der Mensch ist gezüchtet worden, um sich selbst hinzurichten. Und das ist gut so. Wir erwarten das apokalyptische Millennium mit voller Begeisterung.“

Seit ihr mit eurem Leben eigentlich zufrieden? Wie möchtet ihr gerne leben? Spielt die Naturverbundenheit eine große Rolle in eurem Dasein?

„Wir sind mit unserem Leben erst zufrieden, wenn es kein Leben mehr gibt!“

Was möchtet ihr den Fans mit auf den Lebensweg geben? Irgendwelche speziellen Grüße an irgendjemanden? Oder irgendwelche Beschwerden? Macht euch Luft!

„Dank für´s Interview. Hail Vilkates!“

© Markus Eck, 21.11.2000

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