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Interview: VENOM
Titel: Des Teufels irdische Dreifaltigkeit

Auf dem neuen Auswurf „From The Very Depths“ zeigen sich die britischen Vorreiter von einer verdammt bissigen Seite, die man sich so druckvoll, flüssig und kompakt nicht unbedingt erwartet hätte.

Sänger und Bassist Conrad Thomas Lant, besser bekannt unter seinem Pseudonym Cronos, nennt dieses 14. Studioalbum kurzerhand „perfekt“. Und als Venom-Urgestein weiß das alte Schlitzohr schließlich genau, wovon es da fabuliert.

Tatsächlich weist der aktuelle Nachfolger zum 2011er Blasphemiker „Fallen Angels“ eine berauschend eigenständige Fülle an hochwertigem Schwarzmetall auf, bei dem wendigste Thrash-Dämonen nur so wild umherfliegen.

„Die neuen Songs haben ihre hohe Klasse und vollendete Reife letztlich einem sehr starken Line-Up zu verdanken“, posaunt der ultrapfiffige Altmeister sein sympathisch-kumpelhaftes Kollegenlob heraus.

Selbstwertgefühl der obersten Kategorie
Wie gewohnt kommt Idealist Cronos mal wieder sofort in vollen Redefluss.

„Ohne die formidable Kooperation meiner beiden Mitstreiter, Gitarrist Rage und Drummer Danté, wäre ,From The Very Depths‘ niemals so gut und überzeugend geworden. Die beiden haben nicht nur im Entstehungsprozess des neuen Materials alles gegeben, wozu sie überhaupt nur in der Lage sind. Für mich steht felsenfest: Zusammen sind wir nun ganz einfach unschlagbar. Rage ist seit 2007 dabei, Danté seid 2009 und mittlerweile wuchsen wir drei zu einer fest in sich geschlossenen Einheit zusammen. Irgendwie fühlt es sich sogar an, als ob Venom unseren ureigenen Metal in der rund 35-jährigen Historie niemals zuvor intensiver, origineller und letztlich effektiver rausgehauen hat.“

Verschworener Gemeinschaftsinn
Der unheilige Venom-Kult sah über die Jahre bekanntlich so einige Gruppenmitglieder kommen und wieder gehen, wie das Black Metal-Urgestein erwähnt. Wobei man seiner Auffassung auch heute noch immer gerne spekulieren kann, ob all diese Leute letztlich verdientermaßen dabei waren, so der Engländer mit deutlich lauter werdendem Organ.

„Ja, doch bei meinen beiden Bandmembers passt es einfach glänzend, endlich! Ich bin lange dabei, habe tonnenweise an nicht immer angenehmen Erfahrungen gemacht und liebe es dennoch noch immer, mich neuen Herausforderungen vollauf zu stellen. Halbherzen und Luschen haben bei mir und Venom nichts zu suchen! Dieser wichtige Spirit übertrug sich vor Beginn der Arbeiten auf die ganze Band, ohne dass ich viel dazu tun musste. Ich spürte von Anfang ebenso intuitiv wie tief in mir, dass wir diesmal mächtig einen rauspfeffern werden. Und so kam es“, grinst er breit.

Vollauf verwirklichtes Klangbild
Sogar im Studio haute alles voll und ganz prima hin, wie der noch immer außerordentlich aufgeweckte Frontmann sich merklich aus voller Seele heraus freut.

„Die Stimmung bei den Aufnahmen war glücklicherweise rundum toll. Einer steckte den anderen schier immer weiter und nur noch mehr an mit Spielfreude, Einsatzeifer und weiteren kreativen Ideen. Umso besser nun! Rage und Danté haben musikalisch seit dem letzten Album ,Fallen Angels‘ aus dem Jahr 2011 monatlich mehr und mehr zueinander gefunden“, wie der Meister mit röhrender Stimme frohlockt.

„Diesmal kam uns auch unsere mittlerweile vielfach angestiegene Live-Erfahrung noch mehr als je zuvor zugute. Ich liebe die Produktion von ,From The Very Depths‘ sowieso aus ganzem Herzen, es klingt so höllisch fantastisch! Alles, was mir am Venom-Sound 2015 von größter Wichtigkeit ist, wurde dabei hervorragend eingefangen.“


Unvergessen
Im Weiteren bekommt der Venom-Leader vom Autoren noch eine alte, aber nicht wenig unterhaltsame Geschichte berichtet, welcher Cronos nur zu gerne geduldig zuhört.

Es gab da damals nämlich einen gewissen Schulkumpel, der sich 1982 eine Vinylscheibe mit dem Titel „Black Metal“ kaufte, wohl in einer gesunden Mischung aus Rebellion, Trotz und Neugier.

Zuhause angekommen mit der Platte, hörte der junge Headbanger dann in aller Ruhe ausgiebiger in die Songs von „Black Metal“ rein … und konnte dann schier so gar nicht fassen, was er da rumpelnd Klingendes und vermeintlich Derbes erworben hatte.

Am nächsten Tag ging er mitsamt noch viel mehr erbostem Vater erneut in den Plattenladen und ließ sich das (Taschen)Geld wieder zurückgeben. Die Story wurde für mich über die Jahre zum persönlichen Klassiker. Ich kann auch heute noch heiter drüber schmunzeln, während ich vor allem die frühen Venom-Scheiben kulthaft verehre.

Diese Story entlockt Cronos vor seinem nächsten Statement schlagartig ein schallend-höhnisches und ausgelassen lautes Lachen. „Herrlich, das waren noch Zeiten damals! Ich muss sowieso sagen, dass Venom seit jeher über die treuesten und fanatischsten Fans verfügt. Ich bin den weltweiten Venom-Legions immer sehr dankbar, die mir über all die Jahre seit der Bandgründung sehr viel Kraft und Zuversicht gaben.“

© Markus Eck, 03.01.2015

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