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Interview: VAN CANTO
Titel: Virtuos intonierter Roman

Als sie 2006 erstmals überraschend mit ihrem damals völlig neuartigen A Cappella Metal-Stil für Aufmerksamkeit sorgten, war dies als ebenso mutig wie innovativ zu würdigen.

Über die Jahre zeigten Van Canto hohe Einsatzfreude und tiefe Entschlossenheit, was die Formation um Lead-Vokalistin Inga Scharf schließlich sogar zu Auftritten in Wacken führte. Seit sechs Jahren arbeitet das stimmgewaltige Kehlen-Ensemble an einem sehr speziellen Konzept, was zu einem einzigartigen Cross-Media Project führte: Ein fulminantes Van Canto Vocal Metal Musical!

Die konsequente Weiterführung des Schaffens wird den Fans auf dem neuen Album „Voices Of Fire“ präsentiert. Darauf zeigen sich die Beteiligten auch als versierte Geschichtenerzähler.

Gut unterwegs
Stefan ,Stef‘ Schmidt, bei Van Canto bekannt als Mann für ,Lower Rakkatakka‘- und ,Wahwah Solo Guitar Vocals‘, ist auch beim aktuellen Rückblick mal wieder bester Dinge.

„Wir haben 2015 wieder neue Länder auf unsere Live-Landkarte aufgenommen, Australien, Spanien und Weißrussland. Zentral war für uns unser Trip nach Australien, wo wir in einem Workshop fünf Tage mit einem 80-Personen-Chor gearbeitet haben und auch noch drei Shows gespielt haben. Dann haben wir noch komponiert, getextet und produziert und sind jetzt etwas enerviert beziehungsweise extrem schlafbedürftig“, scherzt der vielseitige Sänger.

In aller Harmonie

Neu hinzu zur Mannschaft kam Basssänger Jan, der sich laut Stef bestens eingelebt hat.

„Er stand 2014 bereits mit seinem Chor Stimmgewalt gemeinsam mit uns auf der Wacken-Bühne. Der Übergang von Ike zu Jan lief sehr geräuschlos und freundschaftlich, Ike ist auch auf dem kommenden Album noch als Sänger zu hören. Einige Backings haben Jan und Ike sogar gemeinsam eingesungen - Doublebass, sozusagen. Ansonsten alles beim Alten. Die Zusammenarbeit der einzelnen Bandmitglieder für die neue Veröffentlichung klappte ohnehin sehr gut, zumal dieses Mal deutlich mehr Kreativarbeit gemeinsam geleistet wurde. Sly hat sich ja das ganze Konzept ausgedacht. Er hat auch die Grundzüge der Welt, in der die Story spielt und die Charaktere ausgedacht. Basti und ich haben diesmal alle Songs gemeinsam komponiert, so richtig im Proberaum, wie vor 20 Jahren zu Zeiten von Jester's Funeral. Sehr schön. Jan hat sich wirklich gut integriert, und Inga und Ross waren auch fleissig wie nie zuvor. Alles super.“

Frische Fassung
Stef und seine Stimmbandkünstler wollten mit ,Van Canto Vocal Metal Musical‘ ein wirkliches Cross-Media-Projekt ins Leben rufen, wie er dazu berichtet. „Es gibt ja viele Konzeptalben, und ich selbst bin begeisterter Hörer von Konzeptwerken, aber hierzu haben wir wirklich alles von Grund auf erarbeitet. Es ist ein Roman, der auch nur als Roman funktioniert. Ein Album, dass man auch geniessen kann, ohne eine Zeile Buch gelesen zu haben. Aber wenn man sich darauf einlässt, auf die Geschichte, den Roman, das Album, die Illustrationen und die Hörbücher, dann bekommt man glaube ich etwas, dass es in dieser Konsequenz bislang noch selten gegeben hat. Es geht in der Geschichte um Gesang, wir singen die Geschichte und die Geschichte greift die von uns gesungenen Texte wieder auf. Es war ein ständiges ,Die Bälle hin- und herspielen‘ und hat riesigen Spaß gemacht.“

Lyrische Kooperative
Im Vorfeld wurde interessanterweise die Zusammenarbeit zwischen der Band und Fantasy-Autor Christoph Hardebusch verkündet.

„Sly hatte eben die ganzen Ideen und wir waren alle der Meinung, dass wir da ein echtes Juwel in der Hand haben. Nun sind wir aber doch deutlich erfahrener, was das Songschreiben angeht, als darin, Romane zu schreiben. Deswegen haben wir bereits in der frühen Phase mit Christoph Kontakt aufgenommen, in erster Linie weil uns sein Schreibstil so gefiel. Dass er direkt auf die erste Mail antwortete, Van Canto bereits kannte und die Idee super fand, war dann einfach pures Glück. Sly und Christoph haben schließlich zusammen an den Grundideen geschraubt und am Ende ist ein Spitzenroman daraus geworden.“

Angehobene Epik
Dadurch, dass Van Canto diesmal eine große Geschichte erzählen, wollten sie auch den Sound etwas größer machen.

„Der ,klassische‘ Van Canto-Anteil ist etwas songdienlicher geworden, dafür addieren die Chöre ganz neue Soundsphären. Episch zu klingen war das Ziel.“

Vorbereitendes Songwriting
Die Idee eines größeren Konzeptalbums schwebt der Gruppe bereits schon seit sechs Jahren im Kopf herum, so Stef.

„Dementsprechend hat man immer mal wieder beim Komponieren Teile erdacht, die wir jetzt erst nutzen konnten. Letztendlich haben wir aber effektiv, wenn alles fertig ist, circa 18 Monate an der Produktion gearbeitet - das Hörbuch ist ja grad noch in der Mache, doch nichts mit Schlafen“, entfährt es dem Mann lachend.

Stets oben gewesen
Beim Songwriting gingen die Gesangskünstler durch Höhen und immer höhere Höhen, wie noch in Erfahrung zu bringen ist. „Das ging dadurch einher, dass wir die Songs zu zweit im Proberaum erjammt haben, wie früher als 16-jährige in unserem ersten Proberaum. Das war schon magisch und hat keinen Platz für irgendwelche Tiefen gelassen.“


Begeistert vom Liederschreiben
Sein stärkster Antriebsfaktor für die Musik mit Van Canto ist nach wie vor die Lust am Komponieren, wie der Vokalist wissen lässt. „Ich liebe es, wie aus nichts ein kompletter Song entsteht, nur weil Basti oder mir eine Melodie einfällt, oder weil Sly sagt ,In diesem Song muss das und das passieren‘. Alles andere ist natürlich auch toll, das Produzieren, das weltweite Touren, die Rückmeldung von Hunderttausenden Van Canto-Hörern. Aber auch ohne all das wäre das Komponieren immer noch ein Erlebnis für sich.“

© Markus Eck, 27.02.2016

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