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Interview: UNLIGHT
Titel: Blanker Idealismus

Im Oktober 1997 raufte sich diese fähige Black Metal-Horde unter der Führung der beiden Gitarristen Blaspherion und Necron zusammen, welche aus deutschen und schweizerischen Mitgliedern besteht.

Übliche Wechsel in der Besetzung und Demo-Veröffentlichungen folgten, und Unlight hielten eisern an ihrer pechschwarzen Prämisse fest. Mit den Jahren wurde die Satansmusik der erhaben agierenden Rhythmusattacken-Truppe gleichfalls melodischer und auch versierter zelebriert.

Auf dem Zenit ihres handwerklich souveränen Schaffens zeigten sich Unlight jüngst mit dem aktuellen zweiten Studioalbum „Eldest Born Of Hell“. Band-Mitbegründer, Höllengitarrist und Schreiteufel Blaspherion nahm sich trotz seiner ausgeprägten misanthropischen Gesinnung gerne Zeit für ein ausführliches Interview-Gespräch mit mir.

„Keine Ahnung, was die Leute mir so alles nachsagen. Ich kümmere mich nämlich überhaupt nicht um solche Sachen. Einmal habe ich gehört, dass ich ein „arroganter Sack“ oder so etwas Ähnliches wäre. Natürlich nur wieder über 312,4 Ecken, weil solche Leute sich ja nicht trauen mal ihr Maul aufzumachen um ihre ehrliche Meinung sagen wenn man vor ihnen steht. Es kann wohl sein, dass dieser Eindruck entsteht, wenn man nicht gleich mit jedem über sein Privatleben redet. So etwas färbt dann natürlich gleich auf die ganze Band ab. Den anderen in unserer Truppe ist das aber auch scheißegal. Wie gesagt: Das macht uns nichts aus. Ganz im Gegenteil.“

Wie sehr der Kerl als Black Metal-Musiker die Genre-Grundsätze auslebt, will ich anschließend wissen.

Blaspherion zeigt sich dahingehend absichtlich verdutzt:

„Was sind denn die Genre-Grundsätze? Was willst du denn jetzt von mir hören? In welcher Form? Fest steht: Es gibt in diesem musikalischen Bereich einen Haufen an Bands und vor allem ganz viele komische Ein- oder Zweimann-Projekte. Das meiste ist ziemlich große Scheiße. Vor allem spieltechnisch betrachtet! Was bestimmte geistige Einstellungen dann noch dazu beitragen ist ja nicht auszuhalten. Ansonsten gibt es für mich keine Szene im eigentlichen Sinn. Die meisten Bands sehen in den anderen ohnehin nur Konkurrenz. Der Neid regiert. Black Metal ist nicht nur finsterster Rock’n’Roll-Lifestyle mit all dem weltlichen Genuss der natürlich dazugehört – und den wir auch zu gerne zelebrieren. So machen das ja die meisten in diesem Genre- oder Szenebereich. Und das ist ja auch gut so. Eines wird aber von vielen Leuten dabei immer wieder gerne vergessen: Black Metal hat auch eine tiefgründigere, eine sehr ernste Seite. Nämlich eine Philosophie und Lebenseinstellung, die sich gegen Unterwerfung, totale Anpassung und vor allem gegen die Aufgabe der Individualität richtet. Und welche Freiheit im Leben und das freie Denken verehrt! Das erst ist Satanismus! Und genau das ist letztlich doch viel wichtiger als Saufen!“

Als stärkste ideelle Antriebsgeneratoren dienen dem Saitenhexer laut eigener Aussage unter anderem die grenzenlose Dummheit und die gigantische Arroganz der Menschheit:

„Künstlerisch nährt mich mein unermesslicher Hass auf die Doppelmoral in unserer Gesellschaft, im Speziellen auf ihre so genannten christlichen „Werte“. Verlogene Scheinwerte also, welche naturgegebene Sachverhalte zu unterdrücken versuchen und somit den Menschen in seiner natürlichen Verhaltensweise pervertieren – wobei diese Art von Religion meiner Ansicht nach alleinig auf der Angst der Menschen vor dem Tod und der naiven Hoffnung auf ein Leben nach diesem basiert. Aber auch meine riesige Liebe zur Natur und ihrer facettenreichen Schönheit, Brutalität und Genialität in einem einzigartigen weltumspannenden System, welches auch sehr gut ohne uns Menschen auskommen würde und uns definitiv auch überleben wird, kann ich hier als Grund anführen.“

Was fasziniert einen puristisch denkenden Existenzialisten wie Blaspherion eigentlich so an dunklen Thematiken, wo der Mensch doch insgeheim ursprünglich zu Licht und Wärme strebt?

Ich werfe die These in den Raum, dass es vielleicht ganz „normal“ sei, dass in einer Zeit, in der es immer weniger (gesellschaftliches) Licht und (menschliche) Wärme gibt, sich die Leute, emotional verarmt, automatisch eher zum Dunklen und Bösen hingezogen fühlen.

Er überlegt ein wenig, dann gibt er besonnen zu Protokoll:

„Eigentlich wäre es ja fast logischer, dass die Leute zum Licht streben wenn es dunkel wird um sie herum; egal in welcher Hinsicht jetzt. Das alles ist allerdings Definitionssache. Irgendwann hat mal einer (Der liebe Gott? Bestimmt aber die Christen!) definiert, dass Licht und Wärme für sozialen Kontakt und eine gewisse Moral stehen und dass das Dunkel die unreinen und in ihrer Gedankenwelt ungeliebten Urtriebe des Menschen repräsentiert. Jetzt mal ganz abgesehen von unserer biologischen Abhängigkeit von Licht und Wärme als Organismus. Also behandeln unsere Texte über das Dunkle eigentlich immer das so definierte Dunkle im Menschen. Also seine naturgegebenen Triebe, Verhaltensweisen und Instinkte die er eigentlich ausleben muss und es auch soll. Das Fleisch siegt immer!“

Als der Gitarrist die Band im Oktober 1997 gegründet hat, waren die musikalischen Fertigkeiten, die Fähigkeit zu Arrangements und natürlich auch der damals allgemein praktizierte Black Metal auf einem ganz anderen Level, wie er berichtet.

„Mittlerweile haben wir seit Ende 2004 kein Keyboard mehr verwendet – was so auch gut ist. Braucht doch niemand. Seit dieser Entscheidung kann ich endlich auch meiner Vorliebe für den guten alten Thrash Metal frönen und lasse dieses Stilelement mehr und mehr in die Unlight-Songs einfließen. Ich denke, dass man das mittlerweile auch ganz deutlich heraus hört. Auf unserem nächsten Album, welches voraussichtlich Ende 2008 erscheinen wird, wird erneut eine weitere kleine Steigerung der „Thrashyness“ zu hören sein.“

Abgesehen vom musikalischen Stil haben Unlight bisher auch immer sehr viel Wert auf die Produktion der Alben gelegt, so Blaspherion. Denn: „Qualität wird bei uns groß geschrieben!“

Privat hört sich der auskunftsfreudige Gitarrenmann hauptsächlich klassischen Thrash Metal aus der guten alten Zeit Ende der 80er und Anfang 90er Jahre an. Er frohlockt diesbezüglich in geradezu ansteckender, enthusiastischer Manier:

„Protector, Sodom und Destruction sind da ganz groß bei mir. Mit dem Sound ist man halt auch aufgewachsen. Das prägt! Ich denke, man hört das auch etwas bei den Unlight-Songs. Ansonsten ist auch Klassik angesagt bei mir. W.A.S.P. darf ich hier natürlich nicht vergessen zu erwähnen! Wahnsinn! Wirklich bewusst achten wir beziehungsweise ich da aber nicht darauf, wenn es um die Erstellung neuen von Songs oder Alben geht.“

Und auch Unlight sind bei MySpace vertreten:

„So als Band ist das nicht unbedingt von der Hand zu weisen, dass man da schon die Fangemeinde unter Umständen vergrößern kann. Vor allem international. Ich habe auch jahrelang die elektronische Sparte der Medien unterschätzt. Aber die jungen Leute von heute machen ja nichts mehr ohne dieses Internet. Mein Ding ist es nicht. Aber wie gesagt, oft ist es sehr praktisch wenn es um Information geht.“

Wir gehen im Weiteren angeregt zu den Liedertexten auf dem aktuellen Baller-Album „Eldest Born Of Hell“ über. Blaspherion expliziert:

„Es geht lyrisch hauptsächlich um die satanistische Lebensweise, welche die Freiheit des Individuums betont. Ein weiteres Thema ist der Tod in all seinen Facetten – da er diese Welt regiert. Mit diesen Thematiken beschäftige ich mich eigentlich täglich. Das heißt also, dass ich nicht einfach irgendwas so daher schreibe. Es ist schon alles gut überdacht bei mir.“

Erfolg ist in den Augen des Saitenschrubbers nicht an monetären Werten zu messen, wie er wissen lässt. Somit:

„Klar, wenn wir mehr Platten verkaufen ist unser Bekanntheitsgrad auch größer – aber verdienen tun wir ja eh nichts an der ganzen Sache. Wir legen regelmäßig massenhaft drauf. Wir machen das Ganze, weil es uns Spaß macht. Natürlich ist das nicht immer purer Spaß. Aber wenn es ein paar Leute pro Jahr mehr interessiert, was wir so machen, dann ist das für uns der Erfolg, den wir brauchen! Um das liebe Geld geht es nun wirklich nicht. Das wäre ja auch Verrat an der Sache. Man macht das aus Überzeugung und Idealismus! Wenn ich irgendwann mal soviel Kohle damit verdienen könnte, dass ich nur noch einen Halbtagsjob bräuchte, wäre das natürlich traumhaft. Die so gewonnene Zeit könnte ich dann nämlich wieder in die Musik investieren.“ Überzeugungstäter durch und durch.

Meistens ist dieser grimmig musizierende Haufen in einem kleinen auserwählten Kreis am Saufen. Wir erfahren: „Auf meine Umgebung achte ich da nicht wirklich. Denn wir sind dabei eh immer alles Kumpels und Kollegen. So macht es am meisten Spaß und es ist am gemütlichsten. Wir gehen nicht viel auf die Piste. Sehr selten. Das ist nicht so unser Fall. Lieber zu fünft oder zu acht oder so paar coole Filme miteinander schauen, diskutieren und natürlich saufen. Am liebsten natürlich unser Bier aus der Heimat! Da wären bei uns im Schwarzwald auf jeden Fall Rothaus und Waldhaus als Marken zu nennen. Diese Trink-Gelage sind meistens spontaner Natur. Geplante „Besäufnisse“ funktionieren nicht. Die beste Stimmung kommt bei so spontanen Aktionen auf.“ So ist es.

Trösten tut sich Blaspherion meistens mit „Sixpacks“, wie er in aller Offenherzigkeit mit einem dreckigen Grinsen im Gesicht bekundet.

„Und damit meine ich nicht meine imposanten Bauchmuskeln! Ich meine das klassische Gerstensaftsextett! Na ja, eigentlich aber nur zum Teil. Mein Leben dreht sich eigentlich nur um die Musik. Und so lange ich die noch machen kann, ist immer klar, dass es irgendwie weitergeht. Aber, Hoffnung? Zukunft? Gibt es eh nicht so lange es Menschen auf diesem Planeten gibt. Wir sind nur Fleisch und Blut. Ich denke da nicht drüber nach. Überwiegend lasse ich einfach immer alles auf mich zukommen und warte ab. Das Wichtigste sind eigentlich meine Freunde die mit mir Musik machen. Das langt. Und wenn das alles nicht mehr sein sollte, dann geht es schon irgendwie weiter, da mache ich mir keine Sorgen. Vielleicht auf eine andere Art und Weise – aber immer mit schwärzestem Rock’n’Roll!“

Bücher hat er gerne: „Werke von La Vey und Nietzsche mag ich sehr gerne. Ansonsten verschiedene Fachliteratur aus dem Bereich der Biologie.“ An der Moderne hasst der Musiker die Oberflächlichkeit, ist aber dagegen über Errungenschaften wie E-Gitarren froh, wie er anschließend noch offenbart.

„Ich hoffe, dass sich der ein oder andere für uns interessiert. Checkt doch einfach unsere Homepage oder unsere oben schon erwähnte Myspace-Seite ab. Da sind auch Songs zum anhören drauf. Dann kann sich jeder sein eigenes Bild machen. Und, Markus – dir danke ich für den professionellen und freundlichen Kontakt, das Interview und die Möglichkeit unsere Saufpropaganda hier laut kundzutun. Vor allem danke ich dir dafür, dass du mal richtig interessante Fragen gestellt hast. Echt mal was anderes. Nicht immer der übliche oberflächliche Scheiß. War sehr interessant.“ So soll es sein.

© Markus Eck, 05.01.2008

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