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Interview: UMBRA ET IMAGO
Titel: Beständige Unabhängigkeit

Gewissermaßen überfällig erscheint „20“, die neue Live-Doppel-DVD-Veröffentlichung dieser thematisch bekanntlich nicht wenig erotisierenden Genre-Vorreiter. Doch Original, Frontmann und aussagefreudiges Sprachrohr Mozart ist schließlich nicht umsonst bekannt dafür, sich lieber Zeit zu lassen, um halbe Sachen zu vermeiden.

Sage und schreibe seit 1991 mischen Umbra Et Imago nun schon aktiv die düster-kreativen Karten mit im Metier, und dabei verfolgen die Beteiligten den speziellen Stilmix aus Neuer Deutscher Härte, Gothic Metal und elektronischer Musik mit beachtlicher Beharrlichkeit. Die dazugehörigen frivolen Bühnenshows sind ebenso bekannt wie optisch aufwändig. Und der Erfolg gibt dem lasziven Tun dieser Combo bis heute recht.

Nun können sich die Fans also auf „20“ mitsamt verbundenen bundesweiten Release-Partys freuen, wobei dabei sogar unveröffentlichtes neues Material zu erleben sein wird. Charakterkopf Mozart zeigt sich im Interview-Gespräch nicht nur anlässlich des 20-jährigen Jubiläums von Umbra Et Imago und der zu diesem feierlichen Hintergrund auf den Markt kommenden Live-2-DVD sehr impulsiv.

„Ich wollte sowohl als Künstler als auch mit der Band seit jeher schon immer so unabhängig wie möglich bleiben, um mich ungehindert austoben zu können. Dafür habe ich viel Hindernisse und Unannehmlichkeiten in Kauf genommen. Aber ich habe es bis zum heutigen Tage niemals auch nur ansatzweise bereut, auch wenn es immer wieder aufs Neue ein regelrechter Kampf war. Aber dadurch blieb Umbra Et Imago authentisch und glaubwürdig, und so wurden die Songs von uns auch niemals von irgendwelchen aufgeplusterten Wichtigtuern in teuren Studios unnötig glattgebügelt“, verlässt es den Mund des Unbeirrbaren, der sich mit auffallend lautem Tonfall äußert.

Über 15 Studioalben hat Mozart unter dem gesellschaftszynischen Banner von Umbra Et Imago laut eigener Aussage unters geneigte Volk gebracht. Die genaue Zahl der Langspieler kennt der Sänger allerdings selbst nicht, wie er noch mit einiger Lässigkeit verkündet.

Jetzt wird Mozart regelrecht ungestüm: „Die meisten Menschen denken ja noch immer, ein ,Rockstar‘ sei jemand, der den ganzen Tag herum vögelt, kifft und dusslige Texte schreibt [lacht], aber in Wirklichkeit ist es eigentlich ständig harte Arbeit; vor allem, wenn man als Künstler auf Beständigkeit setzt. Meiner Meinung nach ist das Musikerleben die letzten Jahre sowieso beinahe unerträglich hart geworden, wenn man nicht gerade der Mega-Star ist. Ich für mich habe es daher so gehandhabt, dass ich umso mehr mit einigem Fleiß auf die Entwicklung und Pflege sozialer Strukturen gebaut habe, was sich als zwar aufwändiger, aber letztlich richtig guter Schachzug erwiesen hat.“

Ein sehr stabiler und hoher Grundstock also, von dem aus nun besagte beiden Konzertfilm-Scheiben veröffentlicht werden. Der Meister konkretisiert das Ganze: „Aufgenommen wurden zwei Jubiläumskonzerte, welche wir am 30. Juli dieses Jahres im Karlsruher Crystal Ballroom spielten. Wir zelebrierten dort ein feines akustisches Set mit einer gut gewählten Auswahl nachdenklicher und auch besinnlicher Stücke, die teils gar ihre Live-Premiere erleben durften. Auch ein ebenso spezielles Rock-Set führten wir auf, in dem es Umbra Et Imago eine erlesene Zusammenfassung von neueren Liedern, erfolgreichen Hits und bekannten Klassikern zu hören gab.“

Erscheinen wird diese sehr hochwertig aufgemachte Doppel-DVD, welche neben der regulären Fassung auch in einer limitierten Auflage mit exklusivem Bonusmaterial kommt, laut Mozart sogar mit einer zusätzlichen Audio-CD. Er lodert auf:

„Die Fans können die Mitschnitte sogar in exzellenter HD-Qualität genießen, es wurden keine Mühen gescheut dafür. Hervorzuheben ist, dass wir für die beiden Sets auch ebenso illustre wie instrumentell hochkarätige Gastmusiker auf die Bretter holen konnten. Leute also wie beispielsweise Rico Schwibs alias M. Stolz von Letzte Instanz, Geigerin Ally The Fiddle sowie den ehemaligen ASP-Gitarristen Matthias ,Matze‘ Ambre. Insgesamt gesehen ist ,20‘ ein sehr guter und sehr repräsentativer Überblick über die letzten zwei Dekaden von Umbra Et Imago. Letztere machten gerade das erwähnte Akustik-Set für Band und Auditorium zu einem ganz besonderen, geradezu feierlichen Erlebnis auf der dortigen Karlsruher Bühne. Das Klangbild, welches wir da vermittelten, geriet zu einer faszinierenden, partiell beinahe kammermusikartigen Tonkulisse. Es steckt aber auch einiges an harter Maloche in diesen Akustik-Versionen der Songs, welche ja in mühevoller Kleinarbeit entsprechend umgeschrieben und gänzlich neu arrangiert werden mussten. Und es hat sich daneben auch vollauf gelohnt, dass wir für diesen Teil der beiden Konzerte beinahe über ein Jahr intensiv geprobt haben. So kommen dabei viele neue und reizvolle Facetten herüber, und dies in teils sehr überraschender Weise.“

© Markus Eck, 04.11.2011

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