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Interview: TROLL
Titel: Psycho Black Metal

Troll war bislang das rühmliche Soloprojekt von Nagash Blackheart, der einst mit der Epic Black Metal-Formation Covenant sowie ab 1996 und bis vor seinem kürzlichen Ausstieg als Basser und Maincomposer von Dimmu Borgir zu globalem Bekanntheitsgrad gelangte. Mit dem Release des 1995er Demos „Troll Riket“ fand das Multitalent mit der dunklen Gesinnung bereits zu einem großen Grad an Eigenständigkeit, welche sich auf der knapp ein Jahr später erscheinenden überaus atmosphärischen EP „Trollstorm Over Nidingjuv“ in hörbar beeindruckender Weise Bahn brach.

Deutlich offenbarte sich auf dieser Underground-Perle das immense Potential des schwarzmetallischen Alleinunterhalters aus Norwegen. Mit dem noch im selben Jahr folgenden Album „Drep The Kristne“, welches im heute sehr gesuchten Digipak mit Originalcover eine Offenbarung für jeden fanatischen Verehrer nordischen Schwarzstahls darstellt, erreichte Nagash scheinbar seinen vorläufigen kreativen Zenit. Die Scheibe enthält wahrlich süchtig machende Zutaten.

Nachdem man nun mit Dimmu Borgir eine größere Anzahl von Stufen auf der Karriereleiter erklommen hatte und mit The Kovenant nach der Änderung des Gruppennamens nicht minderen Erfolg verbuchen konnte, scheint der Mainman jetzt endlich auch mal wieder unbändiges Verlangen nach einem metallischen Burnout zu haben. So erscheint dieser Tage nach mittlerweile vierjähriger Wartezeit das zweite reguläre Album von Troll, das den Titel „The Last Predators“ verliehen bekam.

Es war mir schon klar, daß die innovativen Modifizierungen in Sound und Staffage von The Kovenant auch eine einschneidende Veränderung im Output von Troll mit sich bringen würden. Nach dem ersten Durchlauf des aktuellen Werkes hatte sich meine intuitive Vermutung auch schon bestätigt. So war mein Interesse groß, Nagash's Partner In Crime, Schreihals S.M. Twice wie eine Zitrone auszuquetschen.

„Anno 2000 spielen wir jetzt Brutal Satanic Music with much involved industrial stuff“, beantwortet er zackig meine sich aufdrängende Frage nach der neuen Stildefinition von Troll.

Und Mr. Sinister Minister Twice fährt in einem sich entladenden amüsanten Redeschwall fort:

„Ich und Nagash haben mit dem neuen Album einen antichristlichen musikalischen Killer kreiert, der den ganzen widerlichen Schreiberlingen der Bordsteinpresse wieder ausreichend Zündstoff liefern wird! Dabei gibt es in allen erdenklichen Gesellschaftsschichten satanische Zirkel. Doch nichts scheint momentan mehr interessant für die Medien, als auf uns herum zu hacken wie Geier auf dem Aas. Schau dir doch mal manche afrikanische Kulte oder die polynesischen Maoris auf Neuseeland oder gar die Voodoo-Riten an, da liest man eigentlich im direkten Vergleich eher wenig. Komisch, was? Na, bin schon mal gespannt, wie das noch endet. Viele unserer bisherigen Live-Gigs, die wir in sehr christlichen Städten geplant hatten, wurden nach Bekanntwerden der Inhalte unserer Musik ziemlich schnell mit Auftrittsverbot belegt, was zeigt, wie die Leute uns und das, was wir tun, fürchten, weil sie dermaßen in ihrem verdammten Glauben verblendet sind, dem sie sich als Sklaven hingeben. Wir kämpfen jedoch jetzt mehr mit Weisheit als mit plumpen Parolen gegen das, was uns anwidert! `Fight The System!`, lautet unsere Devise. Man kann doch auch gar nicht anders. Mach´ doch mal die Augen auf; das System ge- und verbraucht dich bis zum Letzten, was du zu geben hast. Totale Kontrolle und Überwachung jedes Einzelnen. Brisante Wahrheiten und Enthüllungen werden bewußt manipuliert, um die Schäfchen bei der Herde zu halten.“

Regt zum Nachdenken an. Aber mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch entstanden auch schon immer die besten und glaubhaftesten Songs dieses Genres. In den Lyrics geht´s dann jetzt eher wohl subtil-blasphemisch zur Sache?

„Oh ja, wir lassen unserem bebenden Haß auf die Kirche nach wie vor freien Lauf; lediglich etwas anspruchsvoller und latenter als bisher. Aber die hauptsächliche Message ist nach wie vor die selbe. In Norwegen liest man immer wieder in den Gazetten von Bibelverbrennungen, die Nagash angeblich vollzieht. Lächerlich! Jetzt haben diese uninspirierten und dilettantischen Schmierfinken wieder allen Grund zu rotieren!“

Welch eine Konfession regiert denn eigentlich die Hirne der beiden Dunkelmänner? „Wir sind keine Satanisten, wir sind lediglich antichristlich eingestellt. Wenn ich wieder höre, daß der Vatikan bei der gegenwärtigen Bevölkerungsexplosion gegen Kondome protestiert, gehen bei mir alle Lichter aus!“ Ich kann ihm nicht widersprechen.

Doch nun wieder zur Musik und zu einem überaus interessanten Fakt. Mayhem´s Trommel-As Hellhammer schwang für das Album die Sticks, was eine enorme Bereicherung für „The Last Predators“ darstellt. Für mich ist Hellhammer ohne den geringsten Zweifel einer der besten und technisch beschlagensten Trommler aller Zeiten.

„Yeah, du hast vollkommen recht; er ist einer unserer besten Freunde, unser schwarzer Blutsbruder und einer der begnadetsten Drummer, die ich kenne. Auf unserer neuen Scheibe hat er völlig unentgeltlich getrommelt und trotzdem einen unglaublichen Job gemacht. Auch auf der nächsten Platte wird er wieder mit von der Partie sein und uns nach Kräften unterstützen.“

© Markus Eck, 14.02.2000

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