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Interview: TOXIC SOCIETY
Titel: Freiheit im Sinn

Ebenso ungewöhnlichen wie unverbraucht anmutenden und genau dadurch reizvollen Gothic Rock mit nicht selten markant-massiver Metal-Bewehrung haben diese sechs Leipziger Individuen als ihr musikalisches Pläsier auserkoren. Und sie haben sich einen Gruppennamen ausgesucht, der die globalgesellschaftliche Gesamtsituation thematisierend wohl nicht treffender ausdrücken könnte.

Mittels einer verspielt gestrichenen Geige erfährt der betont dramaturgisierte Sound der Sachsen recht romantische Facetten. Sängerin Fräulein V. ziert dabei mit ihrer Stimme die überaus fantasievollen und geheimnisschwangeren Kompositionen von Toxic Society, welche sich drei nach dem jüngsten Jahrtausendwechsel gründeten.

Die Gründungsformation bestand zuerst noch aus Tieftöner Markus, den beiden Gitarrenleuten Franz und Ronnja, wobei Letztere anfangs auch für das Geigenspiel sowie für die Vokalisierungen in der Band verantwortlich zeichnete, welches mittlerweile von der fähigen Malu übernommen wurde. Relativ kurze Zeit später stieß Drummer Stan hinzu. Erste Live-Auftritt nach einigen Monaten verbreiteten den Namen der Truppe in ihrer Region.

Weitere Besetzungswechsel erwiesen sich nachfolgend als hinderlich, aber nicht unüberwindbar: Die Beteiligten wuchsen mit den Neuen umso fester zusammen, ein damaliger erster Platz im 2007er „New Chance Lokalausscheid“ bestätigte Toxic Society bei ihrem kreativen Tun. Abermaligen Rotationen ihres Line-Up-Karussells konnten die Musiker daher auch noch effektiver und gestärkter begegnen. Und so gerieten auch die Songs künftig griffiger und souveräner.

Wie mir Gitarrist Herr F. verrät, verspürt er bei Toxic Society vor allem die Freiheit, nach der er sich sehnt:

„Ich liebe es, den Alltag dort zu vergessen. Da gilt für mich: Türe zu, sich in eigene Welten einleben, die Seele baumeln lassen und einfach nur Spaß an dem Moment und eine gute Zeit mit fünf wundervollen Menschen zu haben.“

So hofft er laut eigener Aussage, dass seine Band in Sachen Hingabe gut mit den „Großen“ mithalten kann:

„Die bedingungslose Hingabe zur Musik, der Spaß am Schaffen und Erschaffen sind für uns grundlegende Elemente, wie sie hoffentlich bei allen anderen Bands der ähnlichen Stilistik vorzufinden sind. Wenn wir musikalisch auch für Fans von Subway To Sally, Letzte Instanz oder auch Nightwish interessant sind, gibt es jedoch hörbar einige Unterschiede: Wir zwängen uns instrumental in kein Korsett um marketingstrategisch besser zugeordnet werden zu können. Unsere Musik ist Rock, Metal, Pagan, Dissonanz, Romantik. Schlicht ein Spiegel menschlicher, also unserer Emotionen, der in das Ohr reflektiert wird. Ansonsten lieben wir Klischees, wir spielen gern mit ihnen, persiflieren sie. Textlich haben wir uns zur wunderbaren deutschen Sprache bekannt. Wir erzählen Geschichten, kommentieren, kritisieren und das in einem Stil, das allein schon das Lesen Texte Spaß macht und man sich lange mit ihnen beschäftigen kann.“

Ich erkundigte mich auch noch danach, was die Meinung des Gitarristen über die allergrößte Stärke der Songs des Sextetts ist. Die Antwort kommt ebenso prompt wie humorig herüber: „Sie wurden weder von Dieter Bohlen geschrieben, noch produziert“, verlässt es unter einem süffisanten Lachen den Mund des ostdeutschen Griffbrettschrubbers.

© Markus Eck, 01.11.2010

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