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Interview: THE VISION BLEAK
Titel: Ergiebige Zielstrebigkeit

Gitarrist und Tieftöner Markus Stock alias Ulf Theodor Schwadorf sowie sein Partner, Vokalist Allen B. Konstanz, veröffentlichten 2004 ein zwar in allen Belangen ungewöhnliches, aber künstlerisch enorm wertvolles Debütalbum. „The Deathship Has A New Captain“ betitelt, beinhaltete dieses beklemmend atmosphärische Horrorwerk eine Fülle an gespenstisch inszeniertem Dark Metal der vorstellbar stimmungsvollsten Art.

Sämtliche Metal-Klischees souverän hinter sich lassend, gab der riesengroße Erfolg dieses vollkommen einnehmenden Albums dem auch konzeptionell autarken Individualistenduo Recht. Zylinder-, Kugelstock- und Gehrockträger Schwadorf, vor einiger Zeit wieder in seine ursprüngliche Heimat Unterfranken an der Grenze zu Thüringen umgezogen, resümiert.

„Das letzte Jahr gestaltete sich wirklich hervorragend für uns. Besser hätte es ehrlich gesagt auch gar nicht für The Vision Bleak laufen können. Und genau das haben wir von Anfang auch ins Auge gefasst. Wir wollten ein starkes Debütalbum auf den Markt bringen, welches sich dementsprechend gut verkauft und danach diverse gut besuchte Konzerte nachlegen. All dies ging in Erfüllung. Die Tour, von welcher das Album flankiert wurde, ging im Frühjahr durch ganz Deutschland, die Schweiz und Belgien. Wir trommelten uns erstmal eine gute Live-Mannschaft zusammen und probten ausgiebig. Der allererste Gig vor der eigentlichen Tour fand bei uns in der Gegend statt, bei freiem Eintritt.“

Bereits zu diesem Zeitpunkt fanden sich laut Schwadorf erstaunlich viele Leute ein, ohne dass irgendwelche offizielle Werbung dafür gemacht wurde.

„Es fanden sich auch viele Freunde und Bekannte ein. Dies gab und natürlich großen Rückhalt für folgende Taten, denn wir merkten dort gleich, dass das, was wir da machen, echt prima bei den Leuten ankommt.“

Auch die daran angeschlossene Tour war ein voller Erfolg, wie er mitteilt.

„Stellenweise wurden unsere Erwartungen gar noch übertroffen“, so spricht der Mann mit gewohnt tiefer, dunkler Stimme.

Auch auf der Bühne agierte die einfallsreiche Band in stilgetreuer Staffage, wie der Meister offenbart:

„Allen B. und ich schminkten uns entsprechend und kleideten uns im barocken Stil: Edle, aber verschlissene Abendgarderobe. Wir wollten ehrlich gesagt aussehen wie Zombies, die gerade aus der Erde gekrochen sind. Unsere Live-Mitmusiker hoben sich da aber ein wenig von uns ab, so dass schon klar zu erkennen war, wer die eigentlichen Hauptfiguren sind.“

Klares Ziel, klare Resultate, kann man da nur sagen: „Die einschlägige Presse reagierte durchgehend überschwänglich auf `The Deathship Has A New Captain`, auch die Verkaufszahlen des Albums waren dementsprechend echt hoch. Doch das Allerwichtigste war für uns natürlich in letzter Konsequenz, dass wir selbst zufrieden damit sind, was dann auch verwirklicht wurde.“

Die vorab veröffentlichte und selbst betitelte CD-EP war laut Aussage von Schwadorf kein von der Band initiierter Markttest, um die musikalischen Kreationen auf ihre Wirkung zu testen.

„Das ging eigentlich rein vom Label aus. Die beiden darauf enthaltenen Songs, `Lone Night Rider` sowie `Elisabeth Dane` waren ja schon seit dem Jahr 2002 im Kasten. Diese wurden eigentlich nur für uns selbst als Demo aufgenommen. Doch diese im Oktober 2003 veröffentlichte EP stellte sich als sehr guter Teaser für das im Februar nachfolgende Debütalbum heraus. Schon hier legten wir allergrößten Wert auf hochwertige optische Ausführung und edle Beschaffenheit des Produkts, damit nichts die erzielten Atmosphären von The Vision Bleak schmälern kann.“

Vielen Leuten stachen schnell die mit altertümlich optischer Ästhetik inszenierten Bandfotos des dunklen Duos ins Auge.

Und Schwadorf erinnert sich nur zu gerne an deren damalige Entstehung:

„Sämtliche Bilder wurden bei mir daheim im Schlafzimmer gemacht, auch wenn man es nicht glauben mag. Da ich früher vermehrt Hobbyfotograf war, besitze ich noch immer eine hochwertige Kamera. Das Ablichten von uns beiden hat mir jedoch so viel Freude bereitet, dass ich nun wieder öfter fotografieren werde“, verkündet der laut eigenem Bekenntnis passionierte Horrorfilm-Junkie.

Fans des Duos können sich auf ein neues Album freuen, welches in diesem Frühjahr 2005 aufgenommen werden wird.

„Daran arbeiten wir jetzt schon heftig. Ich hoffe doch sehr, dass wir die Veröffentlichung dann noch vor dem Sommer hinkriegen, damit wir auf den ganzen Festivals auftreten und das zweite Album entsprechend promoten können.“

Was die Entwicklung des reizvoll obskuren Images von The Vision Bleak anbelangt, verrät Schwadorf nur soviel: „Es wird weiterhin der Welt von Tod und Schrecken Tribut zollen.“

Seine Zukunftspläne neben der Musik verwundern eingefleischte The Vision Bleak-Anhänger daher ganz bestimmt nicht: „Ich werde weiterhin meine Horrorfilm-Kollektion aufbauen, wobei ich Filmen älteren Datums nach wie vor deutlich den Vorzug gegenüber neueren und oftmals bis zur Schmerzgrenze digital produzierten Streifen gebe. Gerade, weil ich so ein Filmfan bin, wünsche ich mir, dass in den Köpfen unserer Hörer auch imaginäre Horrorfilme ablaufen, während sie unsere Kompositionen hören.“

Alte Horror- beziehungsweise Vampirklassiker und ihre gruseligen Inhalte werden somit auch weiterhin die Hauptinspiration für die Songs von The Vision Bleak darstellen, soviel ist laut Feststellung von Schwadorf sicher.

© Markus Eck, 13.01.2005

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